Warten auf einen neuen Anfang

Mariamma und ihre drei Kinder mussten fliehen. Im Flüchtlingscamp Menik Farm finden sie vorübergehend ein neues Zuhause

Mariamma, ihr Mann und ihre Kinder waren schon mehrfach vertrieben worden, bevor sie in der „waffenfreien Zone“ ankamen. Ihr Mann wurde in den letzten Monaten vor Kriegsende gezwungen, in der LTTE Küche [Küche der Sri Lankischen Rebellenorganisation „Liberation Tigers of Tamil Eelam“ (LTTE)] zu arbeiten.

Aus Angst, die LTTE würde ihn zum Kämpfen zwingen, floh er schließlich mit seiner Familie. Gleich zu Beginn der gefährlichen Flucht wurde er schwer verwundet und starb schließlich an seinen Verletzungen. Mariamma, die ihre Kinder schützen musste, war damals gezwungen, ihren Mann zurückzulassen und weiterzufliehen – schwer erschüttert nicht nur durch seinen Tod, sondern auch weil sie ihn nicht angemessen beerdigen konnte.

 

Nicht mehr dabei als die Kleider am Leib


Mariamma verließ das Vanni-Gebiet zusammen mit ihrer kranken Mutter, die von der Armee in ein Krankenhaus bei Omanthai gebracht wurde. Es sollte ihr später nicht mehr gelingen, die Spur ihrer Mutter zurückzuverfolgen. Sie schrieb an die Behörden und suchte sie in den angrenzenden Gebieten des Flüchtlingscamps Menik Farm – doch sie fand sie nicht wieder.

Nun vermutet sie, dass man ihre Mutter in ein Altersheim gebracht hat, aber sie hat kein Geld, um zu allen Heimen zu reisen und dort nach ihr zu suchen. Ihre drei Kinder sind zwischen 14 und 16 Jahre alt und gehen in eine Schule, die provisorisch auf dem Campgelände errichtet wurde.
Als die Familie vor den Kämpfen floh, besaßen sie nicht viel mehr als die Kleider, die sie am Leib trugen. Mariamma fehlte selbst das Geld für die allernotwendigsten Dinge.

 

Das Leben wird wieder einfacher

Sie war deshalb unendlich froh über die Kleidung und Haushaltsgegenstände, die CARE ihr zur Verfügung stellte: „Als wir ankamen, hatten wir sehr viele Probleme. Wir hatten wenig zu essen und kein Geld. Das wurde besser, als die Gemeinschaftsküche eröffnet wurde. Wir haben so viel von CARE bekommen: Kleidung, Wasserbehälter, Eimer, Matten, Moskitonetze... Danach wurde das Leben ein wenig einfacher. Manchmal waren die Kleider zu groß, aber wir konnten mit Nachbarn tauschen.“


Durch die von CARE bereitgestellte Grundausstattung gewannen Mariamma und ihre Familie wieder ein wenig an Normalität, Unabhängigkeit und Würde zurück. „Ich habe kein Geld, irgend etwas zu kaufen. Also bin ich sehr vorsichtig mit der Seife, der Zahncreme und dem Waschpulver. Meine Kinder und ich haben nun aber das Notwendigste“, sagt sie.

 

"Es gibt einen Gott, der uns hilft"


Dann erzählt sie noch, dass es für ihre Kinder sehr schwer ist, in der Schule mitzukommen, weil die Familie nicht genug Geld hat, um Unterrichtsmaterialien zu kaufen. Auch sind die Bestände der anderen Hilfsorganisationen mittlerweile aufgebraucht, weil die Vertreibung bereits acht Monate anhält.

Doch Mariamma ermutigt ihre Kinder: „Macht euch nicht zu viele Sorgen. Lernt einfach! Es gibt einen Gott, der uns hilft.“
Ähnlich wie andere Vertriebene wartet Mariammas Familie sehnlich darauf, nach Hause zurückzukehren und wieder selbst für das eigene Einkommen zu sorgen: „Hier ist es schwierig, weil wir kein Geld verdienen können. Aber zu Hause haben wir Land und Kokosnussbäume. Damit könnte ich wieder neu anfangen...“

Über 280.000 Menschen mussten vor dem Konflikt in Sri Lanka 2008 fliehen. In Camps wie Menik Farm in Vavuniya, in dem CARE mit Hilfe der Humanitären Hilfe der Europäischen Union (ECHO) und dem Auswärtigen Amt (AA) von Beginn an Nothilfe geleistet hat, haben viele von ihnen vorübergehend ein neues Zuhause gefunden.