In Basra steigen die Temperaturen im Sommer regelmäßig auf über 50 Grad Celsius. Für viele Frauen, insbesondere für Schwangere und Mütter kleiner Kinder, stellen die extremen Hitzewellen eine erhebliche Belastung dar. Sie beeinträchtigen ihre Gesundheit, erschweren den Alltag und den Zugang zu medizinischer Versorgung.

Sarah Yasin arbeitet an ihrem Schreibtisch

Sarah Yasin, Gesundheitsfachkraft in der Schwangerschaftsbetreuung eines Zentrums für primäre Gesundheitsversorgung in Basra, erlebt hautnah, wie sich klimatische Belastungen mit sozialen und gesundheitlichen Herausforderungen überschneiden. „Viele schwangere Frauen kommen mit niedrigem Blutdruck und Beschwerden, die durch die Hitze verstärkt werden“, erklärt Sarah. „Wir raten ihnen, sich vor der Hitze zu schützen, denn sie kann sowohl die Mutter als auch das ungeborene Kind beeinträchtigen. Die Hitze hat deutlich zugenommen. Früher wurden solche Werte nicht erreicht. Der Mangel an Niederschlägen und der Rückgang der Grünflächen verschlimmern die Situation noch.“

Nach der Teilnahme an einer Fachschulung zu Müttergesundheit und hitzebedingten Risiken fühlt sich Sarah heute besser darauf vorbereitet, Patientinnen zu unterstützen.

„Wir haben gelernt, wie wir auf Stromausfälle reagieren und wie man hohe Arbeitsbelastungen bei extremer Hitze mit einfachen Maßnahmen verringern kann, etwa durch eine bessere Belüftung, das Öffnen von Türen und Fenstern oder indem wir die Menschen dazu auffordern, ausreichend Wasser zu trinken. Ich würde die Schulung auf jeden Fall anderen Kolleginnen und Kollegen empfehlen.“

Sarah Yasin mit einer Patientin.

Wenn extreme Hitze zum Gesundheitsrisiko wird

Auch Marwa Hayman, eine Kollegin von Sarah, beobachtet, dass steigende Temperaturen die Gesundheitsrisiken erhöhen, insbesondere für Schwangere sowie Mütter mit kleinen Kindern, die gleichzeitig die täglichen Haushaltsaufgaben erledigen.

Marwa arbeitet an ihrem Schreibtisch.

Im Gesundheitszentrum begegnet Marwa regelmäßig Frauen, deren Beschwerden sich ihrer Einschätzung nach durch die anhaltende extreme Hitze verschärfen. „Wir sehen Fälle von Dehydrierung, Erschöpfung sowie niedrigem als auch hohem Blutdruck“, erklärt sie. „Viele Frauen verbringen viele Stunden damit, sich um große Familien zu kümmern und den Haushalt zu führen, oft in schlecht belüfteten Wohnungen und unter extremer Hitze. In Verbindung mit häufigen Schwangerschaften und begrenzten Möglichkeiten zur Erholung kann das ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden erheblich beeinträchtigen.“

Jeder Sommertag eine Belastungsprobe

Für Taysir Salim* (Name geändert), eine 35-jährige Mutter von vier Kindern, stellt jeder Sommer eine besondere Herausforderung dar. Bereits im Alter von 20 Jahren heiratete sie und hatte keine Möglichkeit, ihre Ausbildung abzuschließen. Ihr gesamtes Leben verbrachte sie in Basra, wo sie sich vor allem um ihre Familie kümmert. Ihr Mann ist arbeitslos und leidet an Diabetes. „Selbst einfache Dinge wie das Putzen der Wohnung oder das Kochen werden im Sommer schwierig“, erzählt Taysir. „Wir haben nur eine Klimaanlage in der Wohnung. Fällt der Strom für zwei Stunden oder länger aus, sind wir der extremen Hitze schutzlos ausgeliefert.“

Die Folgen spürt ihre Familie immer wieder deutlich. Sie erinnert sich an den Tag, an dem ihre Tochter ohnmächtig wurde, als sie an einem besonders heißen Nachmittag auf dem Markt einkaufen waren. „Ich glaube, jeder in Basra hat schon einmal gesundheitliche Probleme wegen der Hitze erlebt“, sagt Taysir. Um damit zurechtzukommen, richtet sie ihren Tagesablauf nach der Temperatur aus. Sie erledigt die Hausarbeit früh am Morgen und vermeidet unnötige Ausflüge nach draußen.

Panoramaaufnahme von Basra im Irak.
In Basra steigen die Temperaturen im Sommer regelmäßig auf über 50 Grad Celsius.

