Am Rande einer Hungersnot

Die Ernährungssicherheit in Somalia verschlechtert sich schneller als erwartet: Rund 1,9 Millionen Kinder leiden unter akuter Mangelernährung. Die anhaltende Klimakrise hat Ernten zerstört, Viehbestände dezimiert und die Lebensgrundlagen vieler Familien vernichtet. Hinzu kommen steigende Lebensmittel-, Transport- und Energiekosten, wodurch inzwischen fast 60 Prozent der Haushalte ihre grundlegenden Bedürfnisse nicht mehr decken können. 

Besonders dramatisch ist die Situation für Vertriebene: Mehr als 3,4 Millionen Menschen sind innerhalb Somalias auf der Flucht, allein im Jahr 2026 wurden bereits über 500.000 neue Vertreibungen registriert. Die Ursachen reichen von Dürre und Überschwemmungen bis hin zu Konflikten.

Auch die Wasserversorgung verschlechtert sich zunehmend. Landesweit benötigen 4,5 Millionen Menschen dringend Unterstützung, um Zugang zu Wasser, Sanitäranlagen und Hygieneprodukten zu bekommen. In besonders betroffenen Regionen verlassen Familien ihre Heimat auf der Suche nach Wasser und Weideland. Die kommenden Monate bergen zusätzliche Risiken: Nach einer anhaltenden Trockenperiode warnen Expert:innen vor den möglichen Auswirkungen eines starken El-Niño-Ereignisses. Während kurzfristig weitere Dürren drohen, könnten gegen Jahresende heftige Regenfälle und Überschwemmungen zu neuen Vertreibungen, beschädigter Infrastruktur und Krankheitsausbrüchen führen.

„Die Hungerkrise in Somalia zwingt Familien zu unmöglichen Entscheidungen: Mütter müssen wählen, welches ihrer Kinder heute etwas zu essen bekommt. Wer jetzt nicht handelt, riskiert Menschenleben“, warnt Ummy Dubow, CARE‑Länderdirektorin in Somalia.„Bis eine Hungersnot offiziell ausgerufen wird, wird es für viele Kinder bereits zu spät sein.“ 

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Die CARE-Hilfe in Somalia auf einen Blick

Aisha aus Somalia sitzt vor ihrem Zelt.

Im Kampf gegen Hunger und Dürre

Verheerende Stürme, Dürren und Überschwemmungen – Jahr für Jahr verlieren Hunderttausende Somalier:innen ihre Lebensgrundlagen und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Was folgt sind ArmutHunger und große Not. Besonders Kinder trifft der Hunger hart, denn Unterernährung kann zu ausbleibender körperlicher und geistiger Entwicklung führen und so das spätere Leben massiv beeinflussen. CARE hilft in Somalia mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Bargeld. Familien erhalten Ernährungsberatungen für Kleinkinder und Grundschulen werden mit Unterrichtsmaterialien und Nahrungsmitteln unterstützt. Außerdem hilft CARE Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt mit Beratungsangeboten.

Drei Mädchen stehen vor einem Lehmhaus

Gesunde Mahlzeiten für bessere Bildung

Das Projekt unterstützt 5.500 Grundschulkinder in Somalia, indem es ihnen regelmäßige, gesunde Mahlzeiten in der Schule ermöglicht. Dafür werden Lebensmittel direkt von lokalen Bäuerinnen, Bauern und Händler:innen eingekauft. So erhalten Kinder – besonders Mädchen – eine bessere Ernährung, können sich besser auf den Unterricht konzentrieren und gehen regelmäßiger zur Schule. Gleichzeitig stärkt das Projekt die lokale Landwirtschaft, indem Kleinproduzent:innen unterstützt und Menschen vor Ort in nachhaltigem Anbau, gesunder Ernährung sowie der Verarbeitung und Lagerung von Lebensmitteln geschult werden.

Ein Viehhirte mit zwei Töchtern und seinen Schafen in der Wüste

Lebensgrundlagen sichern

CARE unterstützt rund 22.000 Menschen in Somalia dabei, ihre Lebensgrundlagen langfristig zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen besonders gefährdete Gruppen wie Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Binnenvertriebene und zurückgekehrte Familien. Die Menschen erhalten Schulungen zu besseren landwirtschaftlichen Methoden und bekommen wichtige Materialien, um ihre Produktion zu steigern. Zusätzlich werden Spargruppen aufgebaut und berufliche Trainings angeboten, damit Familien neue Einkommensmöglichkeiten entwickeln können. Durch sogenannte „Cash for Work“-Maßnahmen werden außerdem wichtige Infrastrukturen in den Gemeinden verbessert. Dabei erhalten Menschen kurzfristige Beschäftigungsmöglichkeiten und tragen gleichzeitig zur Entwicklung ihrer Umgebung bei.

Die Folgen der Klimakrise

Die Dürre in Somalia zwingt Familien zu harten Entscheidungen

Amina sitzt mit ihren Kindern vor einem Zelt in einem Flüchtlingscamp in Somalia

Aufgrund der anhaltenden Dürre in Somalia verlor Amina 50 Kühe und 30 Ziegen und damit die einzige Lebensgrundlage ihrer Familie. Bei sengender Hitze lief die schwangere 28-jährige mit ihren Kindern 11 Tage lang über 100 Kilometer und fand Zuflucht in einem Camp für Binnenvertriebene in Lower Juba. Seitdem konnte sie nicht mehr mit ihrem Mann kommunizieren, den sie zurückgelassen hatte. 

"Manchmal gehen meine Kinder hungrig zu Bett, weil ich ihnen nichts zu essen geben kann und weil ihr Vater nicht da ist, um zu helfen. Wir haben durch die Dürre alles verloren. Als wir noch unser Vieh hatten, führten wir ein gutes Leben. Jetzt wissen wir nicht einmal, was unsere nächste Mahlzeit sein wird und wann wir sie überhaupt bekommen", sagt Amina.

Portrait von Adow aus Somalia

Adow, 70, war sein ganzes Leben lang Viehzüchter und besaß mehr als 300 Tiere. Nachdem die Dürre seine Herde vernichtet hatte, blieben ihm nur noch 20 Ziegen. Adow und seine Familie trafen eine folgenschwere Entscheidung: Sie verließen ihre Heimat und zogen in ein Lager für Binnenvertriebene, in dem sie auf die Hilfe humanitärer Organisationen angewiesen waren.

"Es war schmerzhaft, mein Leben zurückzulassen, aber ich hatte keine andere Wahl. Ich hatte nur einen Eselskarren, um meine Familie in das Lager zu bringen. Die schwierigste Entscheidung war, ob ich die wenigen Lebensmittel, die mir geblieben waren, mitnehmen, oder meine kleinen Kinder, die noch nicht so gut laufen konnten, auf den Wagen setzen sollte. Die Dürre hat uns in eine sehr schwierige Lage gebracht. Ich weiß nicht, wie wir überleben sollen", erzählt Adow.

Quellen

  • WFP: Somalia Country Brief, Juni 2026
  • UNICEF: Somalia Humanitarian WASH Situation Update, Juni 2026