Die Kenianerinnen Mildred, Ruth, Prisca, Sheila und Petline haben drei Gemeinsamkeiten. Erstens: Sie alle mussten Schicksalsschläge erleiden, welche ihre Leben aus der Bahn geworfen haben. Zweitens: Alle fünf sind wieder aufgestanden und haben ihr Leben selbst in die Hand genommen. Drittens: Sie teilen ein gemeinsames Ziel: Die finanzielle Unabhängigkeit. Und dieses Ziel haben sie bereits erreicht. Alle fünf haben sich erfolgreich weitergebildet und üben heute verschiedene Berufe aus. Über Frisörin und Schneiderin bis zur Mitarbeiterin in einem Gesundheitszentrum.
Eigenes Geld zu verdienen, war für sie lange undenkbar. Erst die Berufsausbildungen, die sie im Rahmen eines von Beiersdorf finanzierten CARE-Projektes absolviert haben, gestatteten ihnen diese Freiheit. Heute blicken die jungen Frauen positiv in die Zukunft.

Mildred, 25 Jahre
„Als ich vier Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt. Daraufhin hat mich meine Oma aufgenommen und ich lebte bei ihr“, erzählt Mildred. Mit 13 Jahren wurde sie von einem Jungen in ihrem Alter schwanger, was ihre Oma derart erzürnte, dass Mildred ausziehen musste. „Ich war also mit 13 Jahren und einem Baby auf mich allein gestellt“, führt sie aus. „Ich habe daraufhin einen Schneiderkurs besucht, den ich aber wegen der COVID-19-Pandemie nicht abschließen konnte. Verzweifelt heiratete ich daraufhin meinen Mann und wir zogen zusammen, doch auch er hatte keine Arbeit. In der Not gründete ich ein kleines Unternehmen, mit der Hoffnung, etwas Geld zu verdienen, aber damit hatte ich wenig Erfolg. Mir fehlten die finanziellen Mittel, um das Unternehmen aufzubauen und ich hatte keine Grundkenntnisse in Unternehmensführung.“
Ein Neuanfang wurde Mildred durch die Teilnahme am von Beiersdorf finanzierten TVET-Projekt ermöglicht (Technical and Vocational Education Training; auf Deutsch etwa „Technische und berufliche Ausbildung“). Sie hat Schulungen in dem Bereich Unternehmensentwicklung bekommen, einen kleinen finanziellen Zuschuss, eine Nähmaschine sowie Stoff. „Durchschnittlich verdiene ich mit meinem Unternehmen 1.000 KES (ca. 6,80 Euro) pro Tag. Das reicht, um meine Familie mit dem Nötigsten zu versorgen“, erzählt Mildred stolz.

Ruth, 24 Jahre
„Ich war erst in der siebten Klasse, als meine Mutter starb. Damit war ich eine Vollwaise“, erzählt Ruth. Die Trauer ist auch heute noch in ihrer Stimme zu hören. „Ich zog daraufhin nach Nairobi, in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dort habe ich mich dann mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten. Aber nur ein Jahr später brach die COVID-19-Pandemie aus und ich verlor meinen Job.“ Die Ersparnisse von Ruth waren schnell aufgebraucht. In der Not half ihr eine Freundin, bei der sie vorübergehend wohnen durfte. „Der nächste Schock kam schnell, denn meine Freundin wurde ermordet. Die Umstände sind bis heute unklar“, führt Ruth aus. Die junge Frau war daraufhin psychisch sehr mitgenommen Angst und Unsicherheit bestimmten ihren Alltag. Wie sollte sie so ihren Lebensunterhalt bestreiten?
Einen Ausweg sah auch Ruth in einer Hochzeit, welche ihr ein gewisses Maß an Sicherheit zurückgab. „Gemeinsam mit meinem Mann und meinem Kind zogen wir zurück aufs Land, doch auch hier war das Leben ziemlich hart. Manchmal haben wir Zuckerrohr gegessen, um zu überleben.“

