Führungsverantwortung von Frauen in der Nothilfe

Frauen und Mädchen haben ein unbestreitbares Recht auf Teilnahme am öffentlichen und politischen Leben ihrer Gemeinschaft und ihres Landes. Gleichzeitig sind sie oft überproportional von den verheerenden Auswirkungen von Katastrophen, Kriegen und Krisen betroffen. Besonders in solchen Notsituationen wird ihnen das Recht auf Teilhabe verwehrt. Inmitten von Entscheidungsfindungen über Überlebensressourcen und Wiederaufbau bleibt ihre Beteiligung oft minimal. Ihr wertvoller Beitrag und ihre Perspektiven bei der Bewältigung von Krisen werden übersehen. 

Seit 2018 arbeitet CARE gemeinsam mit Partnern – darunter Frauenrechtsorganisationen und Frauengruppen – daran, die Beteiligung von Frauen an der Entscheidungsfindung in humanitären Kontexten voranzubringen. Eine tragende Rolle bei der Entwicklung von Maßnahmen zur Unterstützung von Frauen spielt das von CARE entwickelte Modell 'Women Lead in Emergencies’.

Mit Ihrer Spende für Frauen und Mädchen gestalten Sie für sie eine gleichberechtigte Zukunft mit!

Was ist das 'Women Lead in Emergencies’-Modell?

Eine Gruppe von Frauen, die an empowernden Maßnahmen von CARE teilnehmen und deren Leben sich dadurch verbessert hat.

Mitsprache ermöglichen

'Women Lead in Emergencies' ist ein CARE-Modell, das Geschlechtergerechtigkeit in der humanitären Hilfe fördert. CARE arbeitet dazu mit Frauen zusammen, die von Armut betroffen sind oder aus anderen Gründen marginalisiert werden. Diese Frauen haben oft kein Mitspracherecht bei humanitären Entscheidungen, sind aber gleichzeitig die ersten, die in Krisen reagieren, um ihre Familien und Gemeinden zu schützen.

Das Konzept von 'Women Lead in Emergencies' sieht vor, dass CARE-Mitarbeiter:innen nicht mit Einzelpersonen, sondern mit Frauengruppen arbeiten, um deren Führungsqualitäten zu stärken. Das führt zu einer größeren Solidarität der Frauen untereinander und erhöht gleichzeitig ihren kollektiven Einfluss auf Entscheidungen, die ihr Leben betreffen.

Hassana sitzt in ihrer Hütte und erzählt davon, wie die humanitäre Nothilfe und die Empowerment Maßnahmen von CARE ihr Leben positiv beeinflusst haben.

 

„Früher haben wir uns geschämt, vor den Männern zu sprechen. Es wurde von der Gemeinschaft nicht toleriert. Jetzt haben wir keine Angst mehr, uns zu wehren, wenn uns eine Entscheidung nicht passt. Wir werden es laut sagen, denn wir kennen die Mittel und Wege, um unsere Rechte einzufordern."

- Hassana, Teilnehmerin 'Women Lead in Emergencies' in Niger

CARE in Niger

So ist das 'Women Lead in Emergencies'-Modell aufgebaut

Von Frauen geführte Spargruppe, die Unterstützung von CARE erhält, um ihre wirtschaftlichen Selbstbestimmung und ihre Stimme zu stärken, um zur Gleichstellung der Geschlechter beizutragen.

Das Modell umfasst fünf Schritte: Reflektieren, Analysieren, Gestalten, Handeln und Lernen. Jeder Schritt baut auf CAREs bewährten Ansätzen und Instrumenten aus der Entwicklungs- und humanitären Programmarbeit auf.

Die fünf Schritte sind nicht linear: Alle Schritte beeinflussen und verstärken sich gegenseitig. Gemeinsam sind sie darauf ausgerichtet, von Krisen betroffenen Frauen mehr Mitspracherecht bei der humanitären Nothilfe zu ermöglichen.

Das Modell kommt in zahlreichen Ländern zu Einsatz, darunter die Ukraine, Äthiopien, Uganda, Sudan, Nepal und Niger. Die Umsetzung variiert je nach Land und Ausmaß der Krise. Gibt es in einer Gemeinde bereits Frauengruppen, wird auf diese zurückgegriffen, anstatt neue Gruppen ins Leben zu rufen. Im Kern bleibt das Modell dabei immer gleich und umfasst die folgenden Schritte.

