Im Jemen bildet die Landwirtschaft für viele Menschen die Lebensgrundlage. Sie ernähren sich von ihrer Ernte und können gleichzeitig durch den Verkauf von Obst und Gemüse Geld verdienen. Doch anhaltende Konflikte und insbesondere die Auswirkungen des Klimawandels haben dazu geführt, dass viele Familien kaum noch genug ernten konnten, um sich selbst zu versorgen.
 
Die 42-jährige A’idah kennt dieses Problem. Seit dem Tod ihres Mannes muss sie ihre fünf Kinder allein versorgen. Die Landwirtschaft ist ihre einzige Einkommensquelle. „Lange Zeit habe ich wie meine Großeltern angebaut. Ich habe mir nie Gedanken darüber gemacht, was genau ich da tue. Es war harte körperliche Arbeit, welche nur geringe Erträge brachte“, erzählt A’idah. Minderwertiges Saatgut, hoher Wasserverbrauch und chemische Pestizide verschlimmerten die Situation. Den größten negativen Einfluss hatte jedoch die Klimakrise: Dürren und plötzliche Sturzfluten haben den fruchtbaren Boden erst ausgetrocknet und dann weggespült. Eine Entwicklung, die seit Langem in der ganzen Region zu beobachten ist. 

Eine Frau hält eine Kiste mit ihrer Ernte in der Hand.
Die 42-jährige A’idah kann sich mittlerweile über ihre Ernteerträge freuen.

Die Farmer Field and Business Schools öffnen ein neues Kapitel

Um Landwirtinnen und Landwirte widerstandsfähiger zu machen, hat CARE Farmer Field and Business School (FFBS) ins Leben gerufen. Dabei lernt A’idah mit rund 50 weiteren Teilnehmer:innen, wie sie trotz der klimatischen Veränderungen erfolgreich Landwirtschaft betreiben kann.  

Frauen gehen hintereinander und tragen Körbe.
Ein Gruppenfoto von Projektteilnehmenden.

Lokale Kursleiter:innen begleiten kleine Gruppen und bringen den Teilnehmer:innen praktische Tipps bei. Ein wichtiger Teil ist beispielsweise die Methode der Tröpfchenbewässerung. So wird das wenige Wasser, welches zur Verfügung steht, effizienter genutzt. Auch die Schädlingsbekämpfung ist Thema. Gegen Pilzbefall oder andere Ungeziefer geht A’idah nun mit Knoblauch, Chili, Zimt oder Asche vor. Auch die richtige Lagerung der Ernte ist ein Thema. „Früher sind unsere Kartoffeln nach einer Woche schlecht geworden. Jetzt halten sie zwei Wochen oder länger“, erzählt A’idah glücklich. 

Drohnenaufnahmen zeigen ein Feld im Jemen.
Folie schützt die kleinen Setzlinge. Schwarze Plastikrohre werden über das Feld verteilt, um dieses durch Tröpfchen zu bewässern.

Zudem werden in Dörfern Regenwasserrückhaltebecken gebaut. Diese sind einfach und günstig zu installieren und haben sich als echte Gamechanger erwiesen. Der Oberflächenabfluss wird deutlich verringert, was die Bodenerosion verlangsamt. So wird die Feuchtigkeit im Boden erhalten, und die Pflanzen haben ausreichend Wasser zum Wachsen. 

Eine Frauengruppe erntet auf einem Feld.
Eine Frau pflanzt durch eine Folie Erdbeeren.
Eine Frau arbeitet auf einem Feld.

Eine neue Rolle für Frauen

Doch bei den Schulungen geht es um viel mehr als nur Landwirtschaft. Ein besonders wichtiger Aspekt ist die Stärkung der Frauen in der Region. Die Schulungen tragen im wahrsten Sinne des Wortes Früchte: Viele der Teilnehmerinnen übernehmen zunehmend Führungsrollen in ihren Gemeinschaften. So haben sich beispielsweise sechs Frauen zusammengeschlossen, um ein lokales Marketingkomitee zu gründen und Landwirtschaftsmessen zu organisieren. Auf den Messen werden die neuen Anbaumethoden vorgestellt und lokale Produkte verkauft. Die Messen sind damit nicht nur aus ökonomischer Sicht ein Erfolg, sondern auch ein Signal an die Region, dass Frauen zentrale Akteurinnen sind, wenn es um wirtschaftliche und soziale Entwicklung geht.

Regenrückhaltebecken fangen Starkregen ab, sammeln das Wasser und stellen es zur Verfügung, wenn es benötigt wird. Gewächshäuser schützen die Pflanzen vor der Witterung.

Auch die dreifache Mutter A’idah nimmt diese Veränderungen wahr: „Früher hatten Frauen wie ich nichts zu sagen. Wir haben getan, was die Männer uns gesagt haben. Jetzt kann ich mich äußern, Entscheidungen treffen und sogar auf dem Markt verhandeln“, sagt die dreifache Mutter stolz. Dieses Projekt hat meine persönlichen Stärken zum Vorschein gebracht und mir den Mut gegeben, mich einzubringen. Mit 42 Jahren habe ich endlich das Gefühl, meine Zukunft selbst gestalten zu können.“

Ein Mann wiegt eine Tüte mit CARE-Logo.
Mehrere Frauen sitzen auf dem Boden.
Mehrere Frauen sitzen in einem Stuhlkreis.

Ein Gewächshaus für die ganze Familie

A’idah sieht positiv in die Zukunft und hat große Ziele. Sie hofft, dass sie durch den Erwerb von Gewächshäusern für den Anbau von Tomaten und anderen hochwertigen Pflanzen noch erfolgreicher werden kann. „Ich träume davon, ein Gewächshaus zu haben, in dem ich anbauen, meine Produkte verkaufen und meinen Kindern ein besseres Leben bieten kann“, sagt sie voller Zuversicht.

Mit Ihrer Spende unterstützen Sie unsere CARE-Projekte, bei denen Frauen gestärkt werden und Klimaresilienz gefördert wird. 

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