Die schlimmste Dürre seit 40 Jahren

Die extremen Auswirkungen des Klimawandels haben in Somalia zur schlimmsten Dürre seit 40 Jahren geführt: 4,3 Millionen Menschen sind unmittelbar betroffen. Durch ausbleibende Regenfälle und Heuschreckenschwärme wurden große Teile der Landwirtschaft zerstört, Millionen von Menschen leiden unter Hunger und Durst. Tausende von ihnen wurden auf der Suche nach Nahrung und Wasser aus ihren Häusern vertrieben. 7,7 Millionen Somalier:innen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen. Expert:innen warnen vor einer drohenden Hungernot.

Iman Abdullahi, CARE-Landesdirektor für Somalia, berichtet: „CARE ist besonders besorgt über die Notlage von Frauen und Mädchen. Berichten zufolge werden 20% der Mädchen dazu gezwungen, früh zu heiraten, um die Krise zu bewältigen. 34% der Frauen gaben die Gefahr von sexueller Gewalt als ihre größte Sorge an.

Unsere Teams sind derzeit in 51 Lagern für Binnenvertriebene im Einsatz und unterstützen dort in den Bereichen Gesundheit, Ernährungsicherheit, Bildung und Schutz vor Gewalt. Bisher haben wir 62.519 Menschen erreicht, davon 31.346 Frauen. Es muss noch mehr getan werden. Das Zeitfenster, in dem die drohende Katastrophe abgewendet werden kann, schließt sich schnell, und wir rufen alle auf, sich einzuschalten und die humanitäre Hilfe zu unterstützen, damit wir Leben retten können, bevor es zu spät ist."

Ihre Spende wirkt!

Frauen mit Kamelen auf dem Weg zu den Lagern für Binnenvertriebene.
Layla sitzt mit ihrem Kind vor der Wasserstelle in Bosaso, Somalia, und hält einen gelben kanister.

Die CARE-Hilfe in Somalia auf einen Blick

Ein Gesundheitshelfer legt einem Baby ein Hungerband um den Oberarm, das Band ist im roten Bereich.

Im Kampf gegen Hunger und Dürre

Verheerende Stürme, Dürren und Überschwemmungen – Jahr für Jahr verlieren Hunderttausende Somalier:innen ihre Lebensgrundlagen und sind gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Was folgt sind Armut, Hunger und große Not. Besonders Kinder trifft der Hunger hart, denn Unterernährung kann zu ausbleibender körperlicher und geistiger Entwicklung führen und so das spätere Leben massiv beeinflussen. CARE hilft in Somalia mit Trinkwasser, Nahrungsmitteln und Bargeld. Familien erhalten Ernährungsberatungen für Kleinkinder und Grundschulen werden mit Unterrichtsmaterialien und Nahrungsmitteln unterstützt. Außerdem hilft CARE Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt mit Beratungsangeboten.

Drei Mädchen stehen vor einem Lehmhaus

Girl Friendly Spaces

Es gibt nach wie vor viele Vorurteile rund um das Thema Menstruation. Auch in Somalia ist es immer noch ein Tabuthema. CARE stattet Schulen mit sogenannten "sicheren Räumen" für Mädchen aus, die es ihnen erlauben, sich ungestört auszutauschen, sich während ihrer Menstruation zurückzuziehen, zu lernen und die in dem Raum direkt angeschlossenen Toiletten ungesehen zu besuchen. Dafür wird jeweils ein sicherer Raum für Mädchen in vier Schulen mit sanitären Anlagen gebaut und ausgestattet, es werden 25 Hygieneschulungen durchgeführt und zehn Wassertanks bereitgestellt.

Ein Viehhirte mit zwei Töchtern und seinen Schafen in der Wüste

Lebensgrundlagen sichern

Viehhirt:innen sind die am meisten von Ernährungsunsicherheit betroffene Bevölkerungsgruppe – insgesamt 1,3 Millionen Menschen im Norden Somalias sind auf externe Unterstützung angewiesen. Um die von Dürre und chronischer Ernährungsunsicherheit betroffenen Viehhirt:innen zu stärken und rückkehrende Geflüchtete nachhaltig zu reintegrieren, hilft CARE u. a. mit dem Wiederaufbau von zehn Brunnen und Bohrlöchern, dem Training von 14 Wassermanagementkomitees, Cash-for-Work-Programmen, der Gründung und Etablierung von 40 Kleinspargruppen, der Verteilung von Saatgut und Nutzvieh sowie Hygienepaketen.

