Bonn/Berlin, 16. Januar 2026. Der für den Beginn der kommenden Woche erwartete Besuch des syrischen Übergangspräsidenten Ahmed al-Scharaa in Berlin fällt in eine Phase, in der die Lage in Syrien weiterhin äußerst angespannt ist. Die Bedingungen für eine sichere und würdevolle Rückkehr syrischer Geflüchteter in großem Umfang sind nach 14 Jahren Konflikt weiterhin nicht gegeben. Rückkehrentscheidungen müssen deshalb freiwillig erfolgen. Damit syrische Geflüchtete eine fundierte Entscheidung über ihre Rückkehr oder ihren Verbleib in Deutschland treffen können