Ein Frauenzentrum im Südsudan, das Frauen dabei half, gehört zu werden,

Die Nähmaschinen stehen nun still. Sie sind an die Wand geschoben worden unter Plakaten über Frauenrechte und Traumaverarbeitung in einem Frauenzentrum in einer kleinen Stadt im Norden des Südsudan. Sie beginnen zu rosten, und eine dicke Staubschicht hat sich auf dem Metall abgelagert. Vor nicht allzu langer Zeit war der Raum noch jeden Tag voll und belebt. Schulter an Schulter saßen die Frauen dort und lernten Schneidern, Sticken und Perlenstickerei, während ihre Kinder neben ihnen auf geflochtenen Matten schliefen. Andere warteten vor den Büros der Sozialarbeiter:innen und trugen Geschichten mit sich, die sie noch nie zuvor jemandem erzählt hatten. Geflüchtete und Rückkehrerinnen aus dem Sudan saßen gemeinsam mit Frauen aus der lokalen Gemeinde in Pariang und stellten fest, dass sich viele ihrer Leben trotz unterschiedlicher Geschichten um dieselben Dinge drehten: Hunger, Gewalt und Vertreibung.

„Die Leute sagten uns oft, dass wir dazu beigetragen hätten, diesen Frauen wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern“, sagt Elizabeth, die Projektleiterin von „Coalition for Humanity“, einer Partnerorganisation von CARE. Das Frauenzentrum wurde von 2022 bis Dezember 2025 mit Mitteln des deutschen Auswärtigen Amtes betrieben und entwickelte sich zu einem der wenigen Orte, an denen Frauen um Hilfe bitten konnten. Einige kamen, nachdem sie vor dem Krieg im Sudan geflohen waren. Andere kamen, weil ihre Ehemänner aufgehört hatten, für sie zu sorgen, mit dem Trinken angefangen hatten oder gewalttätig geworden waren. Einige kamen, weil sie hungrig, müde, traumatisiert oder so verzweifelt waren, dass sie nicht mehr wussten, an wen sie sich noch wenden sollten.

Ein Portrait von Nyalang vor einem Frauenzentrum.

Aus dem Trauma finden

Für die 38-jährige Nyalang wurde das Zentrum zum entscheidenden Unterschied zwischen Überleben und Aufgeben. Sie floh mit acht Kindern aus Khartum, nachdem im April 2023 im Sudan der Krieg ausgebrochen war. Ihr Mann war bereits vorab in den Südsudan gereist, in der Hoffnung, Arbeit und Geld zu finden, damit die Familie später nachkommen könne. „Wir hatten nur wenig Geld, also fuhren wir auf der Ladefläche von Lastwagen und Traktoren mit, und wir brauchten sechs Tage, um hierherzukommen“, erinnert sich Nyalang. „Wir hatten nur Geld für den Transport, aber nicht für Essen.“ 

Wie Hunderttausende andere, die aus dem Sudan flohen, gelangte sie fast völlig mittellos in den Südsudan. Als Rückkehrerin, die ursprünglich aus Pariang stammte und vor der Armut, dem Hunger und der Unsicherheit ihres Heimatlandes in den Sudan geflohen war, kannte sie bei ihrer Rückkehr dort niemanden mehr. „Es war schwierig, hier ein neues Leben zu beginnen, da es niemanden gab, der uns unterstützte.“

Ihr Mann blieb arbeitslos. Nyalang ging von Restaurant zu Restaurant auf der Suche nach Jobs als Reinigungskraft und Köchin, während sie versuchte, acht Kinder zu ernähren. „Seit meiner Rückkehr ist das Leben nicht mehr dasselbe. Mein Mann tut nichts, er nimmt mir das wenige Geld weg, das ich in den Restaurants verdiene, und ich brauchte wirklich Hilfe. Meine Kinder anzusehen und nicht zu wissen, wo wir nachts schlafen werden oder wo ich Essen für sie finden kann – das hat mich gebrochen.“ Sie suchte nach Hilfe und fand sie im Frauenzentrum. „An dem Tag, als ich das Zentrum betrat, wurde ich einer Sozialarbeiterin vorgestellt, und sie gab mir so viele wertvolle Ratschläge.“ Dort traf sie zum ersten Mal seit ihrer Flucht aus dem Sudan andere Frauen, die verstanden, was sie durchgemacht hatte. „Ich lernte die Frauen hier kennen und schloss sie wirklich ins Herz.“

Das Zentrum unterstützte sie zudem materiell mit Gemüsesamen für einen Hausgarten und einer Schneiderausbildung, die ihr später half, ein zusätzliches Einkommen zu erzielen. Die tiefgreifendste Veränderung erfolgte jedoch durch die psychosozialen Selbsthilfegruppen. „Als ich zum Zentrum kam, war ich wegen all dem so gestresst. Ich wusste nicht, wie ich da wieder herauskommen sollte. Aber die Gemeinschaft mit den anderen Frauen hat mir sehr geholfen, und mir wurde klar, wie traumatisiert ich eigentlich war. So sehr, dass ich sogar daran dachte, meinem Leben ein Ende zu setzen. Sie haben mir geholfen, da wieder herauszufinden.“