Besonders hilfreich war für sie die Teilnahme an einer Aufklärungsveranstaltung zur Müttergesundheit und zu hitzebedingten Risiken. „Ich habe gelernt, wie ich mich und meine Kinder besser schützen kann“, erklärt sie. „Jetzt achte ich darauf, dass wir genug Wasser trinken, Sonnenschirme benutzen, wenn wir nach draußen gehen, und die heißesten Stunden des Tages meiden.“ Für Taysir vermitteln diese Veranstaltungen praktisches Wissen für Gemeinden, die mit immer intensiverer Hitze zu kämpfen haben.

Ghufran und Muamal bei Hausbesuch.

Informationen von Tür zu Tür

Hinter den Aufklärungsveranstaltungen steht ein Team aus acht Gesundheitshelfer:innen, das Haushalte und Gesundheitszentren in ganz Basra besucht. Dort sprechen sie mit Frauen und Männern über Müttergesundheit, Familienplanung, Stillen sowie über die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze. „Wir wurden intensiv zu Gesundheitsthemen geschult und haben viel über die Risiken extremer Hitze gelernt“, erzählt Gesundheitshelfer und Teamleiter Muamal. „Es ist ein gutes Gefühl, wenn Menschen uns sagen, dass sie etwas Neues gelernt haben – vor allem, wenn dieses Wissen ihr Leben verbessern kann.“

Bei ihren Hausbesuchen begegnen die Gesundheitshelfer:innen häufig Familien, die nur eingeschränkten Zugang zu Gesundheitsinformationen haben. Manche Frauen kennen die Möglichkeiten der Familienplanung nicht, andere beenden das Stillen frühzeitig, weil sie glauben, Säuglingsnahrung lasse Babys schneller wachsen. „Wir erklären die Vorteile des Stillens und der Familienplanung“, sagt Muamal. „Viele Frauen sagen uns anschließend, dass sie vorhaben, einige ihrer Gewohnheiten zu ändern, weil sie die gesundheitlichen Vorteile nun besser verstehen.“

Portraitfoto von Gesundheitshelferin Ghufran

Muamal, der zugleich auch Umweltingenieur ist, liegt diese Arbeit besonders am Herzen. „Als Umweltingenieur hatte ich das Gefühl, dass sich meine Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft angesichts der ökologischen und gesundheitlichen Herausforderungen, mit denen die Menschen konfrontiert sind, verdoppelt hat. Die Entscheidung, im Bereich Umwelt- und Gesundheitsaufklärung zu arbeiten, war eine der besten meiner beruflichen Laufbahn.“

Auch die Gesundheitshelferin Ghufran erlebt immer wieder, wie die Gespräche das Leben der Menschen verändern. „Als Mutter habe ich selbst erfahren, wie ein größerer Abstand zwischen den Schwangerschaften Frauen die Zeit gibt, sich körperlich und emotional zu erholen“, sagt sie. 

„Dadurch können Eltern jedem Kind mehr Aufmerksamkeit und Fürsorge schenken, und der Familienalltag wird deutlich leichter zu bewältigen.“

Diese Botschaften erreichen Frauen wie Amina Yousuf (Name geändert), die an Veranstaltungen in ihrem örtlichen Zentrum für primäre Gesundheitsversorgung teilgenommen hat. „Diese Themen sind sehr nützlich“, sagt sie. „Mir ist jetzt viel bewusster, welche Auswirkungen extreme Hitze auf Frauen haben kann, insbesondere während der Schwangerschaft.“

Klimaangepasste Gesundheitsversorgung

Die Aufklärungsarbeit ist Teil der zweiten Phase des „Mother Care Project“ von CARE Irak („Protecting Maternal Health and Promoting Informed Adaptation“), das in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium in Basra umgesetzt wird.

Dr. Mustafa im Gespraech mit einer Patientin

Das Projekt verbindet die Sensibilisierung der Bevölkerung mit der Unterstützung von Gesundheitspersonal und trägt dazu bei, das Bewusstsein für die Auswirkungen klimabedingter Risiken auf die Gesundheit von Müttern zu stärken. Frauen, Familien und Gesundheitsfachkräfte erhalten praxisnahe Informationen, damit sie in ihren Gemeinden gesundheitliche Folgen extremer Hitze besser erkennen, ihnen vorbeugen und angemessen darauf reagieren können.

Dr. Mustafa, Leiter des Gesundheitszentrums Shatt Al-Arab, sieht die positiven Ergebnisse bereits: „Die Schulungen und die Unterstützung für unser Gesundheitszentrum haben die Kompetenzen unserer Mitarbeiter erheblich gestärkt und die Qualität der Dienstleistungen für die Bürger:innen verbessert. Die Sensibilisierungsmaßnahmen zu Klima- und Gesundheitsherausforderungen tragen dazu bei, eine Gemeinschaft aufzubauen, die besser auf diese Risiken vorbereitet ist.

Bitte unterstützen Sie diese wichtige Arbeit mit Ihrer Spende. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Frauen, Mütter und Kinder auch unter extremen Bedingungen gesund und sicher bleiben.

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