Bonn/Mogadischu, 5. Oktober 2026 – Angesichts steigender humanitärer Bedarfe und sinkender Hilfsgelder droht ein Super-El-Niño die humanitäre Situation in Somalia weiter zu verschlimmern, mahnt die internationale Hilfsorganisation CARE. Überschwemmungen, die Ausbreitung von Krankheiten und neue Vertreibungen würden vor allem jene Menschen treffen, die bereits jetzt am Rand ihrer Belastungsgrenze stehen. „Somalias Mütter kämpfen ums Überleben ihrer Familien: Sie tun alles, um ihre Kinder zu ernähren, gleichzeitig fürchten sie jetzt die drohenden Überschwemmungen“, sagt Ummy Dubow, Landesdirektorin von CARE Somalia. „Der Hunger nimmt zu, die Hilfe schwindet, und Frauen und Kindern bleiben immer weniger Möglichkeiten, die Folgen der Krise zu bewältigen.“

Während der somalischen Deyr-Regenzeit von Oktober bis Dezember wird ein starkes El-Niño-Ereignis in Form überdurchschnittlicher Niederschläge erwartet. Schwere Überschwemmungen können dann Ernten und Infrastruktur beschädigen, Märkte lahmlegen, Wasserquellen verunreinigen, das Risiko für die Ausbreitung von Krankheiten erhöhen und eine große Zahl von Menschen vertreiben. Der aktuelle IPC-Bericht (Integrated Food Security Phase Classification) bestätigt, dass sich die Ernährungssituation in ganz Somalia weiter verschärfen wird. Gleichzeitig schwinden die humanitären Finanzmittel. Die Zahl der Menschen, die Nahrungsmittelhilfe erhalten, hat sich zwischen Januar und Juni 2026 fast halbiert.

Auch die medizinische Versorgung bricht vielerorts weg. „Wir sind gezwungen, lebensrettende Gesundheitszentren zu schließen – nicht, weil der Bedarf verschwunden ist, sondern weil die finanziellen Mittel fehlen“, berichtet Ummy Dubow. „Wenn diese Einrichtungen gerade zu Beginn der Regenzeit ihre Türen schließen, werden die Folgen in Menschenleben gemessen werden. Das Zeitfenster zum Handeln schließt sich rasch.“ Zwischen März und August 2026 wurden 15.505 akut unterernährte Kinder in von CARE und lokalen Partnerorganisationen unterstützten Gesundheitseinrichtungen in ganz Somalia behandelt. Aufgrund von Finanzierungsengpässen werden jedoch voraussichtlich nur sechs der 75 von CARE und Partnern unterstützten Gesundheitseinrichtungen ab jetzt im Oktober weiterbetrieben werden können. CARE fordert eine sofortige und erhebliche Aufstockung der humanitären Mittel. Ohne schnelle Hilfsmaßnahmen werden Millionen von Frauen, Kindern und Familien zunehmend den Folgen von Hunger, Unterernährung, Vertreibung und dem Risiko von Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt ausgesetzt sein.

So hilft CARE: CARE ist seit 1981 in Somalia tätig und unterstützt Gemeinschaften, die von Konflikten, Extremwetter, Vertreibung und Armut betroffen sind. In Zusammenarbeit mit lokalen Partnern, Behörden und Gemeinden leistet CARE Bargeldhilfe, Gesundheitsversorgung, Ernährungshilfe und Schutzmaßnahmen wie sichere Räume für Frauen und Mädchen, psychosoziale Unterstützung sowie Hilfe für Überlebende geschlechtsspezifischer Gewalt.