Weltmädchentag: Razan lebt für ihre Chance auf Bildung

Wieder studieren zu können ist der größte Traum der 20-jährigen Razan. Bevor sie mit ihrer Familie aus Syrien fliehen musste, ging sie täglich zur Universität, obwohl ganz in der Nähe Bomben fielen.

„Weiter zur Uni zu gehen forderte viel Mut und ganz viel Unterstützung von meinen Eltern. Ich erinnere mich noch, dass ich einmal eine Prüfung machen musste, als in unmittelbarer Nähe Bomben fielen. Ich betete, dass die Bomben uns nicht treffen. Der Lärm war so unerträglich, dass meine Hände vor lauter Zittern den Stift nicht mehr halten konnten. Ich starrte auf die Testfragen vor mir und konnte mich nicht auf die Antworten konzentrieren. Aber ich war entschlossen, weiter zur Uni zu gehen.“

Razans Studium war gefährlich – nicht nur wegen den Bomben. Es kam häufig zu Entführungen. Deshalb wurde Razan auf dem Weg zur Uni und nach Hause immer von ihrer Mutter begleitet. Doch dann kam eines Tages die Nachricht, dass die Universität am nächsten Tag bombardiert werden sollte. „Wir waren von so viel Angst und Zerstörung umgeben, dass meine Familie sich zur Flucht entschloss. Wir ließen alles zurück – aber eigentlich gab es gar nicht mehr viel zurückzulassen. Unser Haus war bereits bis auf die Grundmauern niedergebombt worden.“

Vor neun Monaten erreichte Razan mit ihrer Familie Jordanien. Eine lange Reise lag hinter ihnen – sowohl in Syrien als auch in Jordanien –, bis sie endlich Mafraq, eine jordanische Stadt nahe der syrischen Grenze, erreichten. Hier sind sie sicher, aber Razan kann ihr Studium nicht fortsetzen. Das schmerzt sie am meisten.

„Das Einzige, was mich aufrecht erhält!“

Heute arbeitet Razan als eine von acht freiwilligen Helferinnen im CARE-Flüchtlingszentrum in Mafraq. Sie erzählt: „Jeden Tag spreche ich mit Menschen, die aus unserem Land geflohen sind, genau wie meine Familie. Ihre Geschichten haben mir gezeigt, dass meine eigene Geschichte nur ein kleiner Teil ist. So viele andere Flüchtlinge haben Furchtbares erlebt. So viele junge Frauen und Mädchen haben das gleiche erlebt wie ich. Und viele sind noch schlimmer dran – sie hatten nie die Chance zu studieren. In Jordanien sind die Schulen überfüllt, oft können sie keine Flüchtlingskinder aufnehmen. Und syrische Eltern haben große Schwierigkeiten, ihre Kinder zu versorgen. Ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Tisch, Schuluniformen, Schulmaterialien oder Transportkosten um zur Schule zu kommen sind ein Luxus, den sie sich einfach nicht leisten können. Schlimmer noch, oft müssen Kinder arbeiten gehen oder auf jüngere Geschwister aufpassen. Und doch habe ich sogar Witwen getroffen oder auch Familien in wirklich großer Not, die alles Menschenmögliche unternommen haben, damit ihre Kinder weiter zur Schule gehen können. Meine größte Hoffnung ist, dass ich irgendwann wieder studieren kann. Ich möchte das so sehr, es ist das Einzige, was mich aufrecht hält und weitermachen lässt. Ich weiß, dass viele andere Flüchtlingsmädchen aus Syrien die gleiche Hoffnung haben. Wenn ich durch meine Arbeit hier im Zentrum ein klein wenig dazu beitragen kann, dass diese Hoffnung nicht stirbt und ihre Eltern Hilfe bekommen, bin ich glücklich.“

So wie Razan geht es vielen syrischen Flüchtlingen in Jordanien

Schulen unterrichten in Doppelschichten, um syrische Flüchtlingskinder aufzunehmen. Die Größe der Klassen in den betroffenen Gebieten ist von rund 25 auf 60 Schüler angewachsen. Nach Angaben der Vereinten Nationen können nur ein Drittel der circa 150.000 syrischen Kinder im schulpflichtigen Alter in Jordanien zur Schule gehen.

Mit der Hilfe von Freiwilligen wie Razan unterstützt CARE in vier städtischen Flüchtlingszentren Familien mit finanziellen Mitteln und sozialer Hilfe. Ziel ist es, Flüchtlingsfamilien bei ihrer Orientierung im Gastland zu betreuuen und dabei zu unterstützen, einen Schulplatz für die Kinder zu bekommen. CARE arbeitet eng mit Partnerorganisationen zusammen, um sicherzustellen, dass die Hilfe optimal auf die Bedürfnisse der syrischen Flüchtlingskinder abgestimmt ist.

 

Für das Recht auf Bildung: Helfen Sie mit ihrer Spende syrischen Flüchtlingen in Jordanien!