Zum Welttoilettentag: Ich muss mal…

Der Welttoilettentag wurde 2001 von der World Toilet Organisation ins Leben gerufen. Er soll die Aufmerksamkeit darauf lenken, dass sanitäre Einrichtungen für große Teile der Weltbevölkerung keine Selbstverständlichkeit sind.

Ich möchte ein Gedankenexperiment mit Ihnen machen. Stellen Sie sich einmal vor, Sie hätten keine Toilette. Das benötigt wahrscheinlich einige mentale Vorbereitung, weil wir so gewöhnt sind, immer eine Toilette in der Nähe zu haben. Und ich spreche nicht vom letzten Camping-Abenteuer im Wald… Überlegen Sie sich mal, was wäre, wenn Sie  unterwegs sind, auf Toilette müssen, und es keine gäbe.

Sie könnten sich zum Beispiel hinter einem Baum verstecken oder zwischen parkenden Autos. Sie könnten in eine Plastiktüte machen oder in ein dunkles Loch im Boden. Aber Sie haben keine Toilette. Sie haben auch kein Klopapapier oder sauberes Wasser zum Händewaschen. Mit dreckigen Händen müssten Sie dann Ihr Essen zubereiten oder auf Ihre Kinder aufpassen. Und wenn Sie keine Möglichkeit hätten sich zu erleichtern, müssten Sie stundenlang aushalten. Womöglich so lange, bis es dunkel ist und schon alle schlafen. Dann könnten Sie vor Ihr Haus gehen, um sich zu erleichtern. Oder auf ein dunkles Feld, wo sich jemand verstecken könnte, der Sie angreift.

Aufs Klo zu gehen bedeutet für 2,5 Milliarden Menschen auf der Welt: Planen und Warten.

Am 19. November 2012 ist Welttoilettentag. 40 Prozent der Weltbevölkerung hat keinen Zugang zu einer Toilette. Und ich meine dabei nicht die hübschen weißen Porzellantoiletten mit Spülung. Ich rede von einem Loch im Boden. Wenn wir in den Industrieländern eine Toilette suchen, können wir in ein Restaurant gehen oder in eine Tankstelle. 40 Prozent aller Menschen auf der Welt müssen stundenlang aushalten, bis sie einen Ort finden, der privat genug ist. Das ist nicht nur schrecklich unangenehm. Bei vielen Menschen, besonders bei Frauen, führt es zu Infektionen und anderen Krankheiten, die auch tödlich sein können. Keinen Zugang zu einer Toilette zu haben ist in Entwicklungsländern ein besonders großes Problem. Die Menschen leiden viel häufiger unter Durchfallerkrankungen, weil sie keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und Essen haben.

Menschen, die auf dem Land wohnen, nutzen  umliegende Felder als Toilette. Dadurch werden das Grundwasser und die Erde, in der die Landwirte Nahrung anbauen, verschmutzt. So werden die Menschen krank. Auch in den Städten machen die Leute ins Freie und verschmutzen Wasserquellen, die sie fürs Kochen und Waschen benutzen.
Andere Menschen machen in eine Tüte, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Einige gehen auf dreckige öffentliche Plumpsklos, die es an manchen Stellen gibt. Aber das ist besonders für Frauen gefährlich. Die Klos bieten keine Sicherheit, sind dunkel und die Türen können nicht abgeschlossen werden. Die Frauen können sexuell belästigt werden. Schulkinder machen an die Schulmauern, weil sie keine andere Möglichkeit haben. Millionen von ihnen infizieren sich mit gefährlichen Darmwürmern, weil sie mit ihren bloßen Füßen in die Fäkalien treten. Und Millionen Mädchen gehen nicht mehr in die Schule, wenn sie ihre Tage bekommen. Sie geraten in einen Teufelskreis aus geringer Bildung und Armut.
CARE arbeitet auf der ganzen Welt mit Gemeinden zusammen, um die Wasserversorgung, die sanitären Anlagen und die Hygienesituation zu verbessern. Dabei geht es auch darum, den Menschen ihre Würde wiederzugeben. Der Zugang zu sauberem Wasser und Toiletten ist ein Menschenrecht. Eine Toilette  bedeutet viel mehr, als nur „aufs Klo gehen zu können“: Es gibt den Menschen auch ihr Recht auf Bildung, Gesundheit und Sicherheit zurück. Sollten wir nicht alle Zugang zu diesen Grundrechten haben?