Wieder lernen, auf eigenen Füßen zu stehen

CARE-Mitarbeiterin über den Wiederaufbau im Irrawaddy-Delta

CARE-Mitarbeiterin Ni Ni schildert, wie sie den Überlebenden des Zyklons Nargis in Myanmar beim Aufbau eines neuen Lebens hiflt.

Wenn man Ni Ni so mit ihren Kollegen zusammen lachen sieht, kann man sich kaum vorstellen, was für eine Tragödie sie noch vor einem halben Jahr durchlitten hat. Die CARE-Mitarbeiterin, hat in SetSan, einem Außenposten von CARE im Irrawaddy-Delta, die Nothilfe und den Wiederaufbau in 31 Dörfer koordiniert.

CARE leistet hier weiterhin lebensnotwendige Grundversorgung und kümmert sich um die Schaffung von neuen Erwerbsmöglichkeiten für die Bewohner der Irrawaddy-Region. Das Delta-Gebiet und Yangon wurde besonders schwer durch Zyklon Nargis verwüstet. 130.000 Menschen vielen ihm entweder zum Opfer oder gelten immer noch als vermisst. Insgesamt waren 2,4 Millionen Menschen durch den Wirbelsturm betroffen. Auch Ni Nis Familie zahlte einen hohen Preis.

Zwar zeigt Ni Ni die Trauer um ihre Familie nicht offen. Doch man spürt, mit welcher besonderen Hingabe sie sich um die Betroffenen des Wirbelsturms kümmert. “Mein Ziel ist es den Menschen dabei zu helfen, ihr normales Leben wieder aufzubauen.  Das sie wieder eine Existenzgrundlage haben, ausreichend Nahrung und sich auf eine ähnliche Katastrophe besser vorbereitet sind“ sagt Ni Ni. Dies wird sicherlich noch ein bis drei Jahre dauern.

Ni Ni begann mit ihrer Arbeit als CARE-Projektkoordinatorin kurz nachdem der Wirbelsturm die Region verwüstete. Der Grund dafür war ein sehr persönlicher. “Bevor ich zu CARE kam, habe ich für das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) gearbeitet. Meine Schwester, ihr Mann und mein Neffe lebten in Neputta. Sieben Tage nach dem Wirbelsturm hatten wir keine Nachricht von ihnen. Nach einer Woche erfuhr ich dann, dass meine Schwester und ihr Sohn bei dem Zyklon umgekommen sind. Das ist der Grund, warum ich in SetSan bin und für CARE arbeite. Ich möchte den Menschen hier helfen, die durch den Sturm alles verloren haben. Ich will die Familien dabei unterstützen, wieder das aufzubauen, was sie durch die Katastrophe verloren haben“, unterstreicht Ni Ni.

SetSan und die umliegenden Dörfer sind voller Leben. Es scheint wieder ein Stück weit Normalität eingekehrt zu sein – Häuser werden gebaut, Fischer bringen den Tagesfang vom Fluss zum Verkauf in die Stadt und kleine Läden entlang der Hauptstraße bieten ihre Waren an. Nur wer näher hinschaut, erkennt noch vereinzelt Ruinen zwischen den kürzlich errichteten Gebäuden. Auch die blauen Plastikplanen über unzähligen Dächern erinnern noch an die Katastrophe. Sie sind stille Zeugen der Verwüstung, die Zyklon Nargis Anfang Mai bei seinem zerstörerischen Zug über das Land hinterlassen hat. Weite Teile SetSans wurden durch den Sturm und die darauffolgende Flutwelle vernichtet.

“Nach dem Sturm sprachen die Menschen nur darüber, wie das Leben vor Nargis war. Alle Häuser waren zerstört, viele Familien hatten Angehörige verloren. Ihnen war nichts mehr geblieben, außer dem nackten Leben“, schildert Ni Ni. „Was diese Menschen verloren haben, lässt sich nicht ersetzen.“

Ni Ni und ihre Kollegen versuchen alles, um die Not der Menschen im Irrawaddy-Delta zu lindern. Trotz ihrer eigenen Trauer setzt Ni Ni ihre ganze Kraft für diese Menschen ein. “In den ersten Wochen haben wir vor allem mit Nahrungsmitteln, Lösung zur Wasseraufbereitung und Notunterkünften geholfen. Nun beginnen wir die Trinkwasserbrunnen zu reinigen und neue Erwerbsmöglichkeiten für die Familien zu schaffen. Wir verteilen Fischernetze, bauen Boote, helfen mit Saatgut und anderen Dingen, damit die Familien sich wieder eine Existenz aufbauen können. Das ist was sie jetzt brauchen“, fährt Ni Ni fort.

Ni Ni blickt zuversichtlich in die Zukunft. “Ich möchte, dass die Menschen hier wieder ein neues Leben beginnen können. Wenn ich mit meiner Arbeit hier fertig bin, sollen sie wieder auf eigenen Füßen stehen können.“

Fotogalerie: Nothilfe und Wiederaufbau nach Zyklon Nargis