Was ist eine Zwangsheirat?

Eheschließung wider Willen 

Eine Zwangsheirat ist eine Eheschließung, die gegen den Willen mindestens einer der beiden beteiligten Personen geschieht. Fast immer sind es Frauen und Mädchen unter 18 Jahren, die verheiratet werden. Aber auch Jungen und Männer sind von Zwangsverheiratung betroffen. In der Regel sind sie aber zum Zeitpunkt der Verheiratung viel älter. Außerdem haben die betroffenen Jungen und Männer in einer Zwangsehe oftmals mehr Freiheiten als Mädchen und Frauen. Neben der Zwangsehe gibt es noch der Begriff Kinderheirat. Damit sind Frühehen gemeint, in denen mindestens ein Partner noch nicht volljährig ist. Im Rahmen der Nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) der Vereinten Nationen hat es sich die internationale Staatengemeinschaft zum Ziel gesetzt, diese Praxis bis 2030 zu beenden.

So häufig ist Zwangsheirat

Zwangsverheiratung ist ein schwerwiegendes Problem, das in vielen Teilen der Welt vorkommt. Es ist jedoch schwierig, genaue Zahlen darüber zu finden, wie viele Menschen jedes Jahr zwangsverheiratet werden, da es oft unter Berichterstattung und Unterregistrierung leidet. Die Vereinten Nationen schätzen jedoch, dass weltweit etwa 12 Millionen Mädchen jedes Jahr zwangsverheiratet werden. Es wird jedoch angenommen, dass die tatsächliche Anzahl viel höher sein könnte, da viele Fälle nicht gemeldet oder dokumentiert werden. 

Zwangsheirat bedeutet, dass ein Mädchen ihrer Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben beraubt wird. Denn die Zwangsheirat bedeutet für sie zudem meist auch das Ende ihrer Schuldbildung. Stattdessen gebären sie oft schon in sehr jungem Alter Kinder, oft nicht ohne Komplikationen und Gefahren für Mutter und Kind. Ein Ausbrechen aus diesem Teufelskreis der Abhängigkeit und Benachteiligung innerhalb einer Zwangsehe ist für junge Frauen und Mädchen ohne Hilfe von außen in der Regel nicht möglich. 

Es ist auch wichtig zu beachten, dass Jungen und Männer auch Opfer von Zwangsehen sein können, obwohl Frauen und Mädchen weltweit am häufigsten betroffen sind. Es gibt keine genauen Schätzungen darüber, wie viele Männer von Zwangsehen betroffen sind, aber es ist ein wichtiges Thema, über das diskutiert werden muss.

250Mio.
So viele Mädchen sind zum Zeitpunkt der erzwungenen Eheschließung nicht älter als 15 Jahre.
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Wo gibt es Zwangsheirat?

In vielen Ländern werden Eheschließungen erzwungen

Auf der ganzen Welt gibt es Minderjährige, die Opfer von Zwangsehen werden. Besonders in Ländern, in denen Kinder in Bezug auf Bildung und Wahrnehmung ihrer Rechte benachteiligt sind, kommen Zwangsehen vermehrt vor. Oft sind es sehr patriarchalisch geprägte Familienstrukturen, in denen in erster Linie Mädchen und junge Frauen, aber auch junge Männer gegen ihren Willen mit – zumeist fremden – Partnern verheiratet werden. 

In Südasien und Afrika südlich der Sahara lebt der höchste Anteil an Mädchen, die ohne Zustimmung noch vor ihrer Volljährigkeit verheiratet werden. So werden beispielsweise in Malawi Mädchen häufig schon mit zwölf oder 13 Jahren verheiratet. „Vows of Poverty“ eine von CARE in Auftrag gegebene Studie zu Zwangsheirat, zeigt, dass in allein 26 Ländern eine Zwangsehe für Mädchen wahrscheinlicher ist als ein weiterführender Schulbesuch. Auf dieser Liste stehen Tansania, Afghanistan, Sierra Leone, Elfenbeinküste, Madagaskar, Äquatorialguinea, Bangladesch, Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau, Eritrea, Uganda, Nigeria, Malawi, Libyen, Mali, Angola, Guinea, Äthiopien, Mosambik, Burkina Faso, Somalia, Südsudan, Zentralafrikanische Republik, Tschad und Niger.

