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Kinderehe

Was ist eine Kinderehe?

Eine Form der Zwangsheirat

Die UN-Kinderrechtskonvention definiert Kinderehe als eine Ehe, bei der mindestens einer der Verheirateten das 18. Lebensjahr noch nicht erreicht hat.

In der Regel heiraten erwachsene Männer junge, minderjährige Mädchen und sehr junge Frauen. Die meisten Länder weltweit haben ein Mindestalter für die Schließung einer Ehe in ihren jeweiligen Gesetzen festgeschrieben. Durch soziale, kulturelle und traditionelle Gegebenheiten werden diese dennoch oft ignoriert und Mädchen weit häufiger als Jungen trotzdem im Kindesalter verheiratet. Laut Daten von UNICEF entfallen 82 Prozent der Kinderehen auf Mädchen, etwa 18 Prozent auf minderjährige Jungen. Jeden Tag werden durchschnittlich 33.000 Kinder zwangsverheiratet

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Wo gibt es Kinderehen?

 

Niger, Bangladesch und Tschad an der Spitze

In 117 Ländern ist es rechtlich nicht erlaubt, dass Kinder heiraten. Dennoch werden diese Gesetze nicht immer befolgt. Fünf Länder stechen besonders heraus: In Indien beispielsweise liegt das legale Heiratsalter bei 21 Jahren für Männer und 18 Jahren für Frauen. Dennoch sind 47 Prozent der Mädchen schon verheiratet, wenn sie das 18. Lebensjahr erreichen. In Bangladesch, Nigeria, Brasilien und Äthiopien liegt der Prozentsatz der minderjährig verheirateten Mädchen bei über 40, teilweise über 50 Prozent – obwohl in den jeweiligen Ländern Gesetze existieren, die ein höheres Mindestalter für eine Heirat festsetzen. Die meisten Kinderehen werden in Ländern südlich der Sahara geschlossen. Dort ist ein Drittel der Bräute minderjährig. 

Die erschreckenden Zahlen belaufen sich auf über 15 Millionen Kinder, die jedes Jahr im minderjährigen Alter verheiratet werden.


Warum gibt es Kinderehen?

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Die finanzielle Situation als Treiber

Wie bei der Zwangsheirat unter Erwachsenen spielt auch hier Geld die Hauptrolle und ist der größte Grund für Kinderehen.

Vor allem, wenn eine Familie in Armut lebt, sehen die Eltern in ihrer prekären Lage mit der Verheiratung ihrer Tochter eine Möglichkeit, ihre finanzielle Zukunft abzusichern. Gerade in Ländern, in denen aus wirtschafts- und sozialpolitischen Gesichtspunkten ein messbar niedriger Lebensstandard herrscht, sind Mädchen und Frauen durch mangelnde Bildungs– und Arbeitsmöglichkeiten oft finanziell abhängig von ihrem Ehemann. Von den jung verheirateten Kindern erhoffen sich die Eltern so oft eine finanzielle Absicherung im Alter.

In Regionen, in denen für Bräute eine Mitgift bezahlt werden muss, entscheiden sich die Eltern oft für ein frühes Verheiraten ihrer Töchter, da die Mitgift niedriger für jüngere als für ältere Frauen und Mädchen ist. 

Folgen von Kinderehen

Wird ein Mädchen früh verheiratet, heißt das oft nicht nur, dass die Bildungsmöglichkeiten für sie rapide sinken, sondern auch, dass ihr Leben in Gefahr ist. Viele minderjährige Ehefrauen werden früh schwanger – oft zu früh für den eigenen Körper. Die Sterblichkeitsrate sowohl der Mutter als auch des Kindes durch das oftmals junge Alter der Gebärenden ist in vielen Regionen der Welt sehr hoch. Jedes Jahr sterben ca. 70.000 Mädchen während oder an den Folgen der Schwangerschaft – somit ist eine Schwangerschaft in sehr jungem Alter eine der häufigsten Todesursachen für Mädchen und Frauen in Entwicklungsländern. 

 


Wie viele Kinderehen gibt es in Deutschland?

Eheschließungen seit 2017 nur noch mit 18 Jahren erlaubt

In Deutschland sind Kinderehen seit 2017 verboten. Vorher waren auch Eheschließungen ab dem Alter von 16 Jahren erlaubt – allerdings mit Einverständnis der Erziehungsberechtigen. 


2016 belief sich die Zahl der Kinderehen in Deutschland auf etwa 1.500.  Unter ihnen sind vor allem minderjährige Verheiratete aus Syrien, Afghanistan, Irak, Bulgarien, Polen, Rumänien und Griechenland. Diese Zahl ist nach dem neuen Gesetzesbeschluss 2017 um ca. 80 Prozent zurückgegangen. Seitdem darf eine Ehe nur noch geschlossen werden, wenn beide Beteiligten volljährig sind. Sollte eine Ehe bestehen, in der einer der Ehegatten jünger als 16 Jahre alt ist, ist sie nach dem neuen Gesetz automatisch unwirksam. Das gilt auch für Ehen in Deutschland, die nach ausländischem Recht geschlossen wurden. 
  


Was kann gegen Kinderehen getan werden?

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Bildung ist der Schlüssel

In den von der UN-Generalversammlung im Rahmen der Agenda 2030 beschlossenen 17 Zielen für nachhaltige Entwicklung findet sich auch das Ziel der Beendigung der Kinderehen bis 2030. Früh verheirateten Kindern werden Chancen und Rechte wie Bildung, Schutz und das einfache Kindsein verweigert und genommen. Oft erleben sie in der Ehe physische, psychische und sexualisierte Gewalt. Meist sind mangelnde Bildungsmöglichkeiten und Armut ein Treibstoff für die Schließung von Kinderehen. 


CARE Deutschland setzt sich für das Ende von Kinderehen mit Aufklärungsarbeit vor Ort ein. In Zusammenarbeit mit Familien und Gemeinden verhilft CARE im Zuge vielseitiger Projekte und Bildungsprogramme jungen Frauen und Mädchen auf den Weg in ein selbstbestimmtes Leben und tritt entschlossen für ihre Rechte ein. Zudem fordert CARE konsequente Gleichstellungsarbeit auch auf Staatenebene und die Erfüllung des Ziels der Abschaffung von Kinderehen bis 2030.  


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