Frauen im Nachkriegsdeutschland tragen CARE-Pakete

Voll mit Hoffnung: Das CARE-Paket

Vor 75 Jahren veränderte eine beispiellose Hilfsaktion die Welt.

Hunger, Kälte, Verzweiflung. Es sind kaum 75 Jahre her, dass Europa vom Zweiten Weltkrieg verwüstet wurde. 22 Wohlfahrtsverbände in den USA beschlossen zu helfen, gründeten C.A.R.E. und schufen das bis heute weltberühmte Paket. Am 21. Februar 1946 stimmt US-Präsident Harry S. Truman der Hilfsidee zu. Er kauft persönlich 100 CARE-Pakete für Europa und fordert das amerikanische Volk auf, es ihm gleichzutun.

40.000
... Kalorien waren 1946 in einem durchschnittlichen CARE-Paket.

Happy Birthday CARE-Paket!

Grußworte von Dr. Angela Merkel zum 75-jährigen Jubiläum

Vor 75 Jahren erreichten die ersten CARE-Pakete das notleidende Nachkriegseuropa. Sie waren der Beginn einer beispiellosen Hilfsaktion und wurden zum Symbol der Hoffnung und Versöhnung. Dosenschmalz, Milch und getrocknetes Fleisch retteten Millionen Menschen vor dem Hunger. Am 9. Mai 1946 erreichten die ersten CARE-Pakete in der französischen Hafenstadt Le Havre das europäische Festland. Am 15. Juli 1946 kamen dann in Bremerhaven die ersten Pakete für Deutschland an. 

Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel erinnert in einer Grußbotschaft an diese historischen Ereignisse und schlägt die Brücke ins Hier und Jetzt: „CARE steht bis heute für Menschlichkeit über Grenzen hinweg. CARE hilft in der Coronaviruspandemie, CARE engagiert sich für Klimaschutz und Gleichberechtigung. CARE zeigt, dass wir vor der Not anderer Menschen nicht die Augen verschließen dürfen.“

Ein Symbol der Hoffnung

Die ersten CARE-Pakete sind so genannte Ten-in-One-Rationen aus Beständen der US-Armee. Ursprünglich dafür gedacht, während des Zweiten Weltkrieges jeweils zehn Soldaten mit einer Mahlzeit zu versorgen, enthält jedes Paket:

9,8 Pfund Fleisch und Innereien,
6,5 Pfund Cornflakes, Haferflocken und Kekse,
3,6 Pfund Obst und Pudding,
2,3 Pfund Gemüse,
3,9 Pfund Zucker,
1,1 Pfund Kakao-, Kaffee- und anderes Getränkepulver,
0,8 Pfund kondensierte Milch,
0,5 Pfund Butter,
0,4 Pfund Käse,
eine Packung Zigaretten, etwas Kaugummi

Der Inhalt eines historischen CARE-Paketes.
Historisches Foto zweier Kinder, die ein CARE-Paket tragen.

Auf verschiedene Bedürfnisse abgestimmt

Im März 1947, als die Bestände an Zehner-Paketen verbraucht sind, beginnt CARE, Pakete zu verschicken, deren Inhalt die Organisation selbst zusammenstellt und packt. Diese sind stärker auf den Bedarf von zivilen Familien als den von Soldaten abgestimmt. Sie enthalten mehr Fleisch, mehr Fett und mehr Kohlenhydrate. Und sie wurden auf die lokalen Essgewohnheiten abgestimmt: Für Italien gab es Nudeln, für Osteuropa mehr tierische Fette und für den neugegründeten Staat Israel sogar koschere CARE-Pakete. Der Nährwert dieser Pakete entspricht etwa 40.000 Kilokalorien. Er variiert von Zeit zu Zeit, hat jedoch folgende Grundausstattung:

1 Pfund Rindfleisch in Kraftbrühe,
1 Pfund Steaks und Nieren,
0,5 Pfund Leber,
0,5 Pfund Corned Beef,
0,75 Pfund „Prem“ (Fleisch zum Mittagessen),
0,5 Pfund Speck,
2 Pfund Margarine,
1 Pfund Schweineschmalz,
1 Pfund Aprikosen-Konserven,
1 Pfund Honig,
1 Pfund Rosinen,
1 Pfund Schokolade,
2 Pfund Zucker,
0,5 Pfund pulverisierte Eier,
2 Pfund Vollmilch-Pulver
2 Pfund Kaffee

Hilfe mit Absender

Amerikanische Spender:innen konnten zunächst auch eine Empfangsadresse angeben, wenn sie Bekannte in Europa hatten. Die Spendenbereitschaft wurde aber schnell so groß, dass CARE viel mehr Pakete verteilen konnte. Sie wurden nach Bedarf in den unterschiedlichen Regionen mit Hilfe lokaler Organisationen verteilt, in einem Beileger fand sich die Adresse der großzügigen Person, die gespendet hatte. Zwischen vielen deutschen und amerikanischen Familien entstanden so enge Freundschaften. Einige Spender:innen hatten dennoch genaue Vorstellungen, wer ihre Hilfe erhalten sollte: „Für den schmutzigsten Mann in Berlin“, sollte ein Paket sein. Oder „für eine rothaarige Witwe, die Katzen liebt“. Es ist nicht überliefert, ob diese Wünsche von CARE erfüllt werden konnten.

