
Sieben Monate lang kein Obst oder Fleisch. „Wir leben in Gaza, wir alle sind ständig von Nahrungsmittelunsicherheit betroffen. In den meisten Monaten essen wir nur einmal am Tag und dann nur Linsen und Brot“, sagt Nisreen. Als Mutter ist es für sie schmerzlich, ihre Kinder nicht versorgen zu können. Sie fühlt sich dann hilflos. „Es tut mir weh, wenn mein Sohn hungrig ist.“
Nisreens Haus besteht aus nur drei Wänden, einem halb offenen Dach und zwei Zimmern. Die Tür ist ein Stück Stoff. Doch für Nisreen bedeutet diese Wohnung Luxus. „Früher lebten wir mit sechs Personen in einem Zimmer. Wir mussten bei meinen Eltern wohnen“, berichtet sie. „Es war einer der glücklichsten Momente meines Lebens, einen eigenen Platz für meine Familie zu haben und dann um ein zweites Zimmer erweitern zu können.“
Es ist unvorstellbar eng in Gaza. Die Häuser stehen dicht aneinander, die Wege durch das Viertel sind schmal. „Die Menschen leben hier übereinander“, sagt Nisreen. Mit 2,1 Millionen Menschen gehört Gaza neben Hongkong und Singapur zu den am dichtesten besiedelten Orten der Welt.

„Mama arbeitet nachts“
Nur nachts, wenn Nisreen um Mitternacht in eine Bäckerei zur Arbeit geht, ist es in den dunklen Gassen ruhig. In Gaza ist es sehr ungewöhnlich, dass Frauen arbeiten – und dann auch noch nachts. Für Nisreen hat sich damit ihr Leben geändert. Ihre Familie war verschuldet, bevor sie ein eigenes Einkommen hatte. Die Bäckerei ist eine Kooperative von etwa vierzig Frauen, die geschieden, verwitwet oder Alleinverdienerinnen ihrer Familie sind. CARE unterstützt sie mit Berufsausbildungen, Unternehmensschulungen und mit Ausstattung wie dem Backofen und anderen Küchengeräten.
Die Frauen in der Bäckerei lernen voneinander und geben einander Unterstützung. Eine Bäckerin aus einer anderen Bäckerei zeigt heute, wie man einen Kuchen mit Glasur macht. „Wir haben jetzt so viele Aufträge, dass wir alle ein gutes Einkommen haben“, sagt Nisreen. Bei einer Arbeitslosenquote von 46,6 Prozent ist das in Gaza alles andere als selbstverständlich. Von den Beschäftigten sind nur 19 Prozent Frauen.

Zum ersten Mal in einem Restaurant
Nisreens Schicht endet um 8 Uhr morgens. Sie geht nach Hause, um zu putzen, sich zwei Stunden auszuruhen und dann das Mittagessen vorzubereiten. Ihre Kinder kommen mittags heim und dann hilft sie ihnen bei den Hausaufgaben. „Meine Kinder sind so verständnisvoll und hilfsbereit. Ich habe einmal gehört, wie meine Tochter ihrer Freundin sagte, sie solle sich leise verhalten, weil ich eine berufstätige Mutter bin, die nachts arbeitet und deshalb müde ist.“ Ihr Mann ist derzeit auf Arbeitssuche. Er arbeitet oft als Tagelöhner und bekommt wenig bezahlt.

Nisreen hat ihren Kindern früher immer versprochen, dass sie einen Job finden und ein Einkommen haben würde, um ihnen Essen zu kaufen. Das Versprechen hat sie nun einlösen können. Vor kurzem war die Familie zum ersten Mal in einem Restaurant. „Wir haben Schawarma (ein typisches Fleischgericht der arabischen Küche) probiert – es war so gut!“ Nisreen arbeitet hart und schläft nur sehr wenig, damit sie ihren Kindern ein Leben ohne Hunger ermöglichen kann. Nach dem Abendessen bereitet sie die Schultaschen ihrer Kinder vor. Um 21 Uhr gehen sie schlafen. Zwei Stunden später steht Nisreen leise auf, um nachts wieder in die Bäckerei zu gehen.
Das CARE-Projekt AMALI, das von der Austrian Development Agency finanziert wird, unterstützt Frauenkooperativen bei der Entwicklung und Umsetzung ihrer Businesspläne, bietet Schulungen und technische Unterstützung sowie Schutz für Frauen an, die von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen sind. Darüber hinaus zielt AMALI darauf ab, ein Umfeld zu schaffen, in dem Frauen und Jugendliche unternehmerisch tätig werden können, die Belange von Frauen zur Sprache gebracht werden und das Bewusstsein für die wirtschaftlichen Rechte von Frauen geschärft wird.
Helfen Sie Frauen wie Nisreen und unterstützen Sie die Arbeit von CARE.

























































































































































































































































































































