Die Flugzeugtür ist noch offen, und Berima, ein Mitarbeiter von CARE im Sudan, hat bereits seinen Sicherheitsgurt angelegt. Der Flug von Khartum zurück nach Süd-Darfur steht kurz vor dem Start. Der Pilot bereitet sich auf den Abflug vor, als er den Befehl erhält, sofort zu stoppen. Es ist der 15. April 2023. Der Krieg im Sudan hat begonnen.
Der Pilot fordert die Passagiere auf, das Flugzeug zu verlassen. „Ich habe alles zurückgelassen. Meinen Reisepass und mein Laptop waren in einer Tasche im Gepäckfach und mein Koffer irgendwo im Flugzeug. Ich hatte nur meinen Ausweis und mein Handy“, erzählt Berima. Er und einige Kollegen begeben sich zum Flughafengebäude, da sie davon ausgehen, dass es sich nur um eine kurze Verspätung handelt. „Wir dachten, es würde zwei oder drei Stunden dauern, dann könnten wir wieder ins Flugzeug steigen.“ Eine Stunde später ruft CARE an und fordert sie auf, den Flughafen sofort zu verlassen und sich irgendwo in der Nähe in Sicherheit zu bringen.

„Wir hörten bereits heftige Bombardierungen und Schüsse in der Nähe. Mit jeder Minute wurde es schlimmer. Wir sahen bewaffnete Gruppen zum Flughafen kommen. Wenn wir geblieben wären, hätten wir es nicht herausgeschafft. Also mussten wir gehen.“ Berima und einige andere, die sich ihm anschließen, versuchen, einen Weg zu finden, ohne erschossen oder von Bomben getroffen zu werden. Es gibt viele Zäune, über die sie klettern, rennen, sich ducken, keuchend nach Luft schnappend.
Auf der Hauptstraße hält sie eine bewaffnete Gruppe an. „Einer von ihnen war nur ein Junge – 14 oder 15 Jahre alt. Er richtete sein Gewehr auf uns und sagte, er würde uns erschießen. Ein älterer Bewaffneter hielt ihn rechtzeitig zurück und fragte uns nach unseren Ausweisen. Zum Glück war das eines der wenigen Dinge, die ich noch hatte.“ Er zeigt seinen Ausweis und sagt ihnen, dass sie Passagiere sind. Keine Soldaten. „Der ältere Mann sagte uns, wir sollten rennen, und das taten wir.“ Berima steht danach unter Schock. „Dieser Junge hätte uns getötet. Es war ihm egal. Er hätte einfach jeden getötet, der ihm begegnet wäre.“
In Schwierigkeiten
Ihr Ziel ist ein nahe gelegenes Hotel, etwa 15 Minuten zu Fuß entfernt. Aber jeder Schritt bedeutet, Schüssen, fallenden Bomben und Rauchwänden auszuweichen. „Es gab heftige Schüsse. Alle 15 Minuten warfen Flugzeuge Bomben ganz in der Nähe ab. Eine Bombe kam so nah, dass wir uns sofort auf den Boden warfen und unsere Köpfe bedeckten. Wir bewegten uns einfach automatisch. Bei CARE hatten wir viele Sicherheitstrainings, und das hat mir geholfen, am Leben zu bleiben.“
Im Hotel wird es nicht besser. Sie bleiben fünf Tage lang dort. „Bei jeder Bombe bebte das Hotel heftig. Benachbarte Gebäude wurden direkt getroffen. Und wir blieben drinnen und versuchten, am Leben zu bleiben.“ Das Wasser geht zur Neige. Der Strom fällt aus. Die Lebensmittel werden knapp. Der Kontakt zu CARE wird von Stunde zu Stunde schwieriger, da das Netz zusammenbricht und es nur begrenzte Möglichkeiten gibt, die Telefone aufzuladen. Die Entscheidung ist klar: Sie müssen Khartum verlassen.

„Fünf von uns wollten gemeinsam gehen, aber wir hatten kein Geld für den Transport. Wir hofften, wenigstens genug zu haben, um in die nächste Stadt zu kommen.“ Sie laufen 15 Kilometer bis zur nächsten Bushaltestelle. Die Strecke ist gesäumt von brennenden Fahrzeugen, bewaffneten Kontrollpunkten und Chaos. „Es wurde so viel geschossen. Wir wurden mehrmals angehalten, aber dass wir einen Ausweis hatten und nachweisen konnten, dass wir humanitäre Helfer sind, hat uns das Leben gerettet.“
Eine SIM-Karte, um weiterarbeiten zu können
Noch immer in demselben Hemd und derselben Hose, die er beim Einsteigen in das Flugzeug trug, findet Berima schließlich einen Bus, der Khartum verlässt, und später ein Fahrzeug, das in Richtung Ost-Darfur fährt.
„Unterwegs wurden wir angehalten und mussten uns alle auf den Boden legen. Bewaffnete Männer nahmen uns alles weg, sogar meinen Ausweis und mein Handy, aber sie gaben uns unsere SIM-Karte zurück. Sie schrien uns an, dass sie uns töten würden, aber sie ließen uns am Leben.“
Als er in Süd-Darfur ankam, sah er seine Frau und Kinder wieder. „Sie konnten nicht schlafen, weil sie solche Angst hatten. In unserer Stadt war es sehr gefährlich, und wenn man sich auf die Suche nach Essen oder Wasser machte, konnte man erschossen werden. Meine Straße wurde schwer beschossen und Nachbarn wurden durch Bomben getötet.“
Zwei Monate lang bewegten sie sich vorsichtig, gingen nur früh morgens und immer in Gruppen aus dem Haus. „Ich habe die ganze Zeit weitergearbeitet. Meine SIM-Karte war eine große Hilfe, da ich noch alle Nummern der Mitglieder unserer Gemeinden hatte und sie anrufen konnte, um zu fragen, wie es ihnen ging und was sie brauchten. Ich habe eine Verantwortung gegenüber meinen Gemeinden, damit sie sauberes Wasser haben und überleben können.“
Schließlich gelingt es ihm, seine Familie aus dem Sudan in Sicherheit nach Oman zu bringen. Aber er kehrt zurück, um seine Arbeit fortzusetzen. Jetzt lebt er in Port Sudan und unterstützt weiterhin Gemeinden in Krisensituationen. Gemeinden wie die, aus der er geflohen ist.

„Die Arbeit in einem Kriegsgebiet ist sehr schwierig, da wir uns nicht frei bewegen können. Deshalb sind wir stark auf gemeindebasierte Strukturen angewiesen und nutzen alle uns zur Verfügung stehenden Mechanismen, damit die Projekte fortgesetzt werden können und die Menschen die lebensnotwendigen Dienste erhalten.“
Berima widmet sich mit ganzer Kraft seiner Arbeit als humanitärer Helfer. „Ich liebe meinen Job und die Arbeit mit den Gemeinden. Ich werde sie weiterhin unterstützen, wo immer und wie immer ich kann, auch wenn ich selbst vertrieben wurde.“
Das ist die Realität für viele humanitäre Helfer im Sudan. Sie sind denselben Risiken, derselben Angst und denselben Verlusten ausgesetzt, aber sie machen weiter. Nicht weil es sicher ist. Nicht weil es einfach ist. Sondern weil die Menschen immer noch sauberes Wasser brauchen. Immer noch medizinische Versorgung brauchen. Immer noch jemanden brauchen, der da ist. Und Berima ist da.
Unterstützen Sie den unermüdlichen Einsatz von humanitären Helfern wie Berima für ihre Mitmenschen am Welttag der humanitären Hilfe mit Ihrer Spende!




































