Wenn der Teufel im Detail steckt, wo sind dann die Engel?

Ohne geringere Emissionsausstöße kann es keinen wirklichen Schutz für Wälder geben

von CARE-Mitarbeiter Raja Jarrah, übersetzt von Marlies Binder

Wälder werden häufig metaphorisch als die Lungen der Erde bezeichnet. Wissenschaftler würden das zwar etwas anders formulieren. Aber fest steht, dass eine der vielen Funktionen der Wälder die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff ist. Es verschwinden allerdings immer mehr tropische Wälder durch Abbrennung und Abholzung. Das bedeutet, dass mehr Treibhausgase ausgestoßen werden, und immer weniger CO2 aufgenommen werden kann.

Der Schutz der Wälder: Eine große Herausforderung
Der REDD-Mechanismus (Reduced Emissions from Deforestation and forest Degradation) zum Waldschutz soll das verhindern. Die Umsetzung ist jedoch schwierig, sowohl technisch als auch politisch. Es ist schwierig zu sagen, wie die Größe der Wälder bemessen werden kann, wie man sie und die Menschen, die in ihnen leben, am besten schützen kann.

Auch, wer dafür finanziell aufkommen soll, ist noch nicht geklärt. Die Antwort auf diese Fragen wird seit Beginn des REDD-Abkommens in Bali vor vier Jahren gesucht. Es sind wichtige Fragen, von denen abhängt, dass beim Schutz der Wälder die Rechte der Menschen gewahrt werden, die auf ihn als Lebensgrundlage angewiesen sind –  wie die von Frauen und Ureinwohnern.

Schutz der Wälder: Nur in reichen Ländern?
In den letzten Jahren hat es bei der Ausarbeitung der Details gute Forschritte gegeben. Jetzt – so scheint es – ist die Dringlichkeit des Themas etwas in den Hintergrund gerückt. Jahrelang wurden komplexe Regeln zum Waldschutz ausgearbeitet, die jetzt nur Wälder retten, die in Ländern liegen, die sich den Schutz leisten können.

Und das sind nicht viele. Emissionen können am schnellsten reduziert werden, wenn wir unsere Wälder erhalten. Dafür muss allerdings noch einiges getan werden: Der Stopp der Entwaldung muss ein globales Ziel werden, auf das wir alle hinarbeiten und bei dem Geld nicht das wichtigste Kriterium sein darf. Auch die Nachfrage der Industrienationen nach Biokraftstoffen, Tierfutter und Fleisch muss etwas gedrosselt werden.

Frei gesetzter Kohlenstoff bleibt – für immer
Jeden Tag stoßen wir mehr Kohlenstoff  in die Atmosphäre aus. Kohlenstoff, der unterirdisch in fossilen Brennstoffen lagert, wird an die Oberfläche gefördert und kann dann frei in der Atmosphäre zirkulieren – für immer. REDD alleine kann den Klimawandel nicht stoppen, aber es kann schnelle Ergebnisse erreichen und durch geringeren Ausstoß von Kohlenstoff etwas Zeit gewinnen.

REDD macht allerdings nur Sinn, wenn dringende Maßnahmen in allen Bereichen unternommen werden, um Emissionen schnellstmöglich zu reduzieren. Um auf die Metapher der Wälder als Lungen zurückzukommen: Was für einen Sinn macht es, Lungenkrebs zu behandeln, wenn der Patient nicht mit dem Rauchen aufhört?

Bindende Verpflichtungen
Was also fehlt bei der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC)? Eine bindende Verpflichtung von allen Ländern, Emission zu reduzieren und das Ziel, die Entwaldung innerhalb von zehn Jahren komplett zu stoppen. Der Rest sind dann nur noch Details.