Schwangere Frauen finden Hilfe in den Gesundheitseinrichtungen Südsudans
Galatia, 40, weiß nicht, wo sie ist, als die Wehen einsetzen. Sie ist seit Tagen durch die Nuba-Berge im Sudan gewandert, schwanger und mit sieben ihrer jüngsten Kinder im Schlepptau. Sie liefen auf schmalen Buschpfaden, auf der Flucht vor dem Krieg. „Ich hatte solche Angst, als ich spürte, dass mein Baby kam. Ich sah jemanden auf dem Weg vor mir, die ich um Hilfe bat“, erinnert sich Galatia. Miriam wird auf dem Boden der Hütte einer Fremden geboren. Es gab keine Klinik. Keine Hebamme. Kein sauberes Wasser. Als Galatia floh, hatte sie gehofft, rechtzeitig eine Gesundheitseinrichtung zu erreichen, aber sie wusste um das Risiko, im achten Monat schwanger zu fliehen. „Aber ich hatte keine andere Wahl. Ich dachte, ich würde unterwegs vielleicht Hilfe finden, aber es war niemand mehr da.“ Zu diesem Zeitpunkt war ihr Zuhause, das Dorf Angolo in den Nuba-Bergen im Sudan, bereits mehrfach angegriffen worden. Jeden Tag fallen dort Bomben und reißen Häuser und Felder in Stücke.

Nach der Geburt setzte eine Infektion ein. „Mein ganzer Körper schmerzte, und ich konnte mich kaum aus dem Bett bewegen“, sagt Galatia. Aber es war niemand da, der ihr die Medikamente oder die Behandlung geben konnte, die sie brauchte. „Ich blieb sieben Tage lang im Haus der Frau, die uns gerettet hatte. Ich war einfach so dankbar, dass zu dieser Zeit keine Bomben fielen und ich einfach atmen konnte. Ich betete, dass wir beide, meine Tochter und ich, das überleben würden.“ Sieben Tage später ging sie mit einer Neugeborenen im Arm fort. „Ich lebte von der Güte Fremder. Ich hatte kein Recht, länger zu bleiben. Die Familie hatte selbst zu kämpfen.“ Sie band sich ihr Neugeborenes auf die Brust und ging weiter. „Ich dachte ständig an meine Kinder und betete, dass am Ende alles gut werden würde. Ich hasste es, dass ich sie nicht in Sicherheit bringen konnte.“

Zu Hause war es unmöglich zu überleben
Sie mieden Hauptstraßen. Bewaffnete Überfälle waren an der Tagesordnung. Stattdessen bewegten sie sich auf Buschpfaden fort. Wenn es regnete, hielten sie an, um Wasser aus Pfützen zu schöpfen. „Ich würde es nicht als Wasser bezeichnen. Es war einfach etwas, das da war und uns am Leben hielt, auch wenn es uns alle krank machte. Das Wasser war voller Sand und hatte eine rote Farbe.“ Sie benutzte einen alten Ölkanister, um es zu schöpfen, und drückte die Öffnung an die Lippen ihrer Kinder. Hinter ihr blieb ihr Mann mit anderen Männern des Dorfes zurück, um ihr Zuhause zu verteidigen und den Familien Zeit zur Flucht zu verschaffen. Monate später wurde er erschossen. Nachbarn überbrachten die Nachricht. „Sie kamen hierher, als sie flohen. Mit Tränen in den Augen. Sie hatten die Kleidung meines Mannes dabei. Ich sagte den Kindern, dass er von Angreifern mitgenommen wurde und dass sie die Hoffnung nicht aufgeben sollten. Ich konnte ihnen einfach nicht die Wahrheit sagen. Sie erfuhren die Wahrheit erst nach einiger Zeit, als er immer noch nicht gekommen war, um uns zu suchen“, sagt Galatia.
Heute lebt Galatia in einer kleinen Siedlung, nur drei Kilometer von der Grenze zwischen dem Sudan und dem Südsudan entfernt. Um sie herum versammeln sich andere vertriebene Familien in einem Hof mit selbstgebauten Hütten. Die mittlerweile zweijährige Miriam sitzt auf ihrem Schoß und ahnt nicht, wie nah sie und ihre Mutter auf dem Weg in die Sicherheit dem Tod gekommen waren. Galatias Großeltern sortieren getrocknete Bohnen. „Meine Großeltern sind vor drei Tagen hier angekommen. Sie wollten Angolo zunächst nicht verlassen, da sie für diesen beschwerlichen Marsch zu alt sind. Aber der Konflikt hat es unmöglich gemacht, zu Hause zu überleben.“ Es ist nicht nur die Gewalt. Es kann nichts angebaut werden. Nahrung ist knapp. Ganze Gemeinden sind geflohen. Hier pflanzen sie die Bohnen in den trockenen Sand, der nicht der gute Ackerboden ist, den sie aus den Bergen gewohnt sind. Aber es reicht, um wenigstens eine Mahlzeit am Tag zu haben. „Wir kochen die Bohnen, mischen sie mit Wasser und essen eine sehr dünne Suppe.“

Galatia hat sich entschieden, nicht tiefer in den Südsudan vorzudringen. „Wir bleiben hier, weil wir zu erschöpft und zu verängstigt sind, um weiterzugehen. Ich kann das einfach nicht noch einmal machen, mit so vielen kleinen Kindern und meinen alten Großeltern“, sagt Galatia. Der Weg zur nächsten Stadt, Yida – wo es ein Transitzentrum gibt –, ist zu gefährlich. „Viele wurden bereits auf dieser Straße getötet.“ Einmal versuchte sie es allein, in der Hoffnung, Arbeit zu finden. Unterwegs brach eine Schießerei aus. Ein Junge wurde vor ihren Augen auf seinem Motorrad getötet. Auch der Fahrer ihres Lastwagens wurde erschossen. Sie überlebte nur, weil sie schnell genug durch das Gebüsch fliehen konnte. „Das passiert ein- oder zweimal im Monat. Ich habe zu viel Angst, meine Familie auf diesen Weg mitzunehmen“, sagt Galatia. Also bleiben sie.

