Bonn, 12. August 2025. Seit September 2023 sind mehr als 2,43 Millionen Menschen ohne offizielle Papiere aus dem Iran und Pakistan nach Afghanistan zurückgekehrt; viele davon zwangsweise. In 2025 machen Frauen und Mädchen ein Drittel der Rückkehrenden aus dem Iran und rund die Hälfte aus Pakistan aus – viele von ihnen kommen in ein Land zurück, das sie nie zuvor betreten haben. Sie kommen ohne Zuhause, Einkommen oder Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung an.

„Diese junge Frau ist untröstlich, weil sie ihre Ausbildung nicht fortsetzen und keinen Lebensunterhalt verdienen kann“, berichtet Fathima*, psychosoziale Betreuerin bei CARE über eine Rückkehrerin. „Angst begleitet sie auf Schritt und Tritt. Angst, das Haus zu verlassen, Angst vor Belästigung oder Gewalt.“

Afghanistan steckt in einer Wirtschaftskrise und leidet unter wiederholten Klimakatastrophen. Laut einem neuen Bericht der Afghanistan Gender in Humanitarian Action Arbeitsgruppe (GiHA), die von UN Women und CARE International zusammen geleitet wird, sind zurückgekehrte Frauen und Mädchen besonders gefährdet. Ihre Alltagsperspektive ist jetzt: Armut, Frühehen, Gewalt, Ausbeutung und drastische Einschränkungen ihrer Rechte.

Eine Rückkehrerin, die anonym bleiben möchte, erklärte dem CARE-Team ihre Situation nach zehn Jahren im Iran: „Wenn ich noch im Iran wäre, würde ich jetzt in die 12. Klasse gehen, anschließend eine Ausbildung zur Schneiderin machen und meine Familie unterstützen können. Jetzt kann ich nicht einmal das Haus verlassen. Alle meine Träume sind geplatzt. Mein Leben ist so dunkel geworden.”

Der vorliegende Bericht zeigt die dringendsten Bedarfe auf:

  • Sichere, bezahlbare Unterkünfte, Einkommen und Zugang zu Bildung für Mädchen, der ihnen nun verwehrt ist. Nur 10 Prozent der von Frauen geführten Haushalte leben in dauerhaften Unterkünften, fast 40 Prozent fürchten Vertreibung.
  • Beseitigung der massiven Hürden beim Zugang zu humanitärer Hilfe, besonders für alleinstehende Frauen.
  • Humanitäre Helferinnen stehen den Frauen bislang an den Grenzen zur Seite. Sie unterstützen in kulturell angepasster Weise. Es braucht Gelder für ihre Arbeit, die durch Kürzungen der Auslandshilfe und Bewegungsbeschränkungen bedroht ist.

Die massiven Finanzkürzungen belasten die Arbeit humanitärer Organisationen und schränken die Unterstützung für die Rückkehrenden immens ein. An Grenzübergängen können Helfende nicht einmal mehr die Grundbedürfnisse der ankommenden Menschen decken.
Afghanistan befindet sich in einer der schwersten humanitären Krisen der Welt. Die jüngste Rückkehrwelle droht die Lage nun weiter zu verschärfen. CARE und Partner rufen die internationale Gemeinschaft auf, jetzt zu handeln, die Rechte afghanischer Frauen und Mädchen zu schützen und Gelder für die Helferinnen bereitzustellen, die täglich für sie im Einsatz sind.

*Aus rechtlichen Gründen und zum Schutz der Personen wurden die Namen geändert oder anonym zitiert. Alle Namen sind CARE bekannt.

Für Interviewanfragen zur aktuellen humanitären Lage, insbesondere von Frauen und Mädchen in Afghanistan, stehen englischsprachige Gesprächspartner:innen zur Verfügung, die wir gerne auf Anfrage vermitteln.
 

Medienkontakt

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