Eine Gruppe CARE-Mitarbeitende halten Demoschilder vor dem Kanzleramt.

Haushaltsbingo

Unser Faktencheck zu Kürzungen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.

Unser Faktencheck zu Kürzungen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.

Das CARE-Bingo zur Haushaltsdebatte

Wenn im Bundestag über Kürzungen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit diskutiert wird, fallen fast immer dieselben Argumente. Unser Haushaltsbingo ordnet die häufigsten Aussagen ein und liefert die relevanten Fakten dazu. Fällt eine der Aussagen, ist der Faktencheck nur einen Klick entfernt – let's bingo!

„Deutschland bleibt einer der größten Geber“
Bei der humanitären Hilfe war Deutschland 2019 noch zweitgrößter Geber der Welt, 2025 liegt es nur noch auf Platz 7. Inzwischen gibt Deutschland deutlich weniger für Entwicklungszusammenarbeit aus als international vereinbart: Statt der zugesagten 0,7 Prozent seiner Wirtschaftsleistung sind es nur noch 0,56 Prozent, von denen ein großer Teil in Projekte in Deutschland fließt.
„Deutschland kann die Kürzungen anderer Geber und vor allem der USA nicht auffangen“
Stimmt, aber: Deutschland muss die Lücke nicht komplett schließen, um sie kleiner zu machen. Stattdessen trägt es mit eigenen Kürzungen dazu bei, dass sie größer wird. Dies widerspricht auch dem Koalitionsvertrag. Darin wurde vereinbart, dass ein „stärkeres Engagement nach dem Ausfall anderer Geber in wichtigen Bereichen“ geprüft werden soll.
„Deutschland bleibt ein verlässlicher Partner in der internationalen Zusammenarbeit“
Verlässlichkeit misst sich nicht an Reden, sondern an Ressourcen. Seit 2023 wurden die Mittel für humanitäre Hilfe halbiert und die Entwicklungszusammenarbeit um 21 Prozent gekürzt. Die Kürzungen senden ein klares Signal an Partner im Globalen Süden. Viele von ihnen mussten ihre Aktivitäten einschränken oder Projekte sogar ganz aufgeben.
„Wir können mit weniger Mitteln mehr helfen, da wir die Effizienz erhöhen.“
Der humanitäre Sektor zählt zu den am intensivsten evaluierten Bereichen der internationalen Zusammenarbeit und entwickelt sich kontinuierlich weiter. Reformen können Prozesse verschlanken, aber keine Milliardenslücken schließen. Effizienz wird so zum Vorwand, um bei der Unterstützung der vulnerabelsten Gruppen weltweit zu sparen.
„Wichtige internationale Geber ziehen sich zurück. Deutschland übernimmt weiterhin Verantwortung.“
Ja, der bislang größte Geber USA zieht sich zurück. Gleichzeitig kürzt auch Deutschland bei Entwicklungszusammenarbeit und humanitärer Hilfe massiv. Deutschland hätte jetzt die Chance, entstehende Finanzierungslücken zu verringern, politisch aktiv gegenzusteuern und sich damit international als führender Akteur zu positionieren.
„Frauenförderung ist ein Nischenthema, wir müssen pragmatischer werden.“
Geschlechterungleichheit ist eine der zentralen Ursachen von Armut, Hunger und Krisenanfälligkeit. Wer Frauen und Mädchen nicht gezielt erreicht, verfehlt häufig auch die wirksamsten Hebel für nachhaltige Entwicklung.
„Für unvorhergesehene Krisen werden zusätzliche Mittel bereitgestellt.“
Leider ein in den letzten Jahren nicht eingehaltenes Versprechen. Für neue Krisen wurden in den vergangenen Jahren keine zusätzlichen Mittel beantragt, etwa im Libanon. Zudem reicht heute schon das Geld für humanitäre Hilfe bei Weitem nicht aus. So sind 2026 bislang über 68 Prozent der humanitären Bedarfe nicht gedeckt.
„Wir müssen in jedem Bereich Gelder kürzen.“
Ja, aber die Kürzungen treffen nicht alle Bereiche gleich. Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe machen nur einen kleinen Teil des Haushalts aus, werden aber besonders stark gekürzt. Das spart kurzfristig Geld, verursacht aber langfristig höhere Kosten – und verschiebt das Problem nur in die Zukunft.
„Wir beenden das Gießkannenprinzip und setzen die Mittel endlich gezielt ein.“
Deutsche Entwicklungszusammenarbeit war bereits in den vergangenen Jahren klar priorisiert. Mit feministischen Ansätzen richtete sich die Arbeit gezielt auf Menschen, die besonders von Krisen betroffen sind. Die aktuelle Schwerpunktsetzung auf wirtschaftliche Zusammenarbeit ist daher eine politische Neugewichtung der Prioritäten.