Die Folgen der Klimakrise

Die Dürre in Somalia zwingt Familien zu harten Entscheidungen

Amina sitzt mit ihren Kindern vor einem Zelt in einem Flüchtlingscamp in Somalia

Aufgrund der anhaltenden Dürre in Somalia verlor Amina 50 Kühe und 30 Ziegen und damit die einzige Lebensgrundlage ihrer Familie. Bei sengender Hitze lief die schwangere 28-jährige mit ihren Kindern 11 Tage lang über 100 Kilometer und fand Zuflucht in einem Camp für Binnenvertriebene in Lower Juba. Seitdem konnte sie nicht mehr mit ihrem Mann kommunizieren, den sie zurückgelassen hatte. 

"Manchmal gehen meine Kinder hungrig zu Bett, weil ich ihnen nichts zu essen geben kann und weil ihr Vater nicht da ist, um zu helfen. Wir haben durch die Dürre alles verloren. Als wir noch unser Vieh hatten, führten wir ein gutes Leben. Jetzt wissen wir nicht einmal, was unsere nächste Mahlzeit sein wird und wann wir sie überhaupt bekommen", sagt Amina.

Portrait von Adow aus Somalia

Adow, 70, war sein ganzes Leben lang Viehzüchter und besaß mehr als 300 Tiere. Nachdem die Dürre seine Herde vernichtet hatte, blieben ihm nur noch 20 Ziegen. Adow und seine Familie trafen eine folgenschwere Entscheidung: Sie verließen ihre Heimat und zogen in ein Lager für Binnenvertriebene, in dem sie auf die Hilfe humanitärer Organisationen angewiesen waren.

"Es war schmerzhaft, mein Leben zurückzulassen, aber ich hatte keine andere Wahl. Ich hatte nur einen Eselskarren, um meine Familie in das Lager zu bringen. Die schwierigste Entscheidung war, ob ich die wenigen Lebensmittel, die mir geblieben waren, mitnehmen, oder meine kleinen Kinder, die noch nicht so gut laufen konnten, auf den Wagen setzen sollte. Die Dürre hat uns in eine sehr schwierige Lage gebracht. Ich weiß nicht, wie wir überleben sollen", erzählt Adow.

Mustafa rettet sein Dorf: Mit Ausbildung Hunger und Dürren vorbeugen

1.300 Menschen wohnen in Suuqsade. Das kleine Dorf im Norden Somalilands ist umringt von Wüste. Steine, wohin das Auge blickt. „Vier Jahre Dürre haben hier alles vertrocknen lassen“, erklärt uns Mustafa. „Früher waren dort drüben Weiden mit großen Viehherden. Doch wo kein Wasser ist, kann kein Leben blühen. Das möchte ich für mein Dorf ändern.“

Sechs Monate hat Mustafa investiert, um die CARE-Ausbildung zum Wassertechniker zu absolvieren. Nun bewegt er Großes für sein Dorf: „Wir haben mit CARE ein Bohrloch installiert und einen Erdwassertank. Er macht uns vom Regen unabhängiger. Ein Wasserkomitee im Dorf hilft mir bei der Instandhaltung aller Zapfstellen. Unsere Frauen schult CARE seit zwei Jahren im Lesen, Schreiben, Rechnen und in verschiedenen Handwerken. Sie sparen als Gruppe und geben sich kleine Kredite zur Umsetzung neuer Geschäftsideen. Erstmals haben wir wieder sauberes Wasser, die Frauen etwas Einkommen und unsere Familien wieder mehr als eine Mahlzeit am Tag. Schritt für Schritt arbeiten wir uns gemeinsam mit CARE aus der Krise. Das macht Mut.“

Wassertechniker Mustafa mit geöffnetem Werkzeugkasten
Wassertechniker Mustafa arbeitet an einem Wassertank