5 Schritte des 'Women Lead in Emergencies'-Modells

  1. Reflektieren: Frauen reflektieren ihre eigenen Werte, Normen und Überzeugungen in Bezug auf das Thema 'Frauen in Führungspositionen’.
  2. Analysieren: Frauen werden dabei unterstützt, ihre eigene Situation und die lokalen Gegebenheiten zu analysieren, die ihre Teilnahme an humanitären Maßnahmen beeinflussen.
  3. Mitgestalten: Frauen lernen, die Probleme, die sie angehen wollen, selbst zu identifizieren und Strategien zu entwickeln, um Veränderungen herbeizuführen.
  4. Handeln: Frauen ergreifen Maßnahmen, um Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die ihrer Führungsrolle bei humanitären Einsätzen im Wege stehen und um ihr Leben und ihre Gemeinschaften zu verbessern.
  5. Lernen: Frauen werden dabei unterstützt, ihre bisherigen Errungenschaften zu diskutieren und zu reflektieren und ihre Strategien und Aktivitäten bei Bedarf anzupassen.

Halatu und ihre Frauengruppe nutzen ihre kollektive Macht

Die 34-jährige Halatu musste aufgrund der Gewalteskalation im Südsudan aus ihrer Heimat nach Uganda fliehen. In einem Geflüchtetencamp, in dem alle Bewohner:innen auf humanitäre Unterstützung angewiesen sind, ist sie Teil einer Frauengruppe. Lange Zeit befand sich die nächste Lebensmittelausgabestelle fast 10 km vom Geflüchtetencamp entfernt. Meist waren es Frauen, die den beschwerlichen Weg zu Fuß auf sich nehmen mussten, um Nahrung zu holen.

Durch ein CARE-Projekt erfuhren Halatu und ihre Frauengruppe vom ‚Women Lead in Emergencies'-Modell und beschlossen, es anzuwenden, um ihre Situation zu verbessern. Gemeinsam setzten sie sich durch einen friedlichen Boykott erfolgreich dafür ein, dass die Lebensmittelausgabestelle näher an die Gemeinde verlegt wird. Halatus Einsatz ist damit jedoch nicht beendet: Sie hat Aufgaben im Flüchtlingswohlfahrtsrat des Camps übernommen und strebt nun den Vorsitz an – eine Rolle, die traditionell von Männern besetzt wird. „Wenn eine Frau eine Führungsposition innehat", sagt sie, „versteht sie die Probleme anderer Frauen besser und kann diese zur Sprache bringen."

Halatu ist eine der Frauen aus ihrer Frauengruppe, die vom 'Women Lead in Emergencies' Modell profitiert und damit ihre Stimme in ihrer Gemeinde stärken konnte.
Halatu ist eine der Frauen aus ihrer Frauengruppe, die vom 'Women Lead in Emergencies' Modell profitiert und damit ihre Stimme in ihrer Gemeinde stärken konnte.

Das hat 'Women Lead in Emergencies' bereits bewirkt

  • Frauen sind selbstbewusster und bereit, in ihren Gemeinschaften eine Führungsrolle zu übernehmen, wenn sie Ansätze erlernen, die ihnen helfen, ihr Selbstvertrauen, ihre Fähigkeiten und ihre Selbstwirksamkeit zu stärken. In Niger waren 88 Prozent der Teilnehmerinnen zuversichtlich, ihre Rechte und Ansprüche in Notsituationen zu kennen, verglichen mit nur 58 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen.
  • Frauen sind nicht nur regelmäßiger in den Entscheidungsgremien vertreten, sondern auch erfinderischer in der Art und Weise, wie sie sich engagieren. Frauen in Führungspositionen sind regelmäßiger anwesend und beteiligten sich eher aktiv an der Entscheidungsfindung: Sowohl in Niger als auch in Uganda ergriffen Gruppenmitglieder häufiger das Wort in öffentlichen Sitzungen als Nichtmitglieder (77 Prozent zu 49 Prozent in Niger und 83 Prozent zu 73 Prozent in Uganda).
  • Mehr Frauen leiten und beteiligen sich. In Niger gaben 31 Prozent der Teilnehmerinnen an, eine Führungsposition innezuhaben, verglichen mit 9 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen.

Ihre regelmäßige Spende stärkt Frauen in Krisen

Mit Ihrer regelmäßigen Spende unterstützen Sie Frauen und Mädchen in Krisensituationen dabei, ihre Stimme zu finden und für ihre Rechte einzustehen. Sie macht CARE-Programme möglich, die durch das 'Women Lead in Emergencies'-Modell weltweit dazu beitragen, Frauen in Not nachhaltig zu stärken. Langfristig trägt Ihre Unterstützung dazu bei, Frauen in Führungspositionen zu verhelfen und damit einen wichtigen Grundstein für mehr Gleichberechtigung zu legen.

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