
2015/2016 · Ausgangspunkt
Als 2015/16 viele geflüchtete Menschen nach Deutschland kommen, verändert sich der Schulalltag spürbar. Lehrkräfte stehen vor neuen Herausforderungen: Sprachbarrieren, unterschiedliche Erfahrungen und der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die zum Teil traumatisierende Erlebnisse durchstehen mussten. Schulen suchen nach Wegen, Zugehörigkeit zu stärken und ein respektvolles Miteinander zu gestalten. CARE Deutschland entscheidet, seine internationale Expertise aus der Bildungs- und Gleichstellungsarbeit auch im Inland einzusetzen. Aus dieser Haltung heraus entsteht KIWI. Vorbild ist die „Young Men Initiative“, ein seit 2006 in Südosteuropa erfolgreich umgesetztes Programm zur Gewaltprävention und Stärkung von Gleichberechtigung.
Zu Beginn steht KIWI für „Kinder und Jugendliche willkommen“ – ein bewusst gesetztes Signal in dieser Zeit.
Heute steht KIWI für Kritisch, Inklusiv, Wertschätzend, Initiativ. Die neue Bedeutungsgebung spiegelt die Weiterentwicklung des Programms: von einer Willkommensinitiative hin zu einem strukturierten Ansatz für diskriminierungsbewusste Schulentwicklung.
2016 · Der Start
Am 8. und 9. April 2016 startet KIWI mit der ersten Fortbildung für Lehrkräfte im Rahmen der Pilotphase in Nordrhein-Westfalen. Sie erhalten das erste KIWI-Handbuch – eine Materialsammlung mit Methoden zum interkulturellen und sozialen Lernen – und werden befähigt, die Module eigenständig in heterogenen Klassen umzusetzen. Ab Juni 2016 starten die Schüler:innen-Workshops an weiterführenden Schulen. KIWI arbeitet dabei von Beginn an sowohl in Willkommensklassen als auch in Regelklassen. Jugendliche setzen sich dort praxisnah mit Themen wie Identität, Vielfalt, Respekt und Zusammenleben auseinander. Nach der Pilotphase verschiebt sich der Fokus ab dem 1. Oktober 2016 stärker auf Regelklassen.
Parallel startet die finanzielle Förderung von Schulprojekten. CARE unterstützt Projekte mit bis zu 400 Euro, damit Vielfalt im Schulalltag konkret sichtbar wird. Entscheidend ist die aktive Beteiligung der Schüler:innen – von der Idee bis zur Umsetzung. Die Jugendlichen planen ihre Projekte selbst und sammeln dabei Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Engagement. Seit dem Start des Programms wurden in KIWI-Workshops insgesamt 21.698 Schüler:innen erreicht. Dafür wurden 1.120 Workshops durchgeführt. Darüber hinaus wurden 365 Fortbildungen für Lehrkräfte umgesetzt. 5.484 pädagogische Fachkräfte nahmen an Fortbildungen, Fachaustauschen und Informationsveranstaltungen teil. Die Pilotphase von KIWI (Januar bis September 2016) wird zunächst vollständig aus Spenden des Bündnisses Aktion Deutschland Hilft (ADH) finanziert. Eine Förderung durch die Deutsche Bank Stiftung, die Stiftung RTL – Wir helfen Kindern sowie die UNO-Flüchtlingshilfe ermöglicht anschließend die bundesweite Ausweitung des Programms.
In den folgenden Projektphasen wird KIWI durch Mittel des EU-Programms AMIF (Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds) sowie die Deutsche Bank Stiftung gefördert. Die Schulprojektförderung sowie der KIWI-Preis werden bereits von Beginn an durch die Deutsche Bank Stiftung unterstützt.


2018 · Vielfalt früh verankern und Engagement würdigen
Mit KIWI kids wird der Ansatz erstmals auf Grundschulen übertragen. Das Pilotprojekt läuft von September 2018 bis Februar 2020 und zielt darauf ab, Vielfalt altersgerecht und diskriminierungssensibel im Schulalltag der Grundschule zu verankern.
Zum Unterrichtsmaterial gehören auch ein KIWI kids-Buch und ein begleitendes Hörbuch. In kindgerechten Geschichten rund um den kleinen Vogel Kiwi werden Themen wie Identität, Gefühle, Freundschaft und respektvolles Miteinander aufgegriffen – als niedrigschwelliger Gesprächsanlass im Unterricht. Parallel dazu wird der KIWI-Preis für Vielfalt und Begegnung vergeben. Von 2018 bis 2022 würdigt er besonders engagierte Schulprojekte, in denen sich Schüler:innen mit Vielfalt befassen und ihre Schule aktiv mitgestalten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen beispielhaft, wie Jugendliche Vielfalt im Schulalltag sichtbar machen und Verantwortung übernehmen.
Insgesamt wurden 216 Schulprojekte umgesetzt, an denen 10.969 Schüler:innen beteiligt waren.

2021 · Austausch und fachliche Impulse für Lehrkräfte
Seit September 2021 ergänzt der Digitale Fachaustausch das Programm. Das Format entsteht in der Corona-Zeit – als Antwort auf den hohen Bedarf an fachlichem Austausch trotz Kontaktbeschränkungen.
Pädagogische Fachkräfte erhalten Impulse zu aktuellen Themen wie Rassismuskritik oder traumasensiblem Lernen und finden einen schulübergreifenden Raum für kollegialen Austausch und Reflexion.

2022 · Der Podcast „Schule divers“ startet – Wissen teilen, Impulse setzen
Im März 2022 erscheint die erste Folge des Podcast „Schule divers – Vielfalt leben, Bildung gestalten“ (zunächst „Fenster auf! Frische Gedanken in die Schule“). Expert:innen aus Praxis und Wissenschaft diskutieren darin, wie Schule in einer vielfältigen Gesellschaft gelingen kann und geben konkrete Impulse für den Schulalltag. Der Podcast richtet sich vor allem an pädagogische Fachkräfte, aber auch an alle, die Schule aktiv mitgestalten wollen. Zu den Gästen zählen unter anderem Karim Fereidooni, der zu Diskriminierung im Schulsystem forscht, Tupoka Ogette, die praxisnahe Impulse für eine diskriminierungskritische Schule gibt, sowie Fikri Anıl Altıntaş, der über Narrative nicht-weißer Männlichkeiten und deren Einfluss auf Bildungsbiografien spricht.
Ab 2023 · Von Methoden zu Haltung
Mit Beginn der Projektphase 2023–2025 verschiebt sich der Schwerpunkt von der reinen Methodenvermittlung hin zu einer bewussten Haltungsarbeit. KIWI orientiert sich stärker am Anti-Bias-Ansatz und stellt die Reflexion eigener Vorannahmen, Machtverhältnisse und struktureller Diskriminierung in den Mittelpunkt.
Ziel ist es, diskriminierungssensibles Handeln dauerhaft im Schulalltag zu verankern – im Unterricht, im Kollegium und in schulischen Strukturen.
2024 · KIWI in Polen, Prozessberatung und Tag der Vielfalt
Im März 2024 startet KIWI zunächst in Warschau – auf Initiative von CARE Polen gemeinsam mit dem Warschauer Bildungsamt und zivilgesellschaftlichen Partnerorganisationen. Das Handbuch wird ins Polnische übersetzt, an den Kontext angepasst und Multiplikator:innen werden geschult. Eine Ausweitung auf weitere Städte ist geplant. Im März 2024 beginnt die systemische Prozessberatung. Vier Schulen werden bis Ende 2025 intensiv begleitet, um diskriminierungsbewusste Schulentwicklung strategisch zu verankern. Nach erfolgreicher Pilotphase wird das Format ausgebaut: Bis 2028 sollen insgesamt 18 Schulen systemisch begleitet werden. Im September 2024 bringt der „Tag der Vielfalt“ Schüler:innen und Lehrkräfte aus ganz Deutschland zusammen. Schüler:innen arbeiten in verschiedenen Workshops zu Themen rund um Diversität, während Lehrkräfte ihre Kompetenzen in partizipativer Projektarbeit vertiefen.

2025 · Fokussierung, partizipative Projektgestaltung und neues KIWI-Handbuch
Ab 2025 richtet CARE seine Projektarbeit in Deutschland noch gezielter aus: Grundlage ist eine Analyse regionaler Bedarfe und Rahmenbedingungen. KIWI konzentriert sich fortan auf Berlin, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein, um dort Wirkung und Nachhaltigkeit der Angebote zu stärken.
Seit Mai 2025 bietet KIWI vertiefende Workshops zur partizipativen Projektgestaltung an. Lehrkräfte lernen, wie sie Beteiligung strukturiert planen und nachhaltig im Schulalltag verankern. Das „KIWI-Handbuch - Methoden für diversitätssensiblen Unterricht an weiterführenden Schulen” erscheint grundlegend überarbeitet auf Basis des Anti-Bias-Ansatzes. Es verbindet praxisnahe Module mit einer klaren theoretischen Fundierung zu Antidiskriminierung und Diversitätskompetenz und stärkt Lehrkräfte darin, Unterricht diskriminierungssensibel und reflektiert zu gestalten.

Ab 2026 · Willkommensklassen und neue Beteiligungsformate
Ab 2026 liegt ein besonderer Schwerpunkt der Schüler:innen-Workshops auf Willkommensklassen (sprachheterogene Lerngruppen). KIWI setzt damit gezielt dort an, wo Fragen von Zugehörigkeit, Sprache und Teilhabe im Schulalltag besonders relevant sind. Neu sind Schüler:innen- und Lehrkräfte-Beiräte. Sie bringen ihre Perspektiven systematisch in die Weiterentwicklung des Programms ein und stärken die partizipative Ausrichtung von KIWI.
Ergänzend starten Praxisgruppen zur kollegialen Fallberatung. Über zwölf Monate arbeiten Lehrkräfte in festen Gruppen an konkreten Fällen aus ihrem Schulalltag – moderiert von erfahrenen Schulcoaches. Ziel ist es, Handlungssicherheit zu gewinnen.

10 Jahre KIWI – Weiterwirken
Was als gezielte Antwort auf gesellschaftliche Veränderungen begann, ist heute ein strukturiertes und langfristig angelegtes Bildungsprogramm. KIWI verbindet Fortbildung, Unterrichtspraxis, Projektförderung und Schulentwicklung – mit einem klaren Ziel: Schulen stärken, damit Vielfalt gelingt.



KIWI in Zahlen (2015 bis 2025)
- 21.698 erreichte Schüler:innen durch Workshops
- 1.120 durchgeführte Workshops
- 216 Schulprojekte mit 10.969 beteiligten Schüler:innen
- 365 Fortbildungen für Lehrkräfte
- 5.484 erreichte pädagogische Fachkräfte (Fortbildungen, Fachaustausch, Informationsveranstaltungen)
- 66 Informationsveranstaltungen
- 13 digitale Fachaustausche
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