Corona schränkt Rechte von Frauen und Mädchen in Somalia weiterhin ein 

Berlin, 4. Februar 2022. In Somalia sind Mädchen zum Zeitpunkt einer Genitalverstümmelung immer jünger. Eine neue Umfrage der Nationalen Statistikbehörde von Somalia zeigt innerhalb eines Jahres einen Anstieg von rund 17 Prozent der Durchführung von Genitalverstümmelung bei Mädchen zwischen fünf und neun Jahren. In dieser Altersklasse werden inzwischen 88 Prozent der Mädchen beschnitten. Die internationale Hilfsorganisation CARE fordert die somalische Regierung dazu auf, sich endlich gemeinsam für die Abschaffung von Genitalverstümmelung einzusetzen. Ein neu verabschiedetes Gesetz zum Schutz von Kindern vor Missbrauch und Vernachlässigung in der selbsterklärten autonomen Republik Somaliland sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, es müsse aber im ganzen Land weit mehr unternommen werden, um diese unmenschliche Praxis zu beenden. Ein Gesetzesentwurf liegt aktuell dem Kabinett vor, zur Durchsetzung braucht es aber die Unterstützung religiöser und gesellschaftlicher Wortführer.

„Viele Frauen und Mädchen geraten zunehmend unter Druck, sich noch früher einer Genitalbeschneidung zu unterziehen und früher zu heiraten. Die COVID-19-Pandemie schränkt ihre Rechte und ihre Selbstbestimmung weiterhin stark ein: Mädchen können nicht zur Schule gehen und erhalten kaum Aufklärung und medizinische Unterstützung für ihre reproduktive Gesundheit“, erklärt Abdullahi Iman, CARE-Länderdirektor in Somalia. „2021 schockierten Berichte über ein 13-jähriges Mädchen, das an den Folgen einer Genitalverstümmelung starb. Es gibt mit Sicherheit weitere Fälle, allerdings werden diese selten gemeldet.“

In Somalia trägt weibliche Genitalverstümmelung zu einer der höchsten Müttersterblichkeitsraten weltweit bei – mit 692 Todesfälle bei 100.000 Geburten. Um Todesfälle zu verhindern, muss es gelingen, dass junge Frauen ihr erstes Kind nicht zu früh bekommen. Gleichzeitig braucht es eine bessere medizinische Versorgung sowie ein strenges Verbot der Genitalverstümmelung, die häufig zu tödlichen Komplikationen rund um die Geburt führt. 

„Wenn wir Mütter, Väter und ältere Menschen aufklären, hören uns manche zu, andere sagen, ihr seid doch junge Mädchen, warum wollt ihr uns etwas erzählen? Aber wir machen weiter mit unserer Arbeit und der Aufklärung, weil wir das Recht haben, über dieses Thema zu sprechen und selbst Entscheidungen zu treffen“, erzählt Jaweira Shuab, ein Mädchen, das an einer von rund 2.000 Schulungen von CARE zur Beendigung von Genitalverstümmelung teilgenommen hat. 

CARE arbeitet mit Mädchen und Gemeinden in Somaliland, Puntland und in Galmudug zusammen, um Genitalverstümmelung zu stoppen und ein stärkeres Bewusstsein für die Rechte von Mädchen und Frauen zu schaffen. Frauen und Mädchen werden über Rechte informiert und darin ausgebildet, sich gegenseitig zu unterstützen und sich gegen Genitalverstümmelung einzusetzen. 

Medienkontakt

Portraitfoto von Medienreferentin Ninja Taprogge.