Die 22-jährige Athieng sitzt auf einem schmalen Krankenhausbett in Pariang, Südsudan, und drückt ihre einjährige Tochter Athiei an ihre Brust. Der CARE-Krankenpfleger misst Athieis Oberarm: MUAC 10,5 cm (Mid-Upper Arm Circumference, Oberarmumfang), dazu die Farbe Rot. Das bedeutet: Schwere, akute Unterernährung. Athieis kleiner Körper hat bereits alle seine eigenen Reserven verbraucht, um am Leben zu bleiben. Die immer noch dramatischen Werte stellen aber bereits eine Verbesserung ihres Zustands dar, so unglaublich es scheinen mag. Ihre Mutter Athieng erklärt dazu: „Ich bin hierhergekommen, weil mein Kind krank war. Sie hat sich übergeben und hatte Durchfall. Außerdem hatte sie hohes Fieber.“



Im Bett neben Athieng liegt das Baby Nyabany in den Armen ihrer Mutter Rebeca. Nyabany ist so geschwächt, dass sie Infusionen ins Handgelenk bekommt. Die Hand des Kindes ist still, zu still für jemanden, der so jung ist. „Ich bin zwei Tage lang gelaufen, um zu diesem Krankenhaus zu gelangen“, sagt Rebeca. „Mein Kind lag im Sterben. Sie war so krank, und das Fieber war so hoch. Sie atmete nicht mehr richtig.“ Sie trug ihre Tochter durch 42 Grad Hitze und hielt nur einmal an, um in der Hütte eines Fremden zu schlafen, bevor sie weiterging.


Nicht alle können gerettet werden
Aber manchmal ist es zu spät. CARE-Krankenpfleger Miabek Miathiang hat das schon zu oft gesehen. Körper, die vor Ödemen anschwellen, verengte Kehlen, Blut, das so dünn wird, bis man nichts mehr tun kann. Die höchste Zahl, an die er sich erinnert, sind vier Kinder, die allein in einem Monat starben. „Durch die Schwellungen können die Kinder die Milch nicht mehr trinken. Wir haben viele Fälle, in denen Mütter allein sind, weil ihre Ehemänner im Krieg gestorben sind. Sie sind so traumatisiert, dass sie sich nicht mehr um ihre Kinder kümmern können. In den lokalen Dörfern sind es der Mangel an Einkommen und viele ausgefallene Erntezeiten. Manche, wie Rebeca, laufen zu Fuß und kommen rechtzeitig an, um ihre Kinder zu retten. Andere nicht“, sagt Miabek Miathiang.
Miawer ist ein Jahr alt und lebt mit seiner Mutter Aker, 20, in Jamjang, einer Stadt in der Nähe der Flüchtlingscamps. Er ist erschöpft und kann kaum noch allein stehen. Seine Mutter, Aker, 20, sagt: „Mein Kind war so schwach. Er hatte Fieber, und ich habe weder Essen noch Milch für ihn.“ Im Südsudan haben steigende Lebensmittelpreise Familien an den Rand des Überlebens gedrängt. Sorghum, einst die tägliche Mahlzeit, ist unerschwinglich geworden. Was vor wenigen Wochen noch 12.000 südsudanesische Pfund (etwa 2,5 USD) kostete – was schon der erhöhte Preis ist -, kostet nun 15.000 (etwa 3,2 USD) für eine einzige Portion. „Wir können uns nichts mehr zu essen leisten“, fügt Aker leise hinzu. Auch ihr eigener Körper zeigt Anzeichen von Unterernährung. Hunger ist keine temporäre Notlage mehr. Er ist allgegenwärtig. Und bei Kindern wie Miawer verändert er den Körper von innen heraus. Er verlangsamt sein Wachstum, und wenn er keine Behandlung erhält, werden seine Organe versagen. Unterernährung wirkt sich nicht nur auf das Gewicht des Kindes aus. Sie schwächt seine Knochen, führt zu Haarausfall und verformt den Körper. Sie beeinträchtigt sogar das Gehirn, wobei Teile davon ganz aufhören können zu wachsen.



In fortgeschrittenen Stadien der Unterernährung häufen sich die Anzeichen: Der Bauch kann nach außen schwellen, Finger und Füße können anschwellen, und wenn man darauf drückt, springt die Haut nicht zurück. Sie bleibt eingedrückt, als hätte der Körper vergessen, wie er sich selbst heilen kann. Krankenpfleger Miabek hat das schon zu oft gesehen. „Wenn ein Kind anämisch wird, kann es jeden Moment sterben.“
Kein Kind wird abgewiesen
CARE behandelt Kinder wie Athiei und Miawer. In Pariang erhält Athieng alle vier Stunden Milch für ihre Tochter. Und Athiei beginnt, darauf anzuspringen. Ihr Fieber sinkt, und ihr Körper nimmt die Nährstoffe langsam wieder auf. Sie ist auch viel kräftiger und hält ihren Löffel sogar selbst. In Jamjang verteilt das CARE-Ernährungszentrum Plumpy’Nut-Beutel (Erdnusspaste), die reich an Kalorien, Proteinen und Mikronährstoffen sind. Sie werden entsprechend dem Gewicht verabreicht.

Ein Kind wie Miawer, das gerade einmal 6,6 Kilogramm wiegt, würde 21 Beutel pro Woche, drei pro Tag, benötigen, um wieder aufzubauen, was der Hunger ihm genommen hat. Und die CARE-Mitarbeitenden behandeln weiterhin jedes unterernährte Kind, das durch die Türen des Krankenhauses kommt. Immer wieder, Tag und Nacht, kämpfen sie um das Überleben jedes einzelnen Kindes.
Mit Ihrer Spende helfen Sie Kindern wie Athiei, Nyanbany und Miawer und ermöglichen ihnen eine echte Überlebenschance.






















