Portraitfoto Karl Otto Zentel - Generalsekretär

Statement von Karl-Otto Zentel, Generalsekretär von CARE Deutschland, anlässlich des Jahrestages des Waffenstillstandsabkommens für Gaza am 10. Oktober

„Ein Jahr nach dem Waffenstillstandsabkommen müssen wir uns fragen, was von diesem Waffenstillstand eigentlich geblieben ist. Noch immer sterben Menschen bei Angriffen. Noch immer leben Familien in provisorischen Zelten ohne Perspektive auf Rückkehr in ihre Häuser, falls sie denn noch stehen. Und noch immer wissen Eltern nicht, woher die nächste Mahlzeit für ihre Kinder kommt oder ob sie sauberes Trinkwasser finden.

Gleichzeitig wird der Raum, der den Menschen in Gaza zum Leben bleibt, immer kleiner. Die sogenannte ‚gelbe Linie‘, die das von der israelischen Armee kontrollierte Sperrgebiet vom übrigen Gazastreifen trennt, ist weiter Richtung Meer gerückt. 

Familien mussten erneut fliehen. Heute drängen sich nahezu alle Menschen Gazas auf weniger als 40 Prozent des ursprünglichen Gebietes und das, obwohl der Gazastreifen bereits vor dem Krieg eine der am dichtesten besiedelten Gegenden der Welt war. Ein Waffenstillstand sollte nicht nur bedeuten, dass weniger Bomben fallen. Er muss bedeuten, dass ein Kind nachts ruhig schlafen kann und keine Angst vor einem Angriff hat. Dass eine Mutter genügend sauberes Wasser für ihre Familie zur Verfügung hat. Dass ein kranker Mensch angemessen behandelt werden kann. Und dass Lebensmittel, Medikamente und andere lebensnotwendige Hilfsgüter die Menschen erreichen, die sie dringend brauchen.

Doch auch ein Jahr nach dem Abkommen gelangt humanitäre Hilfe noch immer nicht verlässlich und in ausreichendem Umfang nach Gaza. Einschränkungen und Zugangsbeschränkungen erschweren weiterhin die Versorgung mit dem Lebensnotwendigsten. Ein Waffenstillstand, in dem Menschen weiterhin durch Angriffe sterben und immer noch darum kämpfen müssen, genug zu essen, sauberes Wasser oder medizinische Versorgung zu bekommen, verdient seinen Namen nicht. Es reicht nicht, einen Waffenstillstand zu verkünden. Er muss für die Menschen spürbar sein. Dafür tragen nicht nur die beteiligten Akteure eine Verantwortung: Die Bundesregierung hat die Möglichkeit und die Verpflichtung, auf ein Ende des Leids in Gaza hinzuwirken. Jetzt braucht es entschlossenen diplomatischen Druck für den Schutz der Zivilbevölkerung, die Öffnung aller Hilfswege und die Rechenschaftspflicht für Verstöße gegen das Völkerrecht."

CARE Deutschland verurteilt den brutalen Terrorangriff auf Israel vom 7. Oktober 2023 sowie jegliche Gewalt gegen die Zivilbevölkerung durch die Konfliktparteien zutiefst. CARE fordert die Einhaltung des humanitären Völkerrechts durch alle Konfliktparteien, einen dauerhaften und verlässlichen Waffenstillstand, den ungehinderten Zugang von humanitärer Hilfe nach und innerhalb von Gaza sowie die Evakuierung von Kranken und Verletzten.

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