Uganda: Kein Zurück in den Südsudan

Elizabeth floh gemeinsam mit ihren vier Kindern vor der Gewalt im Südsudan. Jetzt ist sie eine von 100.000 südsudanesischen Flüchtlingen in Uganda und erhielt eine Ausbildung zur CARE-Hygienehelferin.

Stolz zeigt Elizabeth jedem Besucher ihre saubere und aufgeräumte Hütte im Zentrum einer Flüchtlingssiedlung in Uganda. „Als Hygienehelferin vermittle ich Wissen, das ich auch selbst anwende“, erklärt die alleinerziehende Mutter. Während sie ihr jüngstes Kind stillt, erzählt die 26-Jährige von ihrer Flucht.

„Als die Gewalt in Bor, im südsudanesischen Bundesstaat Jonglei, schlimmer wurde, nahm ich meine Kinder und meinen 11-jährigen Neffen und lief nach Juba. Meinen Ehemann musste ich zurücklassen. Anfangs waren wir eine große Gruppe, die in Richtung Hauptstadt aufbrach. Als wir in Juba ankamen, trennten sich unsere Wege. Ich war wieder auf mich allein gestellt und fühlte mich unsicher. Also entschloss ich mich ins weiter südliche Yei zu reisen, da dort angeblich keine Gewalt herrschte. Als wir ankamen überquerten wir die Grenze nach Uganda“, so die junge Frau.

Ankunft im Flüchtlingsdorf

Im ugandischen Koboko angekommen, wurden Elizabeth und ihre Familie von der UN-Flüchtlingshilfe und ugandischen Behörden in Empfang genommen. Sie erhielten Lebensmittel und kamen nach kurzer Zeit in einem Flüchtlingsdorf unter. Als Elizabeth an ihrem zugewiesenen Grundstück im Dorf Agulupi ankam, erhielt sie Werkzeuge, Plastikunterlagen und Matratzen. „Da ich uns keine Unterkunft bauen konnte, mussten meine Kinder und ich jede Nacht unter einem Baum außerhalb des Dorfes schlafen. Ich habe mich aber sofort bei der Dorfleitung gemeldet und angeboten, für die Gemeinde zu arbeiten“, berichtet Elizabeth.

Da die junge Mutter zu den am meisten gefährdeten Flüchtlingen zählt, wurde sie in das CARE-Nothilfeprogramm aufgenommen. CARE kauft Material aus der Region und engagiert lokale Arbeiter, die den Familien Hütten, Latrinen und Müllgruben bauen. Zudem startete CARE eine Hygienekampagne, für die Elizabeth  als Helferin engagiert wurde – obwohl sie kein Englisch spricht. „Ich habe bereits im Südsudan im Hygiene- und Sanitärbereich gearbeitet und möchte nun die Lebensbedingungen hier in Agulupi verbessern“, begründet sie ihre Motivation.

Endlich wieder eine Perspektive

„Mein Leben hat sich komplett gewandelt. Ich wache morgens auf und fühle mich als Teil der Gemeinschaft“, erzählt Elizabeth von ihrem neuen Leben. „Ich bin CARE so dankbar und ich sehe auch, dass mir die Dorfgemeinschaft dankbar ist. Wenn die Menschen die sichtbaren Veränderungen der Hygienemaßnahmen sehen, die ich ihnen beigebracht habe, denken sie an mich.“ Dennoch sind die Lebensbedingungen schlimm. „Wir brauchen dringend Seife und Wasserkanister. Meine Kinder haben keine Kleidung.“ Mit Beginn der Regensaison wird Malaria eine zunehmende Bedrohung. Die Mehrheit der Flüchtlinge nutzten die Moskitonetze, die sie von Hilfsorganisationen erhalten, als Baumaterialien und Seile für ihre Hütten. Um das zu verhindern, verteilte CARE zusätzlich Seile und Nägel.

Obwohl im Südsudan zurzeit Waffenruhe herrscht, glaubt Elizabeth nicht an eine strahlende Zukunft in ihrem Heimatland. Deshalb plant sie in nächster Zeit keine Rückkehr, auch wenn die Lebensbedingungen als Flüchtling hart sind. Ihrer Familie fehlt es an allem, aber sie sind in Sicherheit. „Ich werde nicht in den Südsudan zurückkehren, bis ich mir sicher sein kann, dort in Frieden zu leben.“