Ursachen von Hunger

 

Warum gibt es Hunger?

Der Duden definiert Hunger als „[unangenehmes] Gefühl in der Magengegend, das durch das Bedürfnis nach Nahrung hervorgerufen wird“.

Laut der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen litten 2017 schätzungsweise 821 Millionen Menschen an Hunger oder einem chronischem Kaloriendefizit. Das entspricht etwa 10 Mal der Bevölkerung Deutschlands. In den letzten drei Jahren ist die Zahl bedauerlicherweise kontinuierlich angestiegen anstatt zu sinken.

Und das, obwohl die gesamte Menschheit von den Erträgen unseres Planeten Erde leben könnte und kein Mensch hungern müsste. 

 

Doch was sind die Ursachen von Hunger? Bei der Unterscheidung wird vor allem zwischen strukturellen und zugrundeliegenden Ursachen auf der Haushaltsebene unterschieden. 

 


Armut

Armut gehört zu den strukturellen Ursachen von Hunger und führt dazu, dass Menschen hungern, weil sie sich nicht genügend Lebensmittel leisten können. Wer unter extremer Armut leidet und weniger als 1,90 US-Doller am Tag zur Verfügung hat, hat sehr eingeschränkte Möglichkeiten, für sich und die Familie Nahrung zu kaufen. Daraus entsteht ein Teufelskreis: Wer sich kein nahrhaftes Essen leisten kann, wird körperlich schwächer, hat weniger Chance, ausreichend Geld zu verdienen und dementsprechend weniger Geld für Wasser, Land und Dünger und kann wenig Nahrung selbst anbauen. Wer keinen Zugang zu Land, Wasser oder Produktionsmitteln hat, kann schnell in diese Spirale der Armut geraten.

Demnach ist Armut einer der Hauptgründe für Hunger. CAREs Ziel ist es, die Armut weltweit zu bekämpfen und leistet dadurch auch einen Beitrag zur Hungerbekämpfung.

 


Der Klimawandel

Hunger ist häufig eine Folge der immer gravierender werdenden klimatischen Krisen. Naturkatastrophen, wie Überschwemmungen oder Dürre, zerstören Ernten und damit die Existenzgrundlage von Kleinbauern. Sie gehören ebenfalls zu den strukturellen Ursachen von Hunger und betreffen ganze Regionen von Ländern oder das ganze Land.

Der Klimawandel wird sich in Zukunft weiter verstärken, wenn wir nicht jetzt gezielt dagegen vorgehen. Die Auswirkungen auf die Umwelt und den Menschen werden sich verschlimmern. Schon jetzt gibt es „Klima-Flüchtlinge“ und weltweite Schätzungen zu einem Anstieg von gesundheitsbedingten Todesfällen aufgrund der prognostizierten Erderwärmung.

Ernährungsunsicherheit kommt dennoch auch in stabilen Ländern vor. Beispielsweise im Südlichen Afrika wie Malawi oder Sambia. In der aktuellen Flutkatastrophe in Mozambik beklagen sich die Menschen über einen Mangel an Lebensmitteln - zusätzlich gibt es zahlreiche Fälle von Cholera, die zu Diarrhö und damit zu vermehrter Unterernährung und Hunger führen kann.


Kriege und Konflikte

Auch politische Konflikte und Kriege können Ursache für akuten Hunger und Unterernährung sein. Durch eine schwierige Sicherheitslage kann es zu Nahrungsmittelengpässen kommen, da beispielsweise keine neuen Nahrungsmittel ins Land eingeführt werden können, oder zu gesteigerten Nahrungsmittelpreisen, welche die arme Bevölkerung nicht leisten kann.

Beispielsweise leiden momentan im Jemen sehr viele Menschen an akutem Hunger. Man schätzt, dass fast 2 Millionen Kinder unter 5 Jahren an akuter Unterernährung leiden. Auch in Syrien, wo noch immer Krieg herrscht, gab es in abgeschnittenen Gebieten eine Unterversorgung von Lebensmitteln. 

Diese strukturelle Ursache hat Hunger zur Folge und damit wird deutlich: Hunger ist deshalb auch ein Grund für Menschen aus ihren Heimatländern zu fliehen


Ungleichheit zwischen den Geschlechtern

Eine weitere strukturelle Ursache: Die Ungleichheit zwischen Mann und Frau ist ein weiterer Grund von Hunger weltweit.

Frauen sind traditionell diejenigen, die sich um die Ernährung der ganzen Familie kümmern. Aber neben der Zubereitung von Essen für die gesamte Familie, sind sehr viele Frauen im globalen Süden auch mit dem Anbau von Lebensmitteln beschäftigt sowie der Ernte und ihrem Verkauf. Dies verwehrt ihnen häufig den Zugang zu Bildung und anderen einkommensschaffenden Möglichkeiten.

Häufig sind Frauen zudem doppelt belastet durch Arbeit und Kindererziehung. Es ist deshalb besonders wichtig, sie in Ernährungs- und Hygienefragen zu beraten und auszubilden. Die Bildung der Frauen und Mädchen ist einer der wichtigsten Schlüssel zur Bekämpfung von Hunger.


Krankheiten und geringe soziale Fürsorge

Unterernährung (‚undernutrition‘) folgt einer unzureichenden Nahrungsaufnahme oder kann durch Krankheiten wie Diarrhö, die oft bei mangelhaften Gesundheits- und Hygienebedingungen vermehrt auftreten, verursacht werden. Dadurch wird die aufgenommene Nahrung nicht angemessen vom Körper verwertet.

In dem Zusammenhang kann es der Fall sein, dass Mütter unzureichend über die korrekte gesundheitliche Versorgung ihres Kindes informiert sind - oder sogar geringe soziale Fürsorge herrscht. Schlechte Säuglingsernährung, mangelhafte Versorgung von kranken Kindern und keine Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen können darunter fallen. 

Inadäquater Zugang zu Gesundheitsleistungen und eine ungesunde Umwelt kann ein vermehrtes Auftreten von Krankheiten wie Lungenentzündungen und Darmerkrankungen begünstigen. Dadurch wiederum kann akuter Hunger auftreten. 


Ernährungsunsicherheit

Es klingt zunächst komplizierter als es ist. Im Haushalt einer Familie können verschiedene Probleme auftreten, die zu Hunger und Unterernährung von einzelnen Familienmitgliedern wie Schwangeren oder Kleinkindern unter 5 Jahren, aber auch der ganzen Familie führen können. 


Millionen Familien haben kein oder wenig Zugang zu Lebensmitteln - damit geht Ernährungsmittelunsicherheit einher. Dieser Faktor kommen verstärkt in humanitären Katastrophen wie Kriegen, großer Armut aber auch als Folge von Naturkatastrophen vor. 


Kaputte Nahrungsmittelsysteme

Mittlerweile spricht man auch von „kaputten Nahrungsmittelsystemen“, die uns in den reichen Industriestaaten wie Deutschland einen Überfluss an Nahrungsmitteln aus allen möglichen Ländern beschert. Dort, wo die einen im Überfluss leben, müssen die anderen zurückstecken.

Das derzeitige globale Wirtschaftssystem ermöglicht es nicht, dass Länder des globalen Südens - und dort vor allem den ärmsten Bevölkerungsschichten - eine Vielfalt an Nahrungsmitteln ganzjährlich zur Verfügung steht. Daran hat auch der weltweite Handel Schuld, von welchem vor allem große Unternehmen profitieren: Die Interessen von Kleinbauern, deren Stärkung sich CARE verpflichtet hat, kommen dabei zu kurz.  


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