Zwangsverheiratungen kommt aber nicht nur in Ländern des Globalen Südens vor. Auch in Ländern wie Ungarn, Rumänien, Serbien und der Türkei finden mit der Zustimmung der Eltern Verheiratungen von minderjährigen Kindern statt. In Deutschland sind vor allem Mädchen und Frauen mit Migrationshintergrund von Zwangsheirat betroffen. Die genaue Zahl lässt sich nur schwer ermitteln.  

Warum werden Frauen und Mädchen zwangsverheiratet?

Asha und ihre Tochter befüllen Wasserkanister.

Armut verstärkt Zwangsehen

Die Motive, die einer Zwangsverheiratung zugrunde liegen, sind vielfältig. Oft spielt Geld eine wichtige Rolle: Armut ist ein erheblicher Risikofaktor für Betroffene. Die Eltern der Frauen und Mädchen erhalten in manchen Regionen mit der Verheiratung oft eine hohe Mitgift, die über einen langen Zeitraum das Überleben der Familie sichern kann. 

Neben finanziellen Gründen werden Frauen und Mädchen manchmal auch zur vermeintlichen Wahrung ihrer eigenen Sicherheit verheiratet. Das tritt vor allem in Fluchtszenarien auf: Mit einem Ehemann haben sie eine Person, die für ihre Sicherheit sorgt, wenn sie fliehen müssen. So denken ihre Familien, dass sie ihre Töchter dadurch vor (sexualisierter) Gewalt schützen und glauben, dass sie in einer Ehe sicherer sind.

Ein Mädchen aus Bangladesch, im Hintergrund stehen junge Männer

Umfeld und vermeintlicher Schutz

Viele Eltern wollen durch die Zwangsverheiratung ihrer Kinder auch sicherstellen, dass beispielsweise ihre Tochter einen Mann aus demselben kulturellen, sozialen, religiösen und/oder ethnischen Umfeld heiratet. Auch das Ansehen der Familien spielt dabei eine große Rolle. Sie fühlen sich gezwungen, ihre Kinder so schnell und so früh wie möglich zu verheiraten, da sie sonst als unfruchtbar und nicht heiratsfähig angesehen werden.

Diesem oft kulturell bedingten Faktor kann nur mit gezielter Bildungsarbeit entgegengewirkt werden. Darüber hinaus begünstigt die strukturelle Diskriminierung von Frauen und Mädchen oft die Gefahr einer Zwangsheirat.

Folgen einer Zwangsheirat

Eine junge Frau steht vor einer grünen Wand im Flüchtlingscamp

Mangelnde Bildung

Wo Zwangsheirat Tradition hat, bleibt sie oft auch eine – mit schlimmen Folgen für die Betroffenen: Mädchen müssen die Schule abbrechen, um den Haushalt zu machen und die Bedürfnisse der Ehemänner zu befriedigen. Auch wenn ein Mädchen vorher die Schule besuchte, ist es unwahrscheinlich, dass sie dies nach ihrer Zwangsverheiratung fortsetzen kann. Meist folgt auf die Heirat eine Schwangerschaft, gerade auch, weil es die Gesellschaft erwartet.

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Eine Frau sitzt an einer Wand und legt traurig die Hände an den Kopf.

Gewalt und Missbrauch

Nicht selten erleben Frauen und Mädchen in erzwungenen Ehen auch Gewalt und Missbrauch. Sie sind gezwungen, schwere Haushaltarbeit zu erledigen, die negative Folgen für ihre körperliche Entwicklung hat. Auf Konflikte wird oft mit Gewalt reagiert, um so das Machtverhältnis in der Ehe zu demonstrieren. Viele der Mädchen haben keine Möglichkeit, aus dieser Situation auszubrechen. Sie wollen nicht, dass der Ehemann bestraft wird, weil sie von ihm abhängig sind und nicht zu ihrer Familie zurückkehren können. Häufig wird Gewalt in der Zwangsehe auch aus Angst vor Folgegewalt verschwiegen.

