Wenn die Notdurft krank macht

Welttoilettentag am 19. November / 2,5 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu sanitären Anlagen

Es gibt immer wieder solche Gedenktage, die zum Schmunzeln anregen. Aber im Fall des Welttoilettentag am 19. November steckt mehr dahinter, als man erwartet. Das siebte Millenniumsentwicklungsziel will bis 2015 die Zahl der Menschen halbieren, die keinen Zugang zu sanitären Anlagen haben. Weltweit sind das derzeit nach Schätzungen der Vereinten Nationen rund 2,5 Milliarden.

Was bedeutet das für die Menschen? Sie müssen ihr Geschäft unter freiem Himmel verrichten, haben keine Intimsphäre und keine Waschmöglichkeiten. So sind sie der Gefahr ausgesetzt, mit Fäkalien in Kontakt zu kommen. Das ist nicht nur entwürdigend, sondern auch lebensgefährlich. Wurminfektionen, Durchfallerkrankungen und Hepatitis breiten sich aus und bedrohen die ganze Gemeinde. Stündlich sterben in Afrika 115 Menschen an den Folgen von schmutzigem Wasser und mangelnder Hygiene.

Latrinen, Wasserleitungen, Pumpen – alles keine Maßnahmen, die sich leicht kommunizieren lassen. Der Bau von Schulen oder die Verteilung von Saatgut sind zweifellos appetitlicher. Wer spendet schon für Klos? Aber ohne sanitäre Anlagen nützt die schönste Schule nichts: Kann ein Kind sein Geschäft nicht sauber verrichten und sich danach waschen, bringt es Millionen von Viren und Bakterien zurück in den Klassenraum. Für Mädchen bedeutet eine fehlende Schultoilette auch oft das Ende ihrer Ausbildung. Denn sobald sie ihre Monatsblutungen bekommen und in der Schule keine Möglichkeit haben, sich zu reinigen, müssen sie zu Hause bleiben.

CARE ist weltweit im Bereich „WatSan“ aktiv – das steht für „Water and Sanitation“ und dazu gehören etwa Wasserleitungen, Bohrlöcher, Latrinen und vieles mehr. Im Flüchtlingslager Dadaab in Kenia ist CARE von der Europäischen Kommission damit beauftragt, die Wasserleitungen instand zu setzen. In Simbabwe baut CARE Latrinen, um einer weiteren Choleraepidemie vorzubeugen.

Dabei geht es nicht nur um Ingenieursfachwissen, auch gesellschaftliche Faktoren müssen berücksichtigt werden. Sanitäre Einrichtungen sollten beispielsweise so angelegt werden, dass sie auch von Frauen ohne Scham benutzt werden können. In Flüchtlingslagern baut CARE deshalb Latrinen mit Sichtschutz und einem abgeschirmten Bereich. Häufig werden Frauen angegriffen, wenn sie alleine zu den Toilettenanlagen gehen. Deshalb ist es wichtig, dass Latrinen beleuchtet sind und Männer und Frauen separate Zugänge haben.

Helfen Sie CARE bei der "WatSan"-Arbeit: Latrinen, Brunnen und sauberes Wasser retten Leben. -> Online spenden

Hintergrund: Der Welttoilettentag wurde 2001 von der World Toilet Organisation ins Leben gerufen. Er soll die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass sanitäre Einrichtungen für große Teile der Weltbevölkerung keine Selbstverständlichkeit sind.