„Seit Jahren träume ich davon, mein eigenes kleines Geschäft aufzubauen und meine Familie selbst unterstützen zu können. Ich wollte unabhängig sein, doch mir fehlte das Startkapital. Durch Multi-Purpose Cash Assistance [MPCA; flexiblen Bargeldhilfen] von CARE Sudan konnte ich mir diesen Traum erfüllen. Nach einer Schulung zur Führung kleiner Unternehmen eröffnete ich ein kleines Geschäft für Parfüms, Kosmetik und Spielzeug“, erzählt Raihanna, eine 45-jährige Frau aus einer ländlichen Gemeinde in Kassala, im Osten des Sudans.

Führung durch Frauen in Krisenzeiten stärken
Mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) setzt CARE Sudan im Bundesstaat Kassala ein Programm um, das die Führungsrolle von Frauen in Notsituationen stärkt und gleichzeitig ihre Ernährungssicherheit verbessert.
„Frauen identifizieren gemeinsam die Barrieren, mit denen sie konfrontiert sind, um sich gesellschaftlich einzubringen, und entwickeln Lösungsstrategien. Dafür treten sie in den Dialog mit Gemeindevorstehern, humanitären Akteuren und männlichen Verbündeten“, erklärt Salma Abdelmoniem, Women Empowerment Program Manager bei CARE Sudan.

Frauen organisieren sich und übernehmen Verantwortung
An den Standorten Kassala und Wad Elheliw gründete CARE Sudan gemeinsam mit Frauen aus ländlichen Gemeinden zwölf Frauengruppen mit insgesamt 130 Mitgliedern. Sie arbeiten daran, eigene Bedarfe sichtbar zu machen und Frauenrechte und -potenziale zu fördern.
„Wir haben gemeinsam 440 besonders stark belastete Frauen identifiziert, die finanzielle Soforthilfen erhalten sollten, etwa für Lebensmittel, Medikamente oder den Aufbau eines kleinen Geschäfts“, berichtet Hawa, Mitglied einer Frauengruppe aus Tarawa.
Gesundheitsversorgung unter Druck
Der anhaltende Konflikt im Sudan hat viele Gemeinden verarmen lassen und den Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung eingeschränkt, auch für Schwangere.
„Als mir gesagt wurde, dass ich mein Kind per Kaiserschnitt entbinden müsse, hatte ich kein Geld für die Behandlung. Die Frauengruppe in meinem Wohngebiet schlug mich für Bargeldhilfen vor, sodass ich die Kosten für den Kaiserschnitt bezahlen konnte“, erzählt Fatima, eine vertriebene Frau aus Kassala.


Fähigkeiten stärken, Gewalt thematisieren
CARE Sudan unterstützte die Frauengruppen mit Schulungen zum Kompetenzaufbau. Dabei ging es unter anderem um Gender Based Violence (GBV; geschlechtsspezifische Gewalt), Soft Skills, die Leitung von Gemeindetreffen und aktives Zuhören.
„Diese Programme helfen Frauen aus ländlichen und marginalisierten Gemeinden, ihre Stimme zu erheben und Verantwortung zu übernehmen“, so Salma Abdelmoniem.


Frauen als Schlüssel für nachhaltigen Wandel
In Gesprächen innerhalb der Frauengruppen wurde deutlich, wie wirtschaftliche Not, Kinderehen, Kinderarbeit und mangelndes Wissen über Ernährung miteinander verknüpft sind und am Ende Ernährungsunsicherheit verstärken. Wirtschaftlicher Druck führt häufig zu negativen Bewältigungsstrategien, die langfristig Armut verfestigen.
Eine Rapid Gender Analysis on Power and Participation (Studie zu Machtverhältnissen und Teilhabe) die CARE im April 2025 in Kassala durchführte, bestätigt: Die wirtschaftliche Stärkung von Frauen erhöht ihre Sichtbarkeit, Wahrnehmung und in ihren Stand in Familie und Öffentlichkeit.
„Frauen zu stärken ist entscheidend für wirtschaftliches Wachstum, politische Stabilität und gesellschaftlichen Wandel“, sagt Ebtesam Ahmed, Leiterin des CARE-Sudan-Büros in Kassala.
Für Frauen wie Raihanna und Fatima bedeutet das mehr als kurzfristige Hilfe. Es bedeutet Selbstbestimmung, Sicherheit und die Chance, auch in Zeiten von Konflikt neue Perspektiven zu schaffen. Für sich selbst und ihre Gemeinschaften.
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