Zwölf "Engel" für ruandische Kinder

Eine Kindertagesstätte ermöglicht es Müttern in Ruanda zu arbeiten und ihren Kindern gleichzeitig eine bessere Zukunft zu geben.

Im Dorf Kamonyi im Süden Ruandas schlägt Bäuerin Sylvie Nyiransabimana mit einer langen Holzhacke kleine Löcher in die Erde, um darin Gemüse anzupflanzen. Es ist noch nicht lange her, da musste sie dabei noch eins ihrer beiden Kinder auf dem Rücken tragen - der einzige Weg, um Arbeit und Familie unter einen Hut zu kriegen. 

Um dieser Doppelbelastung ein Ende zu setzen, hat Sylvie zusammen mit sieben weiteren Frauen die Kindertagesstätte "Utunyange", Engel, gegründet. Die "Engel" arbeiten paarweise: Zwei Mütter kümmern sich werktags von sieben Uhr morgens bis zwölf Uhr mittags um die insgesamt zwölf Kinder der Mütter aus der Gruppe. Auch Sylvies einjährige Tochter Ingabire gehört dazu. Als Standort dient ein Haus, das von CARE renoviert und mit Sanitäranlagen versehen wurde. 

Gemeinsame Kinderbetreuung, aber auch gemeinsame Geschäfte 

Sylvies Gruppe ist eine von mehr als 80 Betreuungsgruppen, die in der Region gegründet wurden, um Familien bei der Versorgung ihrer Kinder unter drei Jahren zu unterstützen. Denn die Hälfte aller Kinder in Ruanda ist unterernährt und mindestens 22 Prozent aller Haushalte haben keine stetigen Nahrungsmittel. Gleichzeitig können die Familien dadurch die Zeit nutzen, um ihr Einkommen zu steigern. 

Viele Familien können die umgerechnet zwei Euro Krankenversicherung nicht aufbringen. CARE übernimmt daher die Kosten für zahlreiche Gruppenmitglieder, darunter auch eine Mutter der "Engel", die als die "am allermeisten gefährdete" gilt. Außerdem prüft CARE einmal im Monat - zusammen mit Gesundheitsmitarbeitern der Gemeinde - die Gesundheits- und Ernährungssituation der Kinder. "Als wir unsere Gruppe gründeten, waren drei der zwölf Kinder unterernährt", berichtet Leoncie. "Heute sind all unsere Kinder dank der Hilfe von CARE gesund." 

Die "Engel" passen nicht nur gegenseitig auf ihre Kinder auf. Sie verkaufen auch ihre geernteten Produkte gemeinsam auf dem Wochenmarkt. Mit drei Jahren wechseln die Kinder zu einem Zentrum für frühkindliche Entwicklung. Hier lernen sie zählen, zeichnen und das Alphabet und bereiten sich so auf die Grundschule vor. CARE hilft dabei, Lehrer-Eltern-Vereinigungen zu gründen und klärt Eltern über Kinderrechte und Familienplanung auf. 

Sehen Sie hier ein Video über die Kindertagesstätte und die Arbeit von CARE in Ruanda.

Eine bessere Zukunft 

Im Zentrum gibt es nicht nur regelmäßige Mahlzeiten; Eltern können sich auch mit den Gesundheitsbeauftragten beraten, wenn ihre Kinder unterernährt sind. Eltern, Lehrer und Kinder reinigen regelmäßig die Schule gemeinsam, auch den kleinen Spielplatz mit Schaukeln, Rutschen und einer Kletterwand vor der Schule. 

"Die Eltern wollen gemeinsam das Leben ihrer Kinder verbessern", erzählt Vestina, die im Zentrum arbeitet. "Die Kinder hier werden beschützt. Wir ermutigen sie zu spielen und zu lernen, anstatt bloß mit der Feldarbeit aufzuwachsen. Früher durften Frauen ihre Häuser ohne die Erlaubnis ihrer Männer nicht verlassen. Das hat sich nun auch geändert." 

"Die Eröffnung dieses Centers war wie ein Traum", schwärmt Annonciata, deren Tochter im Zentrum lernt. "Nun sehen alle Eltern in der Gemeinde ein, dass frühe Aktivitäten wie Spielen, Singen und Rechnen stimulierend auf die Entwicklung von kreativen und produktiven Fähigkeiten bei ihren Kindern wirken." 

"Fast 80 Prozent der Kinder des Zentrums aus dem letzten Jahr gehen nun die Grundschule, die meisten davon sind Mädchen. Und es werden immer mehr", erklärt Joseph Ngamije von CARE.