Vietnam: Die Alleskönner

Der Anbau von Mangroven ist einer der effektivsten Wege, um die Küsten – und damit auch ihre Bewohner – vor Überflutungen oder Bodenerosionen zu schützen.

Vu Thi Hai kümmert sich hingebungsvoll um die jungen Mangrovenbäume ihrer kleinen Farm. Für sie ist diese Arbeit ein wichtiger Beitrag, ihr Heimatdorf Yen Dong und seine Bewohner vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. 

Hai arbeitet seit Juli 2007 auf der Mangrovenfarm, ein Jahr nachdem der Taifun Damarey weite Teile der nordostvietnamesischen Küste zerstörte. Solche Taifune und Überschwemmungen treten immer häufiger in Vietnam auf. Die Weltbank geht davon aus, dass das südostasiatische Land mit seiner 3.200 kilometerlangen Küste eines der fünf Länder ist, das am stärksten vom steigenden Meeresspiegel betroffenen sein wird. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter wären nahezu 17 Millionen Vietnamesen von den Folgen betroffen. CARE kennt diese dramatischen Zahlen und arbeitet mit der lokalen Bevölkerung zusammen, um die Auswirkungen des Klimawandels so gering wie möglich zu halten. Vu Thi Hai hat mit ihrer Mangrovenfarm Pionierarbeit geleistet, denn ihr war schnell bewusst, dass die vielen Küstendörfer immer mehr Mangroven benötigen werden.

Bäume fangen Stürme und Wellen ab

Die Mangrovenfarm wurde gemeinsam mit CARE und dem örtlichen Verband für Mangrovenanpflanzung ins Leben gerufen. Die ersten Samen wurden von einer Mangrovenfarm in der nordöstlich gelegenen Thai Binh Provinz gekauft, um damit eine eigene Baumschule in Yen Dong aufzubauen. Bei einer Dorfversammlung bildeten sie eine Arbeitsgruppe, für die 23 besonders engagierte und zuverlässige Teilnehmer ausgewählt wurden. Jeden Monat trifft sich die Gruppe und entscheidet, welche Arbeiten auf der Mangrovenfarm in der nächsten Zeit anfallen und wer die Verantwortung dafür trägt.

Zeit, Geduld und Sorgfalt - alle arbeiten mit

Mit der Hilfe von CARE konnten bereits 200 Hektar Mangrovenwald angepflanzt werden. Hai und ihre Farmkollegen waren deshalb so erfolgreich, weil das gesamte Dorf in die Anpflanzung und Pflege der Mangrovenzucht einbezogen wurde. Nur, wenn die Menschen wissen, wie sie ihre Situation verändern können, das Problem verstehen und miteinander Projekte durchführen und verantworten, kann eine gute Idee Früchte tragen. 

In Yen Dong werden zwei verschiedene Mangrovenarten angepflanzt, die beide in Meeres-, und in Süßwasser gedeihen können. Die Aufzucht beansprucht von den Farmarbeitern viel Zeit und Geduld. Nachdem die beste Erde für die Mangrovensamen in Plastikbeutel gefüllt wurde, packen alle Mitarbeiter mit an und pflanzen die Samen von älteren Mangroven in die Beutel. In kleinen Gruppen kümmern sie sich dann um die frisch gesäten Pflanzen und tragen Sorge dafür, dass keine Schädlinge die Saat zerstören. Es ist reine Handarbeit und große Sorgfalt, die die Mangroven auf ihre wichtige Aufgabe vorbereiten. "Ich würde die Mangrovenfarm gerne erweitern und Samen und Setzlinge an andere Küstenregionen Vietnams verkaufen", sagt Hai. "Es ist ein gutes Gefühl, mit allen für eine so wichtige Sache zu arbeiten."


Im September 2005 verwüstete Taifun Damrey die Ostküste von Vietnam. Mit einer Windgeschwindigkeit von 100 Kilometer pro Stunde riss er Häuser, Reisfelder und Vieh mit sich und zerstörte die Lebensgrundlage vieler Gemeinden. Nur der Hau Loc Distrikt entkam umfangreichen Schäden dank seiner Mangrovenwälder, die CARE in dieser Region wiederaufforstet. Dieses Video zeigt, wie Mangrovenwälder die Auswirkungen von Katastrophen wie Taifun Damrey abschwächen können.