Thuys Hauptberuf ist es, den Müll in Vietnams Hauptstadt Hanoi einzusammeln. Jeden Tag zwischen 08:00 und 13:00 Uhr befreit sie die Straßen der Stadt von Essensresten, Papierabfällen und Plastik. Die Arbeit ist körperlich anstrengend, es stinkt, und Thuy wird schlecht bezahlt. Und das, obwohl ihre Arbeit enorm wichtig ist. Trotzdem strahlt die Frau ein enormes Selbstbewusstsein aus. Doch das war nicht immer so, erzählt sie: „Früher hätte ich mich nicht getraut, etwas zu sagen oder für meine Rechte einzustehen. Heute ist das anders.“

Auslöser für das gestiegene Selbstvertrauen war die Teilnahme am WODIMO-Projekt, das von CARE unterstützt wird („Women on the digital move“). Erst durch die Schulung wurde Thuy bewusst, wie gefährlich ihre Arbeit sein kann. Neben der körperlichen Belastung können Abfälle giftig sein oder gesundheitsgefährdende Dämpfe entstehen, die Thuy gar nicht bemerkt. Dies hätte für die Wanderarbeiterin lebensgefährlich werden können, denn sie hatte bis vor kurzem keine Krankenversicherung. Dafür gab es mehrere Gründe. Zum einen hat sie nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung, um in Hanoi arbeiten zu dürfen. Gebürtig stammt die Straßenreinigerin aus einem etwa 100 Kilometer entfernten Dorf. Zum anderen sind die Arbeitsverhältnisse, in denen Thuy arbeitet, informell. Das hat es nahezu unmöglich gemacht, eine Kranken- oder Sozialversicherung abzuschließen. Diese hätte sie schließlich selbst zahlen müssen, was bei ihrem geringen Einkommen nicht tragbar gewesen wäre.

Seitdem sie Teil des WODIMO-Projekts ist, hat Thuy allerdings ein zweites Einkommen, welches ihre Situation erheblich verbessert. Sie verkauft über eine Plattform, auf die sie durch die Schulung aufmerksam wurde, Waschmittel. Durch die Teilnahme an dem Coaching konnte sie sich eine eigene kleine Marke aufbauen, betreibt ihr eigenes Marketing, kümmert sich um Kooperationspartner und hat dadurch eine Marktlücke geschlossen. „Ich habe mein Einkommen diversifiziert. Darüber hinaus habe ich auch mehr Geld zur Verfügung und kann endlich in eine Krankenversicherung einzahlen“, erzählt Thuy stolz. Die Krankenversicherung hatte sie bereits vor dem Projektbesuch abgeschlossen. Allerdings brachte dies das Risiko mit sich, nicht genug Geld für den Alltag zur Verfügung zu haben. Das hat sich durch ihr kleines Onlineunternehmen geändert.
Doch das soll erst der Anfang sein. „Ich habe sämtlichen Nachbarn von dem Seminar erzählt und ihnen gesagt, dass sie auch dorthin gehen sollen“, berichtet Thuy schmunzelnd. Gemeinsam mit 15 anderen Frauen, die ebenfalls an dem Projekt teilgenommen haben, tauscht Thuy ihre Erfahrungen aus. Die Frauen unterstützen sich zudem gegenseitig beim Aufbau ihrer jeweiligen Unternehmen und helfen sich damit auf dem Weg in ein selbstständiges und selbstbewusstes Leben.
Unterstützen Sie durch Ihre Spende Frauen wie Thuy auf dem Weg in die finanzielle Unabhängigkeit!







