Sambia: Platz 1 der vergessenen Krisen

Wer in Sambia zur Welt kommt, hat es schwer: 60 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze von 1,90 Euro pro Tag. Im Jahr 2021 landete das Land auf dem 1. Platz im jährlichen CARE-Ranking jener Krisen, die in den Medien nicht stattgefunden haben. Besonders hart ist das Leben für Menschen in ländlichen Gebieten. Sie leiden unter Hunger und den schwerwiegenden Auswirkungen des Klimawandels:

In den letzten Wochen führten beispiellose Regenfälle, Überschwemmungen und starke Winde zu weitreichenden Zerstörungen. Chikwe Mbweeda, CARE-Länderdirektor in Sambia, sagte: "Wir von CARE sind besorgt über die Auswirkungen der Überschwemmungen und der häufigen Klimakatastrophen auf Frauen und Mädchen, besonders in den ländlichen Gebieten, die die Hauptlast der Verwüstung tragen. Da Frauen ihre Lebensgrundlage verlieren und Mädchen nicht zur Schule gehen können, sind wir besorgt über die psychosozialen Auswirkungen, die dies auf sie haben wird."

CARE ist seit 1992 in Sambia aktiv und legt den Schwerpunkt auf langfristige, gemeindebasierte Entwicklungsprogramme. CARE stärkt gezielt Frauen und Mädchen, die die Hauptlast von Armut und Krisen tragen. Im Fokus stehen die Verbesserung der Ernährung von Müttern und Kindern sowie sozialer Schutz. Bei der Abfederung der Folgen des Klimawandels setzt CARE auf Zusammenarbeit mit der Regierung in Bereichen wie Landwirtschaft, Viehzucht und Wasserversorgung.

CARE hat schnell auf die klimabedingten Überschwemmungen reagiert und direkt mit der Verteilung von Hilfspaketen begonnen. In Choma, einem der am schwersten betroffenen Bezirke im Süden Sambias, versorgt CARE 5.000 Menschen Hygiene-, Unterkunfts- und Küchensets sowie COVID-19-Schutzpaketen - bestehend aus Gesichtsmasken, Desinfektionsmitteln und Handschuhen.

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In Choma verteilt CARE Hilfspakete an die von den Stürmen schwer betroffene Bevölkerung.

Die CARE-Hilfe in Sambia auf einen Blick

Ein Mädchen in Sambia wäscht sich die Hände und lächelt in die Kamera.

Schutz vor COVID-19

Auch in Sambia breitet sich das Coronavirus aus. Daher ist es eines von 69 Ländern, in denen CARE bereits 2020 angefangen hat, schnelle Hilfe speziell gegen die Pandemie zu leisten. Dazu zählen das Bereitstellen von sauberem Wasser und Hygieneartikeln, Schulungen zum richtigen Händewaschen und der auch bei uns bekannten Hust-Nies-Etikette, außerdem Aufklärungsarbeit über die Gefährlichkeit des Virus und wie man sich und sein Umfeld davor schützt. Unser Fokus richtete sich dabei nicht nur auf Sambier:innen, sondern zusätzlich auf besonders vulnerable Gruppen, wie etwa die Geflüchteten aus der DR Kongo oder Somalia, die vor der Gewalt in ihren Ländern in Sambia Schutz suchen.

Eine Gruppe Schüler und Schülerinnen in Uniformen in Sambia

Einsatz für Bildung

CARE unterstützte im Osten Sambias den Aufbau und die Weiterentwicklung von 30 privat gegründeten Gemeindeschulen im ländlichen Raum. Weil der Staat in abgelegenen Regionen Sambias noch keine ausreichende Schulbildung gewährleisten kann, werden die Schulen durch das Engagement der lokalen Bevölkerung getragen. CARE half bei der Finanzierung der Schulen, bildete Lehrer:innen und Eltern fort und verbesserte die Unterrichtsqualität für 6.000 Kinder.

Eine Mütter hält ihre Tochter im Arm, beide lachen

Gesundheitsaufklärung und eine Chance für Mädchen

HIV/AIDS ist in den ländlichen Gebieten Sambias weit verbreitet. Besonders Mädchen aus betroffenen Familien müssen oft die Schule abbrechen, um kranke Eltern zu pflegen oder sich um ihre Geschwister zu kümmern. Gemeinsam mit der Partnerorganisation ROCS und den Eltern-Komitees der Gemeindeschulen unterstützte CARE betroffene Familien, holte Mädchen zurück in die Schule und leistete hier HIV/AIDS-Aufklärung und psychosoziale Beratung.

