Millionen Menschen ohne Versorgung – Hungersnot droht
Mogadischu/Bonn, 16. Juni 2026. In Somalia verschärft sich die humanitäre Lage dramatisch: Aufgrund massiver Finanzierungslücken sind landesweit hunderte Gesundheitszentren geschlossen worden. Millionen Menschen, insbesondere schwangere Frauen, stillende Mütter und Kinder, haben damit keinen Zugang mehr zu lebenswichtiger medizinischer Versorgung. Währenddessen droht angesichts anhaltender Dürre zudem eine Hungersnot.
Seit Januar 2026 wurden nahezu 50 von CARE unterstützte Gesundheits- und Ernährungszentren in den Regionen Puntland, Somaliland, Galmudug und Lower Juba geschlossen. Insgesamt haben landesweit rund 500 Einrichtungen zur primären Gesundheitsversorgung ihren Betrieb eingestellt. Gleichzeitig sind nach aktuellen Angaben fast zwei Millionen Kinder akut mangelernährt, knapp 500.000 davon befinden sich in einem lebensbedrohlichen Zustand. Vor den Schließungen versorgte CARE gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen monatlich tausende schwangere Frauen und Kinder. Zum Angebot gehörten unter anderem die Behandlung von Mangelernährung, medizinische Betreuung während Schwangerschaft und Geburt sowie grundlegende Gesundheitsdienste.
Gesundheitsversorgung vor komplettem Zusammenbruch
„In Galmudug ist die Lage katastrophal. Mittelkürzungen haben alleine hier zur Schließung von elf Gesundheitszentren geführt, darunter auch mobile Kliniken. Gleichzeitig wurden auch Bargeldhilfen und Wasserprogramme eingestellt“, erklärt Abdikadir Ore, humanitärer Koordinator von CARE in Somalia. „Familien haben nun weder Zugang zu Gesundheitsversorgung noch zu sauberem Wasser oder ausreichend Nahrung. Mit gravierenden Folgen: Mütter müssen tatenlos zusehen, wie ihre Kinder immer schwächer werden. Schwangere Frauen haben keine Anlaufstellen mehr. Vermeidbare Krankheiten wie Cholera, Masern und Diphtherie breiten sich aus. Das ist kein schleichender Prozess, sondern ein kompletter Zusammenbruch.“
In der Stadt Kismayo berichten Pflegekräfte von CARE und Partnerorganisationen von einem starken Zustrom schwangerer Frauen. Viele von ihnen kommen völlig erschöpft und dehydriert in den verbliebenen Einrichtungen an. Auf der Suche nach medizinischer Versorgung waren zahlreiche Betroffene tagelang ohne Essen und Wasser unterwegs.
Konflikte und Lieferkettenkrise treiben Preise in die Höhe
Rund sechs Millionen Menschen in Somalia sind von akuter Ernährungsunsicherheit betroffen. Die Krise wird durch Konflikte, Klimaschocks, Vertreibung, wirtschaftliche Instabilität und massive Mittelkürzungen angetrieben. Ein zwischen Juni und Juli erwartetes El-Niño-Ereignis sowie mögliche Überschwemmungen könnten die Lage weiter verschärfen.
Gleichzeitig treiben globale Lieferkettenstörungen, unter anderem infolge der Schließung der Straße von Hormus, die Kosten für Lebensmittel, Treibstoff und Hilfsgüter weiter in die Höhe. In manchen Regionen sind die Preise für Trinkwasser um bis zu 300 Prozent gestiegen, da für die Förderung und Verteilung Benzin benötigt wird. Auch lebensrettende Hilfsmittel werden teurer: Ein Karton therapeutischer Milch zur Behandlung schwerer Mangelernährung bei Kindern kostete 2024 noch 139 US-Dollar, 2026 bereits 200 US-Dollar – ein Anstieg von rund 44 Prozent in nur zwei Jahren.
CARE fordert mehr Mittel für humanitäre Hilfe
„Die Hungerkrise in Somalia zwingt Familien zu unmöglichen Entscheidungen: Mütter müssen wählen, welches ihrer Kinder heute etwas zu essen bekommt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben“, warnt Ummy Dubow, CARE‑Länderdirektorin in Somalia. „Bis eine Hungersnot offiziell ausgerufen wird, wird es für viele Kinder bereits zu spät sein.“ Gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen stellt CARE Bargeldhilfen, Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe und Schutzleistungen bereit. Ohne zusätzliche finanzielle Mittel drohen jedoch weitere Einschnitte. Die Organisation fordert daher eine sofortige und deutliche Aufstockung der humanitären Hilfe.
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