Eine Gesundheitseinrichtung als Rettungsanker
In der Siedlung gibt es fast nichts. Keine Schulen. Keine organisierten Unterkünfte. Keine Lebensmittelverteilung. Keine Arbeitsplätze. Aber eines gibt es: eine kleine Gesundheitseinrichtung, die von CARE betrieben wird. „Die Gesundheitseinrichtung ist der Grund, warum wir hier überleben können. Ich weiß nicht, was wir ohne sie tun würden. Wir können nicht zurück, wir können nicht weiter. Wir sitzen hier fest.“ Die Einrichtung hilft Geflüchteten, Rückkehrer:innen und der lokalen Bevölkerung, wenn sie krank, zu schwach zum Weitergehen, unterernährt, verletzt oder schwanger sind. Ein Team aus Hebammen, Krankenschwestern, Apotheker:innen, Impfpersonal, Ernährungsberater:innen und Labortechniker:innen leistet hier direkt an der Grenze medizinische Hilfe. Auch Galatia und ihre Kinder wurden hier versorgt. „Ich hatte einmal Malaria, und sie haben mir geholfen und mir Medikamente gegeben. Auch als meine Kinder unterernährt waren, hat CARE uns geholfen, und sie haben überlebt. Letzte Woche hatte ich Typhus und wurde behandelt. Ich bin die Einzige, die für meine Kinder sorgt. Wenn ich sterbe, sind sie ganz auf sich allein gestellt“, sagt Galatia.

Im gesamten Sudan spiegelt die Situation ihre Geschichte in großem Maßstab wider. Die Gesundheitssysteme sind unter der Last des Konflikts zusammengebrochen. Krankenhäuser wurden zerstört. Medizinisches Personal ist geflohen oder wurde getötet. Schätzungsweise 17,1 Millionen Frauen und Mädchen benötigen derzeit humanitäre Hilfe. Darunter sind 1,1 Millionen schwangere Frauen. Mehr als 4,3 Millionen Frauen und Mädchen sind innerhalb des Sudans auf der Flucht, Millionen weitere sind über die Grenzen geflohen. Ohne Zugang zu medizinischer Versorgung bringen Frauen ihre Kinder zu Hause zwischen den Bomben, auf der Straße, unter Bäumen und im Gebüsch zur Welt. Die Risiken sind unmittelbar: Blutungen, Sepsis, Geburtsstillstand. Stress, Unterernährung und Vertreibung führen zudem zu einem Anstieg der Frühgeburten.
Todesfälle verhindern
In der CARE-Einrichtung nahe der Grenze herrschen einfache Bedingungen. Neben dem Hauptgebäude steht ein kleines graues Zelt: zwei mal zwei Meter groß. Darin befinden sich ein einziger Entbindungsstuhl, ein Tisch mit medizinischer Ausrüstung und einige Eimer für Wasser. Der Boden ist mit grüner Plastikfolie ausgelegt. Am Eingang hängt ein Moskitonetz zum Schutz. Während die Temperaturen draußen 38 °C erreichen, ist es drinnen noch viel heißer. „Die Sonne beschädigt das Zelt. Es steht kurz vor dem Einsturz“, sagt der klinische Mitarbeiter Peter. „Wir haben nicht die Kapazitäten für die Anzahl der Entbindungen, die wir hier haben. Letzte Woche haben fünf Frauen gleichzeitig in diesem kleinen Raum ihre Babys zur Welt gebracht. Unsere Hebammen und Krankenschwestern geben ihr Bestes mit den begrenzten Ressourcen, aber es ist sehr schwer für uns und für die Mütter.“

Die Gesundheitseinrichtung behandelt täglich etwa 30 bis 40 Patienten. Mütter, Schwangere, kranke, unterernährte Kinder und Menschen, die zu schwach sind, um weiter zu fliehen. „An manchen Tagen sind es viel mehr, je nach Wochentag oder je nachdem, wie viele Geflüchtete an diesem Tag die Grenze überqueren.“ Die Gesundheitseinrichtung ist der einzige Zugangspunkt für humanitäre Hilfe direkt an der Grenze in diesem Gebiet. Es sind keine anderen Hilfsorganisationen vor Ort. Daher ist diese Einrichtung für viele Menschen zur einzigen Lebensader geworden. Doch die Zeit ist begrenzt, da das Projekt nur bis Juni 2026 finanziert ist. Peter und sein Team hoffen jeden Tag, dass das Projekt verlängert wird oder dass rechtzeitig eine alternative Finanzierungsquelle gefunden werden kann. „Wenn dieses Programm eingestellt wird und die Mittel versiegen, werden wir viele Fälle sehen, in denen Mütter nach der Entbindung verbluten. Mit den Möglichkeiten, die wir hier haben, konnten wir bisher Todesfälle verhindern, und ich bete, dass wir weiterhin jede Mutter unterstützen können, die auf der Flucht vor diesem Krieg die Grenze überquert und Hilfe sucht.“
Mit Ihrer Spende helfen Sie, Frauen wie Galatia mit überlebenswichtiger medizinischer Versorgung zu erreichen!













































