Zahra [1] sitzt neben ihrem sechs Monate alten Baby und streichelt behutsam seinen Bauch. Die beiden sind seit vier Tagen auf der Kinderstation eines Krankenhauses in Ghanzi, im Osten Afghanistans. „Wir mussten herkommen, weil mein Kleines Fieber, Erbrechen und Durchfall hatte. Ich habe mir große Sorgen gemacht, aber jetzt ist es besser. Viel besser“, erzählt Zahra mit einem erleichterten Lächeln auf den Lippen. Die beiden sind auf der Stabilisierungsstation für Kinder mit Mangelernährung. Oft sind die Kleinen schon Tage vorher krank, schwach und dehydriert. Hier werden sie engmaschig überwacht.

Mutter Zahra sitzt am Krankenbett ihres Kindes.

Neue Kraft für die Kleinsten

Die Klinik hat ein Einzugsgebiet von rund 33.000 Menschen aus der gesamten Provinz. Manche Familien legen über 100 Kilometer zurück, um hierherzukommen. CARE unterstützt das Krankenhaus. Jeden Tag kommen etwa 50 Kinder auf die Station. Rund zehn Prozent leiden an Mangelernährung, die meisten davon sind Mädchen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie die Kinder hier neue Kraft tanken können und mit wie viel Energie sie das Krankenhaus verlassen“, erzählt Fatima [2] stolz. Sie ist Krankenschwester auf der Station und verabreicht den Kindern spezielle Milch und Medikamente und achtet darauf, dass die Kleinen ausreichend trinken. Dabei hält sie sich strikt an einen Plan, den sie gemeinsam mit den Ärzt:innen auf das jeweilige Kind anpasst. Häufig bekommen die kleinen Patienten alle zwei Stunden spezielle Milch. Pro Tag bekommen sie dementsprechend 12 Mahlzeiten. Was vielleicht viel klingt, ist jedoch notwendig, um die Kinder wieder zu Kräften zu bringen.

Die Hebamme Fatima untersucht ein Baby, welches auf dem Arm seiner Mutter liegt.

Dabei ist nicht nur das immerzu präsente Gefühl eines leeren Magens das Problem. Kinder, die nicht genug zu essen haben oder sich einseitig ernähren, sind anfälliger für Krankheiten wie Durchfall oder Masern. Ihre körperliche und kognitive Leistungsfähigkeit wird stark eingeschränkt, in extremen Fällen geht es um das schiere Überleben. Und Zahra ist mit ihrem Baby kein Einzelfall. Schätzungen gehen davon aus, dass in diesem Jahr 3,7 Millionen Kinder in Afghanistan von Mangelernährung betroffen sein werden. Fast eine Million von ihnen schwer. Hinzu kommen rund 1,2 schwangere und stillende Frauen, die selbst nicht genug zu essen haben und damit nicht genug Milch produzieren können, um ihr Baby ausreichend zu versorgen.

Eine Frau steht an einem Medikamentenschrank mit Spezialnahrung für unterernährte Kinder.
Eine Frau hält die Hand eines kleinen Kindes.

Kliniken am Rande der Belastbarkeit

Für Zahra ist der Krankenhausaufenthalt nicht einfach. Sie hat noch zwei weitere kleine Kinder, die zu Hause auf sie warten. Während sie im Krankenhaus ist, kümmern sich Verwandte um die zwei. Trotzdem ist sie froh, hier zu sein: „Das Personal kümmert sich sehr liebevoll um die Kleinen. Hier ist alles verfügbar, spezielle Milch und Spritzen. Wir fühlen uns willkommen.“

Zwei Frauen saßen auf der Station für unterernährte Kinder am Krankenbett ihrer Kinder.

Das afghanische Gesundheitssystem steht unter enormem Druck. Nicht nur, weil zahlreiche Menschen nicht genügend zu essen haben, sondern auch, weil die Klimakrise in voller Härte spürbar ist und es eine große Zahl an Rückkehrenden aus Iran und Pakistan gibt. Kürzungen bei der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit erschweren die Situation zusätzlich, vor allem, weil ein Großteil der Krankenhäuser von NGOs betrieben wird. Nur 14,9 Prozent des humanitären Bedarfs sind finanziert. Weil öffentliche Gelder zurückgefahren werden, sind viele Einrichtungen auf Spenden angewiesen, die finanzielle Zukunft damit häufig ungewiss. Auch das Krankenhaus in Ghazni ist betroffen und musste schon einmal für zwei Monate schließen. Krankenschwester Fatima erinnert sich noch gut an diese Zeit: „Familien kamen trotzdem hierher, aber wir konnten nicht helfen. Wir mussten die Familien dann weiterschicken, wodurch diese wertvolle Zeit verloren haben. Zeit, die die Kinder nicht immer haben. Einige von ihnen haben es nicht geschafft.“ Fatima hofft deshalb auf einen Ausbau der Versorgungsstrukturen: „Nur so können wir Menschen helfen und sie versorgen“, fügt sie nachdenklich hinzu.

Hebamme Fatima sitzt an einem Tisch und macht sich Notizen.

Zahra beobachtet unterdessen kleine Zeichen der Besserung bei ihrem Baby. Das Fieber geht runter, das Erbrechen hört langsam auf und auch kleine Reaktionen auf die Außenwelt sind zu beobachten. Wenn das Kind weiter gute Fortschritte macht, können die beiden schon bald nach Hause zurückkehren, wo die zwei großen Geschwister warten.

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[1] Name geändert.
[2] Name geändert.

Quellen

  • OCHA: Afghanistan: Humanitarian Needs and Response Plan 2026, Dezember 2025
  • WHO: Afghanistan: WHO's Health Emergency Appeal 2026, Februar 2026