Eine CARE-Helferin in Sambia hält lächelnd ein Mädchen auf dem Arm

Cent für Cent der Armut entfliehen

Seit 2003 unterstützt die sambische Regierung in einigen wenigen Pilotregionen die Ärmsten der Bevölkerung mit sogenannten Sozialgeldtransfers. Ausgewählte Familien erhalten über einen Zeitraum von drei Jahren alle zwei Monate eine kleine Geldsumme vom Staat, um ihr Überleben sichern zu können. CARE unterstützt die Familien in vier Regionen dabei, die staatlichen Hilfsgelder durch gemeinsames Sparen und gezieltes Investieren klug zu nutzen und sich damit ein sicheres Einkommen aufzubauen.

Marriett Chanda: Ihr Einsatz als Wassermanagerin

Marriett Chanda ist eine der unglaublichen Leiterinnen des Water Point Management Committee von SANI (Ernährungsinitiative des Südlichen Afrika) in Sambia. In ihrer ländlichen Gemeinde spielt Marriett Chanda eine Schlüsselrolle: Sie sorgt nicht nur dafür, dass das Bohrloch technisch funktioniert, sondern zeigt auch den Bewohnern, wie sie Wasser reinigen, Abwasser richtig entsorgen und Hygieneregeln beachten.

1, 2 Mio
... Menschen in Sambia haben nicht genug zu essen.

Mit Ziegen und Gärten gegen Mangelernährung

Eine Frau in bunter Kleidung trägt ihr Kind in einem Tuch und füttert zwei Ziegen

Nahrung war oft knapp

Munaswi ist ein kleines Dorf in Sambia. Es gibt etwa 90 Haushalte und fast alle Familien leben von  Landwirtschaft und Viehzucht: Es werden verschiedene Gemüsesorten angepflanzt, außerdem Rinder und Ziegen gehalten. Auch Wendy Cholobwe lebt hier. Sie ist 37 Jahre alt und Mutter von sechs Kindern. Auch Wendy baut auf ihrem Feld Mais und Sonnenblumen und in ihrem Garten Raps und Tomaten an. Da Wendy aber mit ihren sechs Kindern und ihrem Ehemann eine große Familie durchbringen muss, reichten ihre Erträge oft nicht aus, um alle satt zu kriegen. Dann kochte sie Nshima, eine Mahlzeit aus Maismehl und Wasser, mit Raps oder Okra, einer regionalen Gemüsesorte. Leider ist Nshima aber auf Dauer nicht sehr nahrhaft, weshalb Wendys Kinder anfällig für Durchfall und Husten waren. Und wäre das nicht schon schlimm genug gewesen, liegt das nächste Gesundheitszentrum auch noch zwölf Kilometer entfernt. Es gab also keine Garantie, dass die Familie bei einem medizinischen Notfall rechtzeitig Hilfe erhalten würde.

Mit neuem Wissen gegen Mangelernährung

Vor einiger Zeit haben daher CARE und seine Partner das SUNI-Projekt ins Leben gerufen. SUNI steht für Scaling Up Nutrition Intervention und es zielt darauf, den Bewohner:innen von Dörfern wie Munaswi verschiedene Anbaumethoden für eine Vielzahl an Gemüsesorten zu vermitteln, sie außerdem darin zu schulen, auch Kleintiere wie Hühner zu halten. Damit wird sichergestellt, dass Frauen wie Wendy ihren Familien das ganze Jahr über nahrhafte Mahlzeiten zubereiten können, womit Mangelernährung und Krankheiten vorgebeugt wird.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, dass die Frauen befähigt werden, das Gelernte auch weiterzuvermitteln. Sie werden zu Multiplikatoren dieses kostbaren Wissens, was sie auch in ihrem Selbstbewusstsein und ihrer Eigenständigkeit fördert. „Ich freue mich, dass unser Dorf mit dem neuem Wissen über das Anbauen von Gemüse und dem Halten von Tieren auch langfristig für schwierige Zeiten gerüstet ist, und das ich mir nicht mehr so viele Sorgen um die Gesundheit meiner Kinder machen muss“, freut sich Wendy.

Eine CARE-Helferin in Sambia sitzt in einem Gemüsegarten
Frauen und Männer arbeiten auf einem Feld, auf dem Gemüse wie zum Beispiel Kohl angebaut ist.

Valeska Homburg unterwegs mit CARE in Sambia