Abhilfe kam dann durch das Sparen von kleinen Geldbeträgen. Die Methode hatte sie in einem Kleinspargruppenprojekt von Beiersdorf gelernt. Das Konzept des Programms sieht vor, dass Frauen gemeinsam kleine Summen sparen. Ruth konnte dadurch einen Kredit aufnehmen, ein Stück Land pachten und einen Zuschuss für den Aufbau eines Bekleidungsgeschäfts bekommen. „Auf dem Stück Land bauen wir Lebensmittel an und mein Bekleidungsgeschäft gibt mir Kraft und Hoffnung. Ich bin jetzt richtig glücklich.“
Prisca, 20 Jahre
„Als ich in der achten Klasse war erkrankte meine Mutter psychisch. Meinem Cousin habe ich sehr viel zu verdanken, denn er hat mich in dieser Zeit sehr viel unterstützt. Aber auch seine finanziellen Mittel waren begrenzt, weshalb ich neben der Schule arbeiten musste, um meiner Mutter und mir Essen zu kaufen. Darunter litten meine Noten“, erzählt Prisca.
„Alles änderte sich, als ich an dem TVET-Programm von Beiersdorf und CARE teilnahm. Hier habe ich eine Ausbildung als Klemptnerin gemacht und meine Prüfung sogar mit einer Auszeichnung abgeschlossen. Praktische Erfahrung konnte ich bei einem Zuckerunternehmen in der Nähe sammeln, wo ich ein Praktikum machen durfte. Jetzt kann ich sogar studieren gehen, weil ich ein Stipendium bekommen habe.“ Der Stolz ist Prisca anzusehen. Nach dem Studium möchte sie als Tutorin arbeiten. „Ich blicke positiv in die Zukunft, weil ich einen Abschluss habe, der mir neue Türen öffnet“, erzählt die Klempnerin abschließend.


Sheila, 22 Jahre
Sheilas Eltern trennten sich, als sie zwölf war. Ihr Vater unterstützte zwar ihren Besuch der Oberschule, doch den Weg an die Universität finanzierte er nicht. Mit der frühen Schwangerschaft erlosch schließlich jede Hoffnung von Sheila auf einen Uniabschluss. „Geheiratet habe ich vor allem, weil ich auf der Suche nach Stabilität war, aber die blieb auch nach der Hochzeit aus“, schildert die junge Mutter. „An manchen Tagen, hatte ich nicht einmal das Geld, um meine Fahrt ins Krankenhaus zu bezahlen.“ Im TVET-Programm hat Sheila eine Ausbildung als Frisörin gemacht. „Ich habe Material erhalten, um meinen eigenen Salon zu eröffnen. Durchschnittlich verdiene ich jetzt pro Tag rund 800 KES (ca. 5,40 Euro).“


Darüber hinaus hat sie mit dem Anbau von Zuckerrohr angefangen, um ihr Einkommen zu diversifizieren. Sheilas Leben hat sich seither nicht nur finanziell verbessert. „Ich habe mehr Selbstbewusstsein und auch mein Mann respektiert mich mehr, weil ich finanziell unabhängig bin“, erzählt die 22-jährige mit einem Lächeln im Gesicht.

Petline, 24 Jahre
„Ein Problem kommt ja bekanntlich selten allein“, führt die 24-jährige Petline aus. „Ich konnte nicht zur Uni gehen, weil die wegen COVID geschlossen hatte. Dann wurde ich schwanger. Meine Eltern waren alles andere als begeistert und mir bleib nichts anders übrig, als mein Studium in Bautechnik abzubrechen.“ Petline zog daraufhin mit ihrem Freund zusammen, doch das Umfeld war alles andere als rücksichtsvoll. „Ich musste oft körperlich sehr anstrengende Aufgaben übernehmen, obwohl ich hochschwanger war. Letztlich könnte auch das ein Grund für die Fehlgeburt sein, die ich erlitten habe. Der Tod meines ungeborenen Babys machte mich schließlich kaputt. Ich war sehr traurig und am Boden zerstört.“
Heute beschäftigt sich Petline beruflich mit den Themen sexuelle und reproduktive Gesundheit. Den Stein ins Rollen gebracht, hat bei ihr ebenfalls die Teilnahme an einem CARE-Projekt, welches von Beiersdorf finanziert wird. In der Gruppe diskutieren die Teilnehmerinnen über jene Themen. Gleichzeitig konnte Petline eine Ausbildung machen, die sie dazu befähigt, in ihrer Gemeinde Aufklärungsarbeit zu leisten. Mittlerweile arbeitet sie in einer Gesundheitseinrichtung, wo Petline Jugendliche aus der Gemeinde in Gesundheitsthemen unterrichtet. Bei den Gruppentreffen mit den Jugendlichen setzten sie sich mit Themen wie sexueller Gesundheit oder geschlechtsspezifischer Gewalt auseinander.

„Bei uns in der Gemeinde hat ein Wandel eingesetzt“, berichtet Petline stolz. „Das Gesundheitsverhalten der jungen Leute hat sich bereits merklich verändert. Sie setzten sich viel kritischer mit Themen wie geschlechtsspezifischer Gewalt auseinander. Es macht mich glücklich die Möglichkeit zu haben, andere Jugendliche zu unterstützen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, wie ich damals bei meiner Schwangerschaft.“
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