„Wenn wir nicht geflohen wären, wären wir gestorben“

Shangara aus Somalia ist mit ihren vier Kindern in das Flüchtlingslager Dadaab geflohen

“Ich glaube, ich bin zwanzig. Ich habe vier Kinder. Zwei von ihnen sind sehr krank, den anderen beiden geht es gut. Das Älteste ist sechs Jahre, das Jüngste sechs Monate alt. Ich bin aus einem Dorf im Süden Somalias hier nach Dadaab gekommen. Ich bin mit meinen Kindern vor der Dürre geflohen. Zuhause haben wir Ziegen und Schafe gehalten. Mein Mann blieb mit dem Vieh, das noch nicht verendet ist, zurück.

Wenn auch die letzten Tiere sterben, wird auch mein Mann hierher kommen. Früher hatten wir fast 60 Tiere, heute sind es weniger als zehn. In unserem Dorf haben wir Sorghum, eine Art Hirse, angebaut. Weil es aber so lange nicht geregnet hat und der Boden immer trockener wurde, wuchs das Sorghum nicht mehr und wir konnten uns nicht mehr selbst versorgen. Fast alle aus unserem Heimatdorf Salag sind wie wir auch fortgegangen. Hier in Dadaab befindet sich jetzt fast unsere ganze Nachbarschaft.

Nur die Menschen, deren Tiere noch nicht gestorben sind, sind geblieben, um sie zu versorgen. Ich glaube aber, dass auch sie bald kommen werden.
Früher haben wir unser Wasser von einem nahegelegenen Bach geholt, aber der ist jetzt ausgetrocknet. Wir fingen an, unser Wasser von einem zwei Stunden entfernten Fluss zu holen. Mit dem Wasser aber dauerte es drei Stunden, um wieder ins Dorf zurückzukommen. Ich kann mich nicht erinnern, wann es in Somalia das letzte Mal so heiß gewesen ist.

„Ich weiß nicht, wo ich einen Arzt finden kann.“

Nachdem wir für über eine Woche nichts gegessen hatten, sagte mein Mann, dass wir gehen müssten. Wenn wir jetzt nicht gingen, würden wir sterben. Wir kamen hier vor etwa zwei Wochen an. Als wir die kenianische Grenze erreicht haben, nahmen wir zusammen mit anderen Menschen aus unserem Dorf einen Bus nach Dadaab.

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Da ich schon meine vier Kinder bei mir trug, konnte ich ansonsten nichts mitnehmen, als wir das Dorf verließen. In Dadaab gingen wir zuerst zum Empfangszelt und erhielten Nahrungsmittel, Schlafmatten und ein paar Haushaltsgegenstände. Von dem Essen ist bald nichts mehr übrig. Wir müssen jetzt registriert werden, damit wir regelmäßig etwas zu essen bekommen. Ich war jetzt schon zweimal dort, aber mir wurde gesagt, ich solle wiederkommen, da momentan zu viele Leute auf ihre Registrierung warten.

"Es ist alles besser, als in Somalia zu hungern"

Mein zweites Kind, Habiba, ist schon sehr krank und auch meinem dritten Kind geht es nicht gut. Weil wir gerade auf die Registrierung warten, ist es schwer, medizinische Hilfe für sie zu suchen Ich weiß nicht, wo ich hingehen muss, um einen Arzt zu finden, weil das Lager so groß ist. Wenn ich mit einem der Kinder zum Arzt gehe, weiß ich gar nicht, wer für die anderen Kinder sorgen soll.

Ich gebe meinem jüngsten Kind noch die Brust. Wenn ich sie also tragen muss, kann ich nicht auch noch Habiba tragen. Ihr Zustand verschlechtert sich täglich und ich weiß nicht, was ich tun soll. Ich befürchte, dass bald alle meine Kinder krank werden, weil wir nur einmal am Tag essen. Aber obwohl die Situation hier schwierig ist, ist sie auf jeden Fall besser als das, was wir in Somalia zurückgelassen haben.“