Zwei Kinder gehen Hand in Hand durch die Wüste

Frühe Schwangerschaften

Die "unversehrte Jungfräulichkeit" spielt bei der Schließung einer Zwangsehe eine große Rolle. Je jünger das Mädchen ist, desto eher ist diese gegeben – und desto größer ist die Gefahr für das Leben der Mutter und des ungeborenen Kindes. Denn junge Mädchen sind körperlich nicht auf eine Schwangerschaft vorbereitet. Ihr Becken ist noch viel zu schmal, was oft eine lange Geburt bedeutet, bei der das Baby nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Dies kann zu Komplikationen für beide führen und ist eine der weltweit häufigsten Todesursachen von Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren. 

Gerade in Ländern südlich der Sahara liegt etwa für ein 15-jähriges Mädchen das Risiko während oder kurz nach der Entbindung zu sterben bei 1 zu 40.

Was tun gegen Zwangsheirat und Zwangsehen?

Save the Children schätzt, dass im Jahre 2050 bis zu 1,2 Milliarden Frauen und Mädchen weltweit in Zwangsehen leben werden - wenn nicht gehandelt wird. Es ist Zeit, gegen die Unterdrückung, Diskriminierung und das Verwehren von selbstbestimmten Leben von Frauen und Mädchen vorzugehen. Durch Aufklärungsarbeit, sowie bildende und einstellungsverändernde Programme, und Programme, die Hilfe zur Selbsthilfe fördern, stellt sich CARE dem Kampf gegen die Diskriminierung und Zwangsverheiratung von Frauen und Mädchen.

Zusammen mit Familien, Gemeinden und Organisationen setzen sich CARE-Helfer:innen in vielen betroffenen Ländern für Gleichberechtigung und Zugang zu Bildung für junge Frauen und Mädchen ein. Die UN-Vollversammlung beschloss 2015 die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, die Agenda 2030. Ziel 5 fordert die Gleichstellung der Geschlechter und die Befähigung aller Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung. CARE fordert deshalb alle Regierungen dazu auf, sich konsequent für die Umsetzung von Ziel 5 einzusetzen sowie gegen Zwangsverheiratungen und Kinderehen vorzugehen.

Wie Eyerus ihre Zwangsheirat verhinderte

„Als ich das Gerücht hörte, dass mein Vater mich verheiraten will, wurde ich wütend und traurig“, erinnert sich die 14-jährige Eyerus aus Äthiopien. „Warum soll ich heiraten? Ich will weiter zur Schule gehen!“

In der von CARE gegründeten Gruppe für Mädchen, in der Eyerus mit anderen Mädchen aus der Gemeinde über soziale Normen und Traditionen spricht und diese kritisch hinterfragt, fand sie Stärkung und gewann den Mut, ihren Vater zu konfrontieren. Derso, ihr 51-jähriger Vater, erklärte seiner Tochter, dass die Hochzeit stattfinden soll, um familiäre Beziehungen zu stärken. Eyerus blieb jedoch standhaft und verhandelte mit ihrem Vater, bis sie ihn schließlich davon überzeugen konnte, die Verlobung abzusagen. Er gab sogar das Geld, das er als Mitgift erhalten hatte, zurück.

Derso sagt selbst, dass er nun verstanden hat: „Unsere Gesellschaft muss sich verändern und das war die einzig richtige Konsequenz“.

Derso ist stolz auf seine Tochter, die nun weiterhin zur Schule geht und spricht sogar mit seinen Nachbarn über die Wichtigkeit von Schulbildung für Mädchen.

In den CARE-Gesprächgruppen erwerben die Mädchen wichtige Fähigkeiten. Gemeinsam sitzen sie auf Steinen in einem großen Kreis, lernen anhand ihrer Arbeitshefte und sprechen über die gesellschaftlichen Normen in ihrer Gemeinde. „Es war ein gutes Gefühl, meinen Vater umstimmen zu können. In der Mädchengruppe habe ich gelernt, wie man verhandelt. Ich habe auch gelernt, selbstbewusst zu sein und welche Folgen eine frühe Heirat hat“, erklärt Eyerus stolz.

Schulbildung und Aufklärung von Mädchen ist der Schlüssel, um Mädchen wie Eyerus eine gesunde und selbstbestimmte Zukunft zu ermöglichen. Auf diese Weise können die Mädchen und ihre Familien sich auch nachhaltig vor Armut schützen.

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Lächelnde CARE-Helferin im orangen T-Shirt hält ein lächelndes Mädchen auf dem Arm

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