"Unsere Kinder weinten ununterbrochen"

Asli und ihre Familie warten darauf, in Dadaab als Flüchtlinge registriert zu werden

Wir treffen Asli am Registrierungszentrum im Camp IFO. Sie sitzt mit ihren vier Kindern unter einem verdorrten Baum. Eines der Kinder schreit ununterbrochen. Wir fragen sie nach ihren Problemen und sie erzählt uns, dass ihr Kind zwei Jahre alt und geistig behindert ist. Es liegt seit einigen Tagen im Fieber. Als wir fragen, ob sie es schon einmal ins Krankenhaus gebracht hat, antwortet sie, dass der Aufnahmeprozess für das Lager im Moment wichtiger sei. „Wenn wir registriert sind, haben wir endlich einen festen Platz zum Wohnen und können dann medizinische Hilfe suchen“, sagt sie.

Asli wartet darauf, ins Lager aufgenommen zu werden

Es kommen jeden Tag knapp 1.500 neue Flüchtlinge in Dadaab an. Die Registrierung einer Familie dauert fast drei Wochen. Früher dauerte es nur einige Tage. Viele Familien können aber nicht auf die Registrierung warten. Sie brauchen so schnell wie möglich Hilfe. Deshalb hat CARE in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm die Ausgabe von Lebensmittel an die Wartenden ausgeweitet. CARE-Mitarbeiter versorgen die neu Angekommenen mit Lebensmitteln für drei statt wie zuvor zwei Wochen. Sind die Familien erst einmal registriert, können sie reguläre Essensrationen bekommen. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Versorgung steht ihnen dann auch frei. 

„Die Situation wurde jeden Tag schlimmer“

Asli und ihre Kinder warten im Schatten eines Baumes auf Hilfe in Dadaab. (Foto: CARE)Das Leben von Asli in Somalia war nicht mehr das gleiche, nachdem all ihr Vieh wegen der Dürre verendet war. Die Ernte fiel ebenfalls aus, als es nicht mehr regnete. “Die Situation wurde jeden Tag schlimmer. Wir haben unsere letzten Vorräte aufgebraucht, bis wir nichts mehr zu essen hatten,“ sagt Asli. Ihre Kinder sind zwischen vier Jahre und drei Monate alt.  
“Unsere Kinder weinten ununterbrochen und ich hatte auch keine Muttermilch mehr, um meinen Säugling zu ernähren. Deshalb entschloss sich mein Mann, mit dem bisschen Geld, das wir noch übrig hatten, nach Dadaab zu fliehen. Von dem Camp haben wir schon in Somalia gehört. Es sind sogar einige unserer Nachbarn nach Kenia geflohen. Sie sagten, dort gäbe es verschiedene Organisationen, die umsonst Essen ausgeben und medizinische Versorgung und Bildung bereitstellen. Das ist alles was wir brauchen.“

Viele Menschen wissen nicht, wo und wie sie Hilfe bekommen

Ihre Reise von Somalia hierher war lang. Die Familie brauchte fünf Tage, um das Flüchtlingslager zu erreichen. Nach ihrer Ankunft gingen sie zum Aufnahmezelt. Dort gab man ihnen Armbänder, um sie auf die Registrierung vorzubereiten. Mit diesen Armbändern erhalten sie Unterstützung von den Hilfsorganisationen, die in Dadaab arbeiten.

Bei der Ankunft in Dadaab ging es drunter und drüber. Deshalb wusste Aslis Familie nicht, dass sie zum Zelt für die Essensausgabe gehen müssen, um Lebensmittel zu erhalten. CARE-Mitarbeiter berichten, dass viele Menschen so hungrig, traumatisiert und erschöpft ankommen, dass sie nicht wissen, wo und wie sie die Hilfe erhalten können, die sie benötigen. Wir fanden Asli und ihre Familie, als wir die neu Angekommenen darüber informierten, wie man Unterstützung erhält und wo man sich melden kann, wenn man auf der Flucht Opfer sexueller Übergriffe wurde. Asli und ihre Familie wohnten wie viele andere Neuankömmlinge in einer provisorischen Hütte außerhalb des Camps. Sie sind vor 13 Tagen angekommen – ohne etwas zu essen.

“Meine Kinder sind krank und hungrig“, sagte sie. „Wir sind seit sechs Uhr morgens hier. Jetzt ist es eins und die Sonne ist heiß. Wir haben kein Geld bei uns. Frauen verkaufen Tee und Mandazi (ein Gebäck), aber wir können es uns nicht leisten. Wir warten, bis wir registriert werden und suchen uns dann etwas zu essen.“

Erleichtert trotz Hitze und Dürre

Sofort nachdem wir Asli und ihre Familie gefunden haben, bekamen sie vom UN-Flüchtlingshilfswerk Lebensmittel für die nächsten drei Wochen. Sie werden bald registriert und können dann im Camp wohnen. Asli war sehr erleichtert, in Dadaab, einem heißen, kargen Ort irgendwo im Nichts, angekommen zu sein. Ihre Geschichte zeigt, wie verzweifelt die Lage in dem von der Dürre geplagten Somalia ist. Sie macht deutlich, wie wichtig es ist, eine langfristige Lösung für die Lebensmittelknappheit und die Folgen der Dürre zu finden. Dann müssten Menschen wie Asli gar nicht erst ihre Heimat verlassen und Zuflucht in einem überfüllten Camp suchen.

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