Millionen Menschen drohen ohne Strom und Heizung zu bleiben

Bonn, 21. Oktober 2025. Die ukrainische Energie- und Verkehrsinfrastruktur sieht sich neuen Wellen der Zerstörung ausgesetzt. Während das Land in seinen vierten Kriegswinter geht, nehmen die Angriffe auf das bereits an seine Belastungsgrenzen gestoßene Versorgungssystem drastisch zu. Millionen Menschen sind gefährdet, in den kommenden Monaten ohne Strom, Heizung und Wasser zu bleiben. Die internationale Hilfsorganisation CARE fordert dringende Unterstützung durch Regierungen und Geber.

In den vergangenen Wochen haben massive Raketen- und Drohnenangriffe Kraftwerke, Umspannwerke und Bahnlinien im ganzen Land getroffen. Weite Teile der Ukraine sind immer wieder von der Energieversorgung abgeschnitten. Besonders betroffen sind Regionen nahe der Front, wo beschädigte Bahnstrecken den Transport von Kohle, Holz und humanitären Hilfsgütern stark einschränken.

„Jeder Winter ist ein Überlebenskampf für die Menschen in der Ukraine, aber dieser wird besonders hart“, sagt Michael McGrath, CARE-Länderdirektor für die Ukraine. „Die gezielten Angriffe auf Energie- und Verkehrsnetze haben die Lage dramatisch verschärft. Unsere Partnerorganisationen arbeiten gegen die Zeit, um Isolationsmaterialien, Heizgeräte und Nothilfe vor dem ersten Frost bereitzustellen. Doch wir brauchen dringend verstärkte Unterstützung von Regierungen und Geldgebern. Das Leben vieler Menschen hängt davon ab, wie schnell Hilfe die Bedürftigsten erreicht.“

Laut dem Winterhilfsplan 2025–2026 wollen Hilfsorganisationen rund 1,7 Millionen Ukrainerinnen und Ukrainer unterstützen – 77 Prozent von ihnen leben in Gemeinden nahe der Front. Behörden schätzen, dass etwa 900.000 Menschen dort sofortige Hilfe benötigen, um die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt zu überleben.

In der Region Donezk liefert CARE gemeinsam mit der Partnerorganisation Avalyst Baumaterialien, um zerstörte Häuser notdürftig zu reparieren. Für viele Familien ist das die einzige Chance, Wärme im Haus zu halten.

„Wir haben keine Heizung oder Gasversorgung“, erzählt Svitlana (53) aus der Region Donezk. „Früher konnten wir im Wald Brennholz sammeln, heute ist das wegen der Minen lebensgefährlich. Nach dem Beschuss war unser Haus schwer beschädigt. Dank der Hilfe von Avalyst und CARE konnten wir wenigstens die Fenster abdecken, um uns ein wenig vor der Kälte zu schützen.“

CARE und seine Partnerorganisationen appellieren an internationale Geber, die Finanzierung und Koordination von Winterhilfen jetzt zu beschleunigen. Nur wenn Hilfsgüter, Heiz- und Reparaturmaterialien rechtzeitig ankommen, kann eine großflächige humanitäre Krise verhindert werden und die Menschen in den Frontgebieten die kommenden Monate mit Würde und in Wärme überstehen.

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