Watteweiche Klimaziele

Die Klimagipfel in Poznan und Kopenhagen als Prüfsteine für globale Verantwortung

Nun macht also auch Barack Obama Ernst mit den verbindlichen Klimazielen. Man darf gespannt sein, ob er oder sein designierter Vize Präsident Joe Biden die 14. Klimakonferenz in Poznan ernsthaft begleiten und die Vorbereitungen für einen weltweiten Klimapakt unterstützen werden, der für die Zeit nach dem Kyoto-Abkommen greifen soll. Auch für die Ratifizierung von Kyoto ist es noch nicht zu spät für die USA. Aber wichtiger sind jetzt die nächsten Schritte in die unmittelbare Zukunft: Ein Abkommen zu schaffen, das den Titel „Klimaschutz“ verdient. Und die Einigung der vielen technischen Debatten herbeizuführen, die immer noch verhindern, dass die globale Erwärmung des Planeten auf 2 Grad begrenzt wird. Dies ist möglich. Noch. Doch selbst dieses wünschenswerte Szenario wird nicht ohne katastrophale Folgen für viele Regionen der Welt auskommen. Neben den immer häufigeren weltweiten Wirbelstürmen, Erdrutschen und Überflutungen sind es vor allem die Länder des Nachbarkontinentes Afrika, die schon jetzt spüren, dass Klimawandel die Ärmsten trifft. Dürren, unvorhersehbare Niederschläge, Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent treffen über eine Milliarde Menschen Afrikas, deren wesentliche Lebensgrundlage auf der Landwirtschaft beruht. Derzeit wird geschätzt, dass im Jahr 2025 600 Millionen Afrikaner nicht genügend Wasser zur Verfügung haben werden – und bereits heute ist Wassermangel einer der gravierenden Konfliktfaktoren, im Darfur, im Tschad und anderswo. Aber nicht nur die Statistiken sind bereits zu erschreckend, als dass man noch wegsehen könnte: Klimaflüchtlinge aus Afrika, die nach Europa streben, sind heute schon genauso Realität wie die Flucht Hunderttausender vor der wirtschaftlichen Armut.

Da viele klimatisch bedingte Entwicklungen kaum mehr aufzuhalten sind, ist es wichtig, dass die Konferenz in Poznan die Stimme der Armen hört. Dass Anpassung an schwierige Lebensverhältnisse unterstützt wird, mit Hilfe der neuen und innovativen Finanzierungsmechanismen, die zur Diskussion stehen. Dass ein Bioreservat nicht nur Leoparden und Menschenaffen, sondern auch die Einwohner schützt, die von und mit der Natur leben. Und dass man von den vielen Geldern, die durch Emissionszertifikate erlöst werden, auch Einkommensalternativen für Menschen schafft, in deren Gemüsegarten heute schon nichts mehr wächst. Auch Sonnenenergie und energiesparende Öfen in Flüchtlingscamps in Afrika müssen gefördert werden, damit die Frauen beim Feuerholzsammeln nicht überfallen und vergewaltigt werden. Die Rechte und Bedürfnisse der Menschen, die am stärksten unter dem Klimawandel leiden, dürfen nicht zu kurz kommen. Das sollte die Doktrin aller Klimaverhandlungen sein.

Von den geschätzt notwendigen 50 Milliarden Dollar pro Jahr, die die Anpassung der Menschen an neue Klimabedingungen ermöglichen sollen, ist nur ein Bruchteil zugesagt. Und die nationalen Klimaziele sind weich wie Watte. Poznan und der Klimagipfel in Kopenhagen im nächsten Jahr sind mehr als nur Konferenzen. Sie sind Prüfsteine für globale Verantwortung, auch für ein neues Amerika, Mr. President.

 

Dr. Wolfgang Jamann nimmt am 1. und 2. Dezember an der Konferenz teil. Für Interviewwünsche kontaktieren Sie bitte unsere Kollegin Sandra Bulling in Poznan. Sie erreichen sie mobil unter +49 (0)151 126 27 123 oder +485 1771 70 13.