Wirbelsturm Haiyan: Gemeinsam durch das Chaos

Millionen Menschen warten dringend auf Hilfe. CARE-Mitarbeiterin Sandra Bulling berichtet aus dem Katastrophengebiet.

Auch fünf Tage nach Taifun Haiyan, der weite Teile der Inseln Leyte und Samar komplett zerstörte, sind die Schäden in den betroffenen Regionen unfassbar groß. Der Wirbelsturm ließ Gemeinden wie ein Kartenhaus in sich zusammenstürzen. CARE-Helferin Sandra Bulling ist auf der Insel Süd-Leyte und berichtet: "Wir sind an der Küste entlang gefahren und in Tacloban angekommen. Dort liegen überall Leichen. Ein schrecklicher Verwesungsgeruch hängt in der Luft. Auch entlang der Straßen liegen Leichen. Es ist wirklich schrecklich. Das ganze Team ist geschockt von diesem Anblick. So etwas habe ich noch nie gesehen. Das wird mich für eine lange Zeit verfolgen.“

Noch immer sind Straßen durch herumliegenden Schutt, umgestürzte Strommasten und riesige Äste nur sehr schwer passierbar. Noch immer sind Menschen in entlegenen Inselregionen von der Außenwelt und von dringend benötigter Hilfe abgeschnitten. Seit gestern regnet es sehr stark. Familien, die alles verloren haben, finden nirgendwo Unterschlupf und müssen Tag und Nacht im Regen verbringen. „Es ist nicht kalt, aber die Menschen stehen knöcheltief im Wasser, das immer noch in einigen Straßen steht. Stundenlang warten sie dort auf Lebensmittel. Der Bürgermeister einer Stadt sagte, dass viele bereits krank werden“, berichtet Bulling.

„Trotz des Chaos‘ sind die Menschen sehr ruhig“

Es sind vor allem Frauen, die für sauberes Trinkwasser, Nahrung und andere Hilfsgüter anstehen. Männer sind damit beschäftigt, zwischen Schutt und Asche brauchbare Gegenstände zu finden, mit denen sie ihre Häuser wieder reparieren können. "Trotz des Chaos‘ sind die Menschen hier sehr ruhig und geduldig. Wenn wir anhalten, um nach dem Weg zu fragen, sind Männer, Frauen und Kinder sehr offen und freundlich. Wir sehen eine Menge Familien, die sich gegenseitig helfen“, so Bulling.

Gemeinsam mit Mitarbeitern von CARE-Partnerorganisationen fährt die Helferin in Süd-Leyte mit einem Auto von Ort zu Ort, um sich einen Überblick über die Notsituation der Menschen zu verschaffen und Hilfsmaßnahmen zu planen: "Meine einheimischen Kollegen sagen, dass dies die schlimmste Katastrophe sei, die sie gesehen haben. Und einige von ihnen verfügen über jahrelange Erfahrung in der Katastrophenhilfe."

CARE plant, mit Hilfe von lokalen Partnerorganisationen 150.000 Männer, Frauen und Kinder mit der Verteilung von Lebensmitteln wie Reis, Öl und Fisch zu versorgen. Notunterkünfte sollen gebaut werden, damit Familien wieder ein Dach über dem Kopf haben. Die philippinische Regierung arbeitet vor allem daran, die Telekommunikation wieder herzustellen und Straßen zu räumen, damit Hilfslieferungen schnellstmöglich durchkommen.