Vergessene Katastrophen, stille Hilfe

Der 'CNN-Effekt' bedeutet: Ohne Bilder keine Gelder

Zu Beginn des neuen Jahres blickt CARE auf ein katastrophenreiches 2011 zurück, in dem der Tsunami in Japan und die Hungersnot in Ostafrika viel Aufmerksamkeit erhalten haben. Der sogenannte ‚CNN-Effekt’, wenn Fernsehbilder von Katastrophen zum Spenden motivieren, hilft humanitären Organisationen wie CARE, zu helfen. Unterstützung benötigen aber auch diejenigen Länder, in denen Krisen zum Dauerzustand geworden sind oder die sich abseits der öffentlichen Wahrnehmung befinden.

Pakistan

Denn auch im Jahr 2011 herrschten in vielen Regionen der Welt Krisen, die kaum Beachtung fanden. So brachte etwa die Regenzeit in Pakistan im Sommer 2011 erneute Zerstörung, nachdem 2010 bereits verheerende Fluten weite Teile des Landes unter Wasser gesetzt hatten. 8,9 Millionen Menschen mussten ihr Zuhause verlassen und verloren jegliche Lebensgrundlage. Mit Hilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt CARE die Menschen nun beim Wiederaufbau ihrer Existenzgrundlagen. So fördert CARE durch die Verteilung von Saatgut, Dünger, landwirtschaftlichen Nutzgeräten und sogenannten „Cash for Work"- Programmen insbesondere die Landwirtschaft, damit die Menschen wieder Nahrungsmittel anbauen und ihren Lebensunterhalt verdienen können. Laut der Vereinten Nationen sind bis heute weniger als die Hälfte der benötigten Gelder für die Nothilfe in Pakistan bereitgestellt worden. Die Folge: Der Wiederaufbau geht nur langsam voran, viele Gemeinden kämpfen noch mit den Folgen der Fluten. 

Sri Lanka

Auch Sri Lanka stand nach dem verheerenden Tsunami 2004 im Zentrum der Weltöffentlichkeit, aber sieben Jahre später blickt kaum noch jemand auf den südasiatischen Inselstaat.

Nach erneuter Gewalt und dem Ende des Bürgerkrieges im Jahr 2009 benötigten viele Menschen Hilfe beim Neuanfang. Inzwischen sind über 424.600 Vertriebene in ihre Heimatdörfer zurückgekehrt, nun sind sie auf Notunterkünfte und Unterstützung beim Neuanfang angewiesen. CARE hilft im Norden des Landes 1.000 Familien dabei, ihre Lebensgrundlagen wieder aufzubauen. Dabei werden zunächst Gemeindegruppen dazu befragt, welche Form der Unterstützung sie benötigen. CARE verteilt dann Starterpakete, die Saatgut, Werkzeug und kleine Geräte enthalten. Auch Straßen und Bewässerungssysteme sollen ausgebaut werden. 

Tschad

Nicht nur Pakistan und Sri Lanka, auch der zentralafrikanische Staat Tschad ist ein Land, das selten im Fokus der Öffentlichkeit steht. Über 260.000 Sudanesen aus der Krisenregion Darfur leben mittlerweile als Flüchtlinge im Osttschad. So entstanden soziale Spannungen zwischen den Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung, außerdem werden die Ressourcen wie Brennholz und Weidegrund knapp. Auch hier unterstützt das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung CARE bei der Linderung der Not. 10.000 Haushalte in den Dörfern in der Nähe der Flüchtlingslager erhalten Nahrungsmittel und Unterstützung beim Aufbau der Landwirtschaft.

Pakistan, Sri Lanka, Tschad: Diese Beispiele zeigen, dass auch vergessene Krisen Hilfe benötigen. Staatliche Geber und private Unterstützer, die regelmäßig spenden, ermöglichten es CARE im Jahr 2011, auch dort zu helfen, wo das Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit zu selten hinfällt. 

Der „Financial Tracking Service“ der Vereinten Nationen gibt einen Überblick über die vorhandenen und benötigten Gelder für alle humanitären Einsatzgebiete weltweit. Und dabei spiegelt er häufig den ‚CNN-Effekt’: Für die Flutnothilfe in Pakistan stand weniger als die Hälfte der benötigten Gelder zur Verfügung, die Hilfe im Norden Sri Lankas ist zu lediglich 34 Prozent finanziert. Für den Tschad standen 2011  nur 56 Prozent der benötigten Gelder zur Verfügung.