Wirbelsturm auf Haiti: CARE bereitet Nothilfe vor

Notfallteams, Plastikplanen und Hilfsgüter stehen bereit

Nach dem Erdbeben im Januar und einer anhaltenden Cholera-Epidemie stehen die Menschen in Haiti jetzt vor einer neuen Gefahr: Der Wirbelsturm Tomas hat am Freitagmorgen die Westküste des Landes erreicht. Starker Wind und Regenfälle bedrohen hunderttausende Menschen, die seit dem Erdbeben in Zelten und provisorischen Unterkünften leben.

CARE bereitet Vorräte für die Notversorgung vor, die schnellstmöglich verteilt werden können. Die Notpakete beinhalten Plastikplanen, Kanister, Seife, Proteinkekse und Wasserreinigungstabletten. In einigen Camps werden zusätzliche Wassertanker stationiert und die sanitären Anlagen verstärkt, damit sie dem Sturm standhalten können. Außerdem informiert CARE die Menschen vor Ort und im Radio wie sie sich am besten vor Cholera schützen und auf den Sturm vorbereiten können.

„Unsere größte Sorge ist die Sicherheit von Familien, die in zerstörbaren Unterkünften leben“, sagt Ginny Ubik, Länderdirektorin von CARE in Haiti. „In den letzten Wochen haben wir Werkzeuge verteilt, mit denen die provisorischen Unterkünfte verstärkt und weitgehend sturmfest gemacht werden können. Viele Leute haben keinen anderen Zufluchtsort.“

Da durch Abholzungen die meisten Waldflächen in Haiti verschwunden sind, erhöht sich außerdem das Risiko von Schlammlawinen. Überschwemmungen könnten potentiell die Ausbreitung von Cholera beschleunigen und das Risiko anderer durch Trinkwasser übertragbarer Krankheiten erhöhen. CARE verteilt in neun Flüchtlingscamps chloriertes Wasser und arbeitet daran, die fortlaufende Versorgung sicherzustellen. Somit wird verhindert, dass die Menschen anderes, möglicherweise verschmutztes Wasser trinken.

Eine Augenzeugin berichtet. Marie-Eve Bertrand (CARE Haiti Nothilfeteam)

Freitag, 5. November, 10h Ortszeit. „Als ich aufwachte, war der Himmel grau verhangen. Die Sonne zeigt sich heute nicht in Port-au-Prince. Der Morgen war noch ruhig, denn der Sturm hat hinter den Bergen eine kurze Pause gemacht. Doch plötzlich war es, als hätte jemand den Wasserhahn aufgedreht. Es ist jetzt laut … sehr laut!

Der Regen hört sich an, als stünde man neben einem riesigen Wasserfall. Für einen Moment dachte ich noch, dass alles gut geht. Aber jetzt mache ich mir große Sorgen um unser Team und unsere Freunde in den Camps und Zeltstädten. Man will jetzt wirklich nicht draußen sein… Gestern hat sich das Team und die Nachbarschaft auf den Sturm vorbereitet: Sie haben Nahrung und Wasser zusammengesucht. Als ich gestern auf dem Markt war, konnte man merken, wie nervös die Menschen sind. Alle haben ihre Körbe gefüllt, laut gesprochen und eilten herum… Menschen waren überall in den Straßen, es war früh sehr viel Verkehr, weil alle schnell zurück zu ihren Familien wollten.

Die Geschäfte haben früher geschlossen als sonst. Leute haben sich gefragt: „Warum? Warum wir? Warum schon wieder?“ Der Regen wird immer stärker. Der Wind ist noch nicht ganz so stark, aber wenn sich das hier verschlimmert, kann ich nur ahnen wie schlimm es für die Menschen in den Camps sein wird."