Not durch Dürre, Überschwemmungen und Heuschrecken

In Somalia herrscht zurzeit eine extreme Dürre. Regenfälle bleiben aus, Brunnen versiegen. „Die Menschen in den Dörfern haben kein Wasser mehr. Eltern erzählen uns, dass sie einen ganzen Tag nichts getrunken haben, um ihren Kindern den letzten Rest Wasser zu überlassen“, beklagt Iman Abdullahi, CARE-Länderdirektor in Somalia. Beim Ausbruch der aktuellen Dürre hatten sich Familien noch nicht von den vorangehenden Überschwemmungen und einer Heuschreckenplage erholt, die viele Ernten zerstört haben. Das Coronavirus verschärft die Situation zusätzlich.

Doch diese Auswirkungen des Klimawandels sind nicht die einzige Krise im Land: Somalia ist eines der am wenigsten entwickelten Länder der Welt. Seit Anfang der 1990er Jahre herrschen politische Unruhe und Gewalt, die viele Menschen zur Flucht zwingen.

Die CARE-Hilfe in Somalia auf einen Blick

Ein Gesundheitshelfer legt einem Baby ein Hungerband um den Oberarm, das Band ist im roten Bereich.

Im Kampf gegen Hunger und Dürre

Verheerende Stürme, Dürren und Überschwemmungen – Jahr für Jahr verlieren Hunderttausende Somalier:innen ihre Lebensgrundlagen und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Was folgt sind Armut, Hunger und große Not. Besonders Kinder trifft der Hunger hart, denn Unterernährung kann zu ausbleibender körperlicher und geistiger Entwicklung führen und so das spätere Leben massiv beeinflussen. CARE hilft in Somalia mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Bargeld. Familien erhalten Ernährungsberatungen für Kleinkinder und Grundschulen werden mit Unterrichtsmaterialien und Nahrungsmitteln unterstützt. Außerdem hilft CARE Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt mit Beratungsangeboten.

Drei Mädchen stehen vor einem Lehmhaus

Girl Friendly Spaces

Es gibt nach wie vor viele Vorurteile rund um das Thema Menstruation. Auch in Somalia ist es immer noch ein Tabuthema. CARE stattet Schulen mit sogenannten "sicheren Räumen" für Mädchen aus, die es ihnen erlauben, sich ungestört auszutauschen, sich während ihrer Menstruation zurückzuziehen, zu lernen und die in dem Raum direkt angeschlossenen Toiletten ungesehen zu besuchen. Dafür wird jeweils ein sicherer Raum für Mädchen in vier Schulen mit sanitären Anlagen gebaut und ausgestattet, es werden 25 Hygieneschulungen durchgeführt und zehn Wassertanks bereitgestellt.

Ein Viehhirte mit zwei Töchtern und seinen Schafen in der Wüste

Lebensgrundlagen sichern

Viehhirt:innen sind die am meisten von Ernährungsunsicherheit betroffene Bevölkerungsgruppe – insgesamt 1,3 Millionen Menschen im Norden Somalias sind auf externe Unterstützung angewiesen. Um die von Dürre und chronischer Ernährungsunsicherheit betroffenen Viehhirten zu stärken und rückkehrende Geflüchtete nachhaltig zu reintegrieren, hilft CARE u. a. mit dem Wiederaufbau von zehn Brunnen und Bohrlöchern, dem Training von 14 Wassermanagementkomitees, Cash-for-Work-Programmen, der Gründung und Etablierung von 40 Kleinspargruppen, der Verteilug von Saatgut und Nutzvieh sowie der Verteilung von Hygienepaketen.

Aus Unkraut wird Futtermittel: Resilienzstärkung und Armutsbekämpfung am Horn von Afrika

Mustafa rettet sein Dorf: Mit Ausbildung Hunger und Dürren vorbeugen

1.300 Menschen wohnen in Suuqsade. Das kleine Dorf im Norden Somalilands ist umringt von Wüste. Steine, wohin das Auge blickt. „Vier Jahre Dürre haben hier alles vertrocknen lassen“, erklärt uns Mustafa. „Früher waren dort drüben Weiden mit großen Viehherden. Doch wo kein Wasser ist, kann kein Leben blühen. Das möchte ich für mein Dorf ändern.“

Sechs Monate hat Mustafa investiert, um die CARE-Ausbildung zum Wassertechniker zu absolvieren. Nun bewegt er Großes für sein Dorf: „Wir haben mit CARE ein Bohrloch installiert und einen Erdwassertank. Er macht uns vom Regen unabhängiger. Ein Wasserkomitee im Dorf hilft mir bei der Instandhaltung aller Zapfstellen. Unsere Frauen schult CARE seit zwei Jahren im Lesen, Schreiben, Rechnen und in verschiedenen Handwerken. Sie sparen als Gruppe und geben sich kleine Kredite zur Umsetzung neuer Geschäftsideen. Erstmals haben wir wieder sauberes Wasser, die Frauen etwas Einkommen und unsere Familien wieder mehr als eine Mahlzeit am Tag. Schritt für Schritt arbeiten wir uns gemeinsam mit CARE aus der Krise. Das macht Mut.“

Wassertechniker Mustafa mit geöffnetem Werkzeugkasten
Wassertechniker Mustafa arbeitet an einem Wassertank