Eigentlich ist Laila [1] ein normales neunjähriges Mädchen. Sie lebt in einem kleinen Dorf im Osten Afghanistans, hat zwei Schwestern und zwei Brüder, lernt gerne und hat Träume. Ungewöhnlich ist allerdings, dass sie die meiste Zeit zu Hause ist. Ihr älterer Bruder geht noch zur Schule, Laila und ihre anderen Geschwister bleiben zu Hause. Laila hilft ihrer Mutter im Haushalt und unterstützt beim Kochen und Waschen, um irgendwie die Zeit totzuschlagen. Noch vor einiger Zeit sah ihr Alltag ganz anders aus. Laila besuchte einen gemeinschaftsbasierten Unterricht in der Nähe ihres Dorfes. Es war kein großes Schulgebäude, sondern ein einfacher Klassenraum innerhalb der Gemeinde, nah genug, damit die Kinder ihn erreichen konnten. „Ich habe Schreiben und Lesen gelernt und hatte sogar eigene Schulbücher“, erinnert sie sich.


Doch Laila geht es nicht nur um das Lernen. Sie hat Freundinnen gefunden, mit denen sie reden, spielen und toben konnte. Außerdem hatte Lailas Tag eine Struktur. Jeden Tag zur selben Zeit aufstehen, Ziele haben und ein Umfeld, das einen motiviert. Doch all das sind mittlerweile Erinnerungen an vergangene Zeiten. Der Unterricht musste eingestellt werden, weil die Finanzierung nicht mehr ausreicht. „Meine Bücher wurden eingesammelt und jetzt muss ich zu Hause bleiben“, erklärt Laila wehmütig.

Zwischen Armut und Ausschluss
In Afghanistan dürfen Mädchen keine formale Schulbildung über die 6. Klasse hinaus besuchen. Damit ist es weltweit das einzige Land, in dem Mädchen offiziell über die Grundschule hinaus vom Schulbesuch ausgeschlossen werden. Diese Einschränkung betrifft rund 2,2 Millionen heranwachsende Mädchen und hat langfristige Auswirkungen. Armut, Abhängigkeit und Gewalt sind die Folgen. Gemeinschaftsbasierter Unterricht kann hier ein Ausweg sein und macht Schule für Mädchen zwischen sechs und 15 Jahren überhaupt erreichbar. Besonders wichtig ist das auf Dörfern, wo die nächste öffentliche Schule kilometerweit entfernt ist und die Straßen schlecht ausgebaut sind. Ein strukturelles Problem in Afghanistan.


Armut zwingt Kinder dazu, im Haushalt oder in der Landwirtschaft helfen zu müssen. Für Mädchen ist es ein zusätzliches Problem, dass es keine Lehrerinnen gibt und viele Familien ihre Töchter nicht zu Lehrern schicken wollen. Gleichzeitig leidet auch die Qualität der Bildung. Ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften, fehlende Lehrmaterialien, schlechte Infrastruktur, Änderungen im Lehrplan, reduzierte Gehälter und unregelmäßige Zahlungen wirken sich negativ auf das gesamte System aus. Für ein Mädchen wie Laila kann jede dieser Hürden ein weiteres Stück Zukunft kosten.
Hoffnungen und Stillstand
Laila ist erst neun Jahre alt, aber sie weiß genau, was sie will. „Ich möchte zur Schule gehen, weil ich gebildet sein muss“, sagt sie. Auf die Frage, was sie später einmal werden möchte, zögert sie nicht: „Ärztin oder Lehrerin.“ Ihre Antwort zeigt, was Bildung in einem Dorf wie ihrem bedeuten kann. Als Lehrerin könnte sie andere Mädchen unterrichten und als Ärztin Frauen eine bessere Gesundheitsversorgung ermöglichen. Lesen und Schreiben zu lernen, wäre der erste Schritt auf diesem Weg und zu mehr Unabhängigkeit.

Im Moment allerdings wartet sie ab und ist gar nicht glücklich darüber, dass sie nicht mehr zur Schule gehen kann. Jeder Tag ist mit der Hoffnung verbunden, dass der Unterricht wieder beginnt und es endlich neue Dinge zu lernen gibt. Ein gemeinschaftsbasierter Unterricht löst nicht alle Probleme, mit denen Mädchen in Afghanistan konfrontiert sind, aber für Mädchen wie Laila macht er dennoch einen Unterschied. Er kann bedeuten, ein Buch in die Hand zu nehmen, statt wieder einen Tag zu Hause mit Hausarbeit zu verbringen. Freunde zu haben, statt allein zu sein. Eine kleine Chance, weiter zu lernen, während so viele Türen bereits verschlossen sind.
Mit Ihrer Spende unterstützen Sie Schulprojekte in Afghanistan und ermöglichen Mädchen wie Laila eine unabhängigere Zukunft!
[1] Name geändert.
Quellen
- UNESCO: Banned from education: a review of the right to education in Afghanistan, 2025
- OCHA: Afghanistan: Humanitarian Needs and Response Plan 2026, Dezember 2025


















