Weltflüchtlingstag: Sieben Jahre im Exil

Hanan, 50, lebt mit ihren Kindern in Jordanien. Sie führt den Haushalt und die Familie, ihr Mann wird in Syrien vermisst. Hier ist ihre Geschichte.

2013 mussten wir aus Syrien fliehen. Unsere Stadt Homs – von Bomben zerstört. Ich habe fünf Kinder. Mein Mann wurde verhaftet und ist seitdem wie vom Erdboden verschluckt. Zusammen mit meinen Schwestern und meinem Onkel flohen wir nach Jordanien. Bereits kurze Zeit später verstarb mein Onkel.

Heute leben wir in einer kleinen Wohnung in Zarqa. Von den 250 Jordanischen Dinar, die wir im Monat zur finanziellen Unterstützung bekommen, kann ich die Wohnung kaum bezahlen. Umgerechnet sind das etwa 315€. Neben der Miete bleibt nur noch wenig zum Leben übrig.  Es gibt so viel, was meine Kinder bräuchten. Und ich kann ihnen nichts von alldem geben. Ich habe keine Arbeit. Es ist wirklich schwer für uns.

Immerhin verstehe ich mich gut mit meinen Nachbarn. Meine Kinder spielen gerne mit ihrer Katze „Cappuccino“. Oft schwelgen wir zusammen in Erinnerungen über unser früheres Leben in Syrien. Wie wir mit Freunden zusammensaßen, spielten. Auf dem Tisch oft selbstgemachtes Humus.
Ich versuche diese Erinnerungen lebendig zu halten. Ich möchte, dass meine Kinder sich an unsere Kultur erinnern. Und an ihren Vater. Er war Mechaniker, ein sehr geschickter Mann. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass ich ihn eines Tages wiedersehen werde.

Hoffnung für die Kinder

Für meine Kinder möchte ich eine bessere Zukunft. Bis auf meine älteste Tochter gehen sie alle in die Schule. Ich wünsche mir, dass sie ihre Schule beenden und eine Arbeit finden. Wenn ich könnte, würde ich einen privaten Lehrer anstellen, damit sie noch besser lernen können. Aber das kann ich mir nicht leisten. Manchmal überlege ich, ob wir nicht umziehen sollten. In ein Land, wo meine Kinder eine bessere Bildung bekommen könnten. Aber wir kennen niemanden im Ausland.

Wie alle Kinder haben auch meine große Pläne. Meine 9-jährige Tochter Batul zum Beispiel. Sie träumt davon nach Amerika zu gehen und Ärztin zu werden. Als ihre Tante operiert werden musste, haben wir sie oft im Krankenhaus besucht und Batul hat dem Arzt Löcher in den Bauch gefragt. Mein jüngster Sohn Moutaf weiß zwar noch nicht, was er später werden will, aber immer wenn ich ihn frage, antwortet er: „Ich werde mich um dich kümmern, Mama.“
 
Zurzeit sorge ich mich besonders um meine älteste Tochter. Zuhause in Syrien war sie eine gute Schülerin. Aber ihr fällt es schwer, sich an unser neues Leben zu gewöhnen. Kürzlich hat sie sich nun verlobt. Er kommt auch aus Syrien. Ich würde mir wünschen, dass sie trotzdem nicht ihre Bildung aufgibt. Doch mit ihren 18 Jahren ist sie erwachsen genug, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Ich muss schließlich auch an meine anderen Kinder denken. Vielleicht wird es etwas einfacher für uns, wenn sie auf ihren eigenen Beinen steht.

Neue CARE-Studie „Seven Years into Exile“: Im April 2017 wurden 2.184 Personen in Jordanien zu den Bereichen Wohnen, Nahrung, Ausgaben, Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und Beziehung zu den Gastgemeinden befragt. Unter den Befragten waren syrische Flüchtlinge, Jordanier, CARE-Personal, Regierungsmitglieder Jordaniens und Mitarbeiter lokaler Hilfsorganisationen.

Eine Kurzzusammenfassung der Studie sowie einen Factsheet mit den wichtigsten Ergebnissen im Überblick, finden Sie auf unserer Webseite.

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