Schnell baute CARE seine Hilfe auch auf andere notleidende Regionen der Welt aus, nach Mittel- und Südamerika, Asien, und Afrika. Was mit einem Paket begann, ist heute eine der größten Hilfsorganisationen für unparteiische, schnelle Hilfe, die wirkt.

Die Berliner Luftbrücke

Ein Zeichen der Menschlichkeit

Am 24. Juni 1948, vier Tage nach der Währungsreform, sperrt die Sowjetunion alle Zufahrtswege nach Berlin. Die Blockade, ein Versuch, ganz Berlin unter sowjetische Kontrolle zu bekommen, dauert bis zum 12. Mai 1949. Aber man hat die Rechnung ohne den Berliner Lebenswillen und die Hilfsbereitschaft von CARE gemacht. Die Amerikaner:innen spenden mehr als je zuvor.

Unter der Devise „Jetzt erst recht!“ richtet General Lucius D. Clay, Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, eine Luftbrücke ein. Im Minutentakt landen „Rosinenbomber“, wie die Flugzeuge genannt werden, mit lebenswichtigen Gütern. Von CARE gecharterte Maschinen fliegen mehr als 200.000 CARE-Pakete mit Lebensmitteln in die von jeder Versorgung abgeschnittene Stadt.

CARE trägt in dieser Zeit eine große Verantwortung, denn 60 Prozent der privaten Hilfe für Berlin werden von CARE erbracht. Als einzige private Hilfsorganisation hält CARE während der Blockade die Lieferungen in vollem Umfang aufrecht. Im Durchschnitt werden pro Tag 1.000 Pakete mit Lebensmitteln eingeflogen.

Nach Beendigung der Blockade bleibt die Versorgung schwierig. Die Luftbrücke wird daher noch bis zum 30. September 1949 aufrechterhalten. CARE setzt so seine 1946 begonnene Hilfe für Deutschland und Berlin fort. Von fast zehn Millionen CARE-Paketen, die zwischen 1946 und 1960 nach Deutschland gelangen, gingen allein drei Millionen nach Berlin.

Zeitzeug:innen erzählen

„Ich werde den ersten Anflug auf Berlin nie vergessen. Als ich die Stadt erreichte, ragten nur hier und da Ruinen auf. Ich fragte mich: Wie können diese Menschen in diesen Trümmern nur überleben? Auf dem Flughafen Tempelhof sah ich am Stacheldrahtzaun etwa 30 Kinder stehen. In meiner Hosentasche fand ich zwei Kaugummis. Ich teilte sie, gab sie den Kindern. Sie teilten nochmals, sogar das Papier, und rochen daran. Da beschloss ich, mehr Süßigkeiten zu bringen. Jeder hätte das getan.“

- Gail Halverson, Luftbrückenpilot, bekannt geworden als „Onkel Wackelflügel“

„Wir lebten zu siebt in einem einzigen Raum, hungerten und froren. Unsere Mutter nähte aus Stoffresten Kleider. In einem benachbarten Garten durften wir Fallobst aufsammeln. Die CARE-Pakete brachten plötzlich wieder Hoffnung in diese Zeit der Not. Sie enthielten viele wunderbare Dinge: Milchpulver, Erdnussbutter, Kakao und sogar Schokolade. Und wir bekamen warme Kleidung. Eines Tages fanden wir die Adresse unserer amerikanischen Spender in einer Jackentasche. Wir begannen uns zu schreiben, später besuchten wir uns regelmäßig.“

- Irmingard Kruse, Lübeck

„Mitten im Hungerwinter war da plötzlich dieses CARE-Paket. Den Inhalt sehe und schmecke ich noch heute: Erdnussbutter. Milchpulver. Kakao – ein Getränk, das ich bis dahin überhaupt nicht kannte. Eipulver, aus dem meine Mutter Omeletts briet. Und das Beste von allem, eine Tafel Schokolade. Sie wurde planvoll bewirtschaftet, und nur in festlichen Stunden gab es für jeden ein kleines Stück.“

- † Dr. Norbert Blüm, Arbeitsminister a.D., CARE-Ehrenmitglied

Unsere Schwerpunktthemen

Jedes Jahr reagiert CARE auf Notfälle und Katastrophen, die sich auf das Leben von Millionen von Menschen auf der ganzen Welt auswirken.
Wir versorgen Menschen in Not mit Nahrungsmitteln, sauberem Trinkwasser, sanitären Einrichtungen, provisorischen Unterkünften, Gesundheitsfürsorge und anderen Hilfsgütern, die sie zur Sicherung ihrer Existenzgrundlagen benötigen.

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