Im Laufe der Zeit wurde aus der Frau, die einst keine Zukunft für sich selbst sehen konnte, eine Führungsfigur innerhalb der Gruppe. „Ich wurde sogar zur Gruppenleiterin gewählt“, sagt sie mit einem stolzen Lächeln und setzt sich ein wenig aufrechter hin. Heute spricht sie öffentlich in Gemeindediskussionen über Frauenrechte und wirtschaftliche Unabhängigkeit. „Frauen sind in unserer Gemeinschaft wirtschaftlich sehr schutzbedürftig. Und sie scheuen sich davor, zu kommunizieren und ihre Geschichten zu erzählen. Es ist so wichtig, Bewusstsein für unsere Sichtweise und unsere Probleme zu schaffen, damit wir gehört und wahrgenommen werden. Wir versuchen aktiv, die Gemeinschaft zu verändern, und sind nun in der Lage, in der Öffentlichkeit für uns selbst zu sprechen.“

Ein Portrait von Angelina vor einem Frauenzentrum.

Den Ehemann nicht mehr um Essen anbetteln

Für die 39-jährige Angelina wurde das Zentrum zum ersten Ort, an dem sie sich gehört fühlte. Sie lebt in einem polygamen Haushalt als zweite von vier Ehefrauen. Ihr Mann unterstützt sie in keiner Weise. „Jedes Mal, wenn ich zu ihm gehe und um Hilfe bitte, weist er mich zurück. Ich habe Mühe, Essen oder Milch für die Babys zu kaufen. Und ich kann mir die Ausbildung für meine Kinder nicht leisten“, sagt sie. Im Zentrum erhielt sie „Dignity Kits“ mit Kleidung, Damenbinden und Grundversorgungsartikeln, die sie sich zuvor nicht leisten konnte. Außerdem nahm sie an einer traditionellen Schulung zur Herstellung von Perlen teil und begann, ihre Arbeiten auf dem Markt zu verkaufen. „Ich kann mich jetzt mit den Perlen selbst versorgen und muss niemanden um etwas bitten oder zu meinem Mann zurückkehren, um ihn um Essen anzubetteln.“

Doch davor gab es noch etwas anderes, sagt sie, das noch viel wichtiger war. „Ich habe hier zum ersten Mal meine Geschichte erzählt, und es hat mir geholfen zu wissen, dass ich nicht allein bin. Dass ich eine Stimme habe. Und dass ich wichtig bin. Es gibt so viele Möglichkeiten für uns Frauen, wir brauchen nur den Mut, die Unterstützung und die Fähigkeiten, sie zu ergreifen“, fasst sie zusammen.

Ein Portrait von Regina vor einem Frauenzentrum.

Auch Regina, 35, weiß, wie es ist, wenn ein Ehemann ihr alles verweigert, nachdem ihr Mann seine Stelle bei der Regierung verloren hat. „Früher hatten wir ein gutes Leben. Wir hatten Essen, Kleidung und alles, was wir jemals brauchen würden.“ Ohne Arbeit zog er sich immer mehr zurück und begann, stark zu trinken. „Wir hatten so viele Konflikte, und ich brauchte jemanden, der uns half“, sagt sie und ging daraufhin zum Frauenzentrum, um Unterstützung zu finden. Dort lernte sie nähen und begann, Geld zu verdienen, indem sie an den Nähmaschinen arbeitete.

Geschlossene Türen

Während der Krieg im Sudan weitergeht, kommen immer mehr Frauen nach Pariang. Die Hilfe für Geflüchtete im gesamten Südsudan ist stark unterfinanziert, was viele Frauen dazu zwingt, die Camps zu verlassen, um Arbeit oder Brennholz zu suchen, das sie verkaufen können. „Die Frauen versuchen, das Land in der Umgebung zu bewirtschaften, aber hier herrscht große Unsicherheit“, sagt Elizabeth von „Coalition for Humanity“, einer CARE-Partnerorganisation.

„Wir finden sehr oft die Leichen von Frauen im Gebüsch, die vergewaltigt, ermordet und zurückgelassen wurden. Das Schlimmste daran ist, dass diese Frauen alle ihre Kinder in den Camps zurückgelassen haben. Das ist eine so traurige Situation.“ Und doch war dies auch der Moment, in dem das Frauenzentrum selbst begann, Unterstützung zu verlieren. Die Finanzierung lief im Dezember 2025 aus. Das Gebäude bleibt zwar geöffnet, doch die Schulungen, die Verteilungen und die meisten Dienstleistungen wurden eingestellt. „Die Frauen kommen immer noch, aber wir haben kein Budget mehr. Es kommen Frauen hierher, die Übergriffe, Vergewaltigungen oder Schläge durch ihre Ehemänner überlebt haben und hoffen, hier Hilfe zu finden, aber wir müssen sie abweisen.“

Ein Portrait von Nyalang vor einem CARE Hintergrund.
Ein Portrait von Angelina vor einem CARE-Hintergrund.
Ein Portrait von Regina vor einem CARE-Hintergrund.

Elizabeth sagt, das Schwerste sei es, den Frauen in die Augen zu schauen und zu wissen, dass es nichts mehr gibt, was man ihnen anbieten kann. „Es gibt so viele weitere Menschen in Not, aber hier ist niemand, der helfen kann, wenn die Finanzierung ausbleibt."

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