Weitere Faktenchecks

„Wir müssen die Geberbasis erweitern.“ / „Andere Länder müssen auch mehr Verantwortung übernehmen.“

Es ist richtig, dass mehr Länder zur Finanzierung beitragen müssen. Aber wer andere zu mehr Unterstützung auffordert und gleichzeitig selbst kürzt, verliert an Glaubwürdigkeit und Einfluss.

„Wir können uns nicht um alle Krisen der Welt kümmern.“

Niemand fordert das. Die Frage ist vielmehr, ob Deutschland seiner Verantwortung als einer der wohlhabendsten Staaten der Welt gerecht wird.
 

„Nach Jahren der Investition in Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe sind Kürzungen jetzt vertretbar.“

Vergangene Investitionen ändern nichts am heutigen Bedarf. Und der ist historisch hoch. Gerade deshalb sind Kürzungen heute nicht automatisch vertretbar. Entscheidend ist nicht, wie viel in der Vergangenheit investiert wurde, sondern ob die Mittel heute ausreichen, um den aktuellen Bedarf zu decken.

„Deutschland allein kann die Lücke zwischen wachsenden Bedarfen und verfügbaren Mitteln nicht schließen.“

Richtig. Niemand erwartet, dass Deutschland die gesamte Lücke allein schließt. Aber Deutschland kann entscheiden, ob es die Lücke vergrößert oder dazu beiträgt, sie zu verkleinern. Und aktuell kürzt Deutschland auch dort, wo sich künftige Krisen verhindern ließen: bei Entwicklungszusammenarbeit, Konfliktprävention und Klimafolgen.
 

„Wir müssen die humanitäre Hilfe/Entwicklungszusammenarbeit stärken.“

Finden wir auch. Aber wer humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit stärken will, muss die dafür notwendigen finanziellen Mittel bereitstellen. Mit guten Absichten und Versprechen allein können wir leider keine Menschen unterstützen.
 

„Wir mobilisieren mehr privates Kapital.“

Privates Kapital kann öffentliche Entwicklungsfinanzierung ergänzen, aber nicht ersetzen. Denn Investitionen orientieren sich an wirtschaftlichen Chancen – humanitäre Hilfe und Entwicklungsprojekte richten sich dagegen nach dem Bedarf.
 

„Wir lassen niemanden zurück.“

„Leave No One Behind“ ist das zentrale Versprechen der Agenda 2030. Doch wenn bei steigenden Bedarfen die Mittel gekürzt werden, bedeutet das konkret, dass Projekte eingestellt werden müssen und weniger Menschen lebensnotwendige Hilfe erhalten. Gerade die Ärmsten und Schwächsten dieser Welt trifft das zuerst.
 

Das ist CARE

CARE leistet unparteiliche humanitäre Hilfe dort, wo akute Not herrscht. Gleichberechtigung der Geschlechter ist uns eine Herzensangelegenheit. Die Klimakrise ist bereits dort Realität, wo die Menschen am wenigsten dazu beigetragen haben und sich kaum selbst vor den Auswirkungen schützen können. 

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