Welt-Toilettentag: „Wir bekommen ein Stück unserer Würde zurück“

Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien leben tausende syrische Flüchtlinge im Libanon. Gemeinsam mit lokalen Partnern arbeitet CARE daran, hygienische Bedingungen und die Wasserversorgung zu verbessern.

Es ist ein großer Tag für Halima. Zum ersten Mal, seitdem sie aus Syrien nach Sabra, einem südlichen Vorort von Beirut, Libanons Hauptstadt, geflohen ist, öffnet sie die Ladentür zu einem lokalen Supermarkt in ihrer Nachbarschaft. Inmitten der endlos langen Regale, die bis unter die Decke mit Lebensmitteln, Toilettenpapier, Windeln und Seife gefüllt sind, zückt sie einen kleinen CARE-Gutschein auf dem Hygieneartikel stehen, die sie für sich und ihre Familie heute mitnehmen darf – vier Rollen Toilettenpapier, Zahnbürsten, Zahnpasta, Seife, Spülmittel, Badetücher, drei Packungen Damenbinden und Müllbeutel. Sie lächelt, wirkt fast ein wenig eingeschüchtert von der Fülle an Waren und gibt sich bescheiden, als sie ihren Gutschein für das Hygiene-Paket einlöst: „Danke“, sagt sie, „Heute ist ein guter Tag für unsere Familie. Wir bekommen ein Stück unserer Würde zurück, die wir mit unserem Hab und Gut in Syrien zurücklassen mussten.“

Rashid, Mitarbeiter einer lokalen CARE-Partnerorganisation, hat extra alle Produkte so arrangiert, dass syrische Frauen wie Halima unbeobachtet bleiben und sich nicht schämen müssen, wenn sie für ihre Familien Hygieneartikel einkaufen. „Wir wollen, dass sich die Frauen wie in einem Supermarkt in ihrer syrischen Heimat fühlen, wenn sie einkaufen gehen, um ihre Familien zu versorgen“, erklärt Rashid. Während er Halima die Hygiene-Artikel aushändigt, beobachtet ihn eine kleine Gruppe syrischer Frauen, die kichern. Sie sind es nicht gewohnt einen Mann zu sehen, der sich um Hygiene- und Haushaltsfragen kümmert – normalerweise sind Frauen dafür verantwortlich.

Sauberkeit ist sehr wichtig für ein Leben in Würde

Für syrische Frauen, Kinder und Männer, die in Beirut leben, bedeutet eine saubere Toilette sehr viel mehr als nur persönlicher Komfort. "Frauen betrachten es manchmal als persönliches Versagen, wenn ihre Familie gezwungen ist in einer unreinen Umgebung zu leben“, berichtet CARE-Mitarbeiterin Dalia Sbeih. „Ich erinnere mich immer an eine syrische Frau, für die der Gestank in ihrer Unterkunft, das Schlimmste an ihrem Flüchtlingsdasein war.“ Sauberkeit ist sehr wichtig für ein Leben in Würde, gerade in dieser Region der Welt. Selbst in einem armen Haushalt, der nur aus vier Wänden und einer Kochstelle besteht, ist alles bis in die letzte Ecke perfekt geputzt.

In den überfüllten Wohnungen in Beirut ist es für syrische Frauen und Mädchen oft eine große Herausforderung die Kochstellen, Toiletten, Böden und Betten jeden Tag sauber zu halten. Meistens sind die Toiletten direkt neben der Küche und nicht überall gibt es Fenster und immer fließend Wasser: Kinder, Frauen und Männer müssen dieselbe Toilette benutzen. Manchmal sind es mehr als 20 Personen, die sich die gleiche Toilette teilen.

In Sabra ist für syrische Flüchtlinge vieles anders als in ihrer Heimat, auch wenn diese nur einige hundert Kilometer weit entfernt liegt. „Zu Hause in Syrien hatten wir zwei verschiedene Wasserleitungen in unserem Haus, eine für Trinkwasser und eine für alle anderen Zwecke“, sagt Yousra, eine syrische Frau, die gerade ein Baby-Hygiene-Set mit Windeln, Desinfektionsmitteln, Seife und milder Lotion gekauft hat. „Hier in Beirut haben wir nur einen Wasserhahn, den wir mit allen anderen Familien, die auf unserer Etage wohnen, teilen müssen. Manchmal kommt kein Tropfen Wasser mehr aus der Leitung und wir wissen nicht, woher wir Wasser zum Trinken, Kochen und für unsere tägliche Toilette bekommen sollen.“

Ein Schritt zurück in die Normalität

Eine saubere Toilette mit einer Tür, die schließt, mit Wasser, das die Ausübung von grundlegenden kulturellen und religiösen Waschritualen möglich macht, ohne dass Mädchen und Frauen sich belästigt oder beschämt fühlen und wo Kinder die Grundlagen der persönlichen Hygiene erlernen können, ist eines der menschlichen Grundbedürfnisse. In Beirut, wo viele syrische Flüchtlinge leben, ist es Symbol für einen großen Schritt zurück zur menschlichen Würde und Normalität.

Gemeinsam mit einer lokalen Partnerorganisation unterstützt CARE mehr als 500 syrische Flüchtlingsfamilien, die dringend Hilfe benötigen. Bereits 180 Haushalte erhielten Unterstützung in der Wasserversorgung. Durch Ausbildungen und Aufklärungskampagnen zu den Themen Gesundheit und Körperhygiene arbeitet CARE daran, die Lebensbedingungen von syrischen Frauen, Kindern und Männer im Libanon nachhaltig zu verbessern.