Welttoilettentag: Schauplatz Latrine

Janay Issack, 34, säubert täglich Latrinen im größten Flüchtlingslager der Welt. Eine Lektion in Sachen Hygiene von einer Putzfrau aus Dadaab.

Öffentliche Toiletten zu putzen ist wirklich keine angenehme Aufgabe, ganz egal, wo man ist. Aber für Janay Issack ist es eine gewaltige Aufgabe: Die 34-jährige ist Mutter von neun Kindern und kümmert sich um die Latrinen einer Schule mit 2.100 Schülern. Und das unter erschwerten Bedingungen: Sie arbeitet in Dadaab, dem größten Flüchtlingslager der Welt.

Putzen für eine bessere Zukunft

Jeden Morgen, bevor die Schüler da sind, beginnt Janay zu arbeiten. Um 7 Uhr morgens, sie hat sich schon um ihre Kinder und den Haushalt gekümmert, schnappt sie sich einen Besen, einen Eimer und einen Mopp. Sie ist die einzige Putzfrau an der ‚Unity School‘, einer von CARE finanzierten Grundschule in Dagahaley, dem zweitgrößten Stadtteil von Dadaab. Meistens ist sie bis 9.30 Uhr mit ihrer Arbeit fertig, aber manchmal muss sie noch einmal von vorne anfangen: „Schüler sind jung und treffen das Loch nicht, der Boden ist dann voller Fäkalien. Manchmal muss ich dieselbe Latrine zwei oder drei Mal putzen, das ist wirklich anstrengend.“

1992, als Janay acht Jahre alt war, floh sie mit ihrer Familie über die Grenze aus dem Bürgerkriegsland Somalia nach Kenia, auf der Suche nach Schutz und Frieden. Später heiratete sie und gründete eine eigene Familie. Sie bekam an dem Ort, den sie Heimat nennt, neun Kinder: Dadaab. Nach 22 Jahren bot CARE ihr die Arbeitsstelle als Putzfrau an. „Zuerst war es sehr schwer für mich, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und jetzt gefällt mir mein Job. Hier gibt es sonst nichts zu tun und mit dem Geld kann ich meinen Kindern eine bessere Zukunft ermöglichen“, erklärt Janay.

"Mein Leben ist besser, seitdem ich für CARE arbeite"

Für Janay zählt nicht das Putzen, sondern andere vor Krankheiten zu schützen. „Krankheiten entstehen hier durch mangelnde Hygiene in Toiletten. Wenn die Kinder in der Schule dreckige Latrinen benutzen müssen, verbreiten sich Krankheiten. Und das betrifft nicht nur Kinder, sondern alle, die hier leben“, erklärt sie. „Ich sage ihnen immer: Benutzt die Latrinen, um eure Familie gesund zu halten.“

2016 installierte CARE mit Unterstützung der Europäischen Union (ECHO) mehr als 1.400 Latrinen und sanierten mehr als 500 Sanitäranlagen in den Bezirken Dagahaley und Ifo I. Zusammen mit etwa 1.600 freiwilligen Geflüchteten wie Janay wurden die Sanitäranlagen eingerichtet, was die Lebensqualität von etwa 140.000 Menschen deutlich erhöhte. „Mein Leben ist besser, seitdem ich für CARE arbeite. Ich sehe, wie sich Freunde Geld leihen oder stehlen müssen, aber ich kann mit meinem Job für meine Familie sorgen. Es ist hart, hier eine Arbeit zu bekommen, aber ich habe es geschafft“, freut sie sich.

Wunsch nach Anerkennung

Mit den 5.250 KES, umgerechnet etwa 21 Euro, kauft Janay Zucker, Milch und Gemüse, aber auch Kleidung und Schulbücher für ihre Kinder. „Ich komme hier zurecht. Aber hätte ich einen Wunsch frei, würde ich eine Fortbildung und bessere Ausrüstung haben wollen. Mit Gummistiefeln und Handschuhen wäre ich besser vor Krankheiten geschützt und könnte besser arbeiten“, erklärt sie.

Um bessere Hygienestandards durchzusetzen, will sie auch öfter mit Lehrern und Schülern sprechen. „Die Kinder sind sehr jung, und die meisten verstehen nicht, warum mein Job wichtig für ihre Gesundheit ist. Ich weiß, dass die meisten Lehrer meine Arbeit schätzen, aber wir sprechen kaum miteinander“, sagt Janay. „Manchmal frage ich zum Beispiel einen Schüler, ob er mir den Besen geben kann, aber die Lehrer sagen dann immer, dass das meine Aufgabe ist und nicht die der Kinder. Hätte ich noch einen Wunsch frei, würde ich mir mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung für meinen Beruf wünschen.“

Hier gelangen Sie zu weiteren Informationen über unsere Arbeit in Kenia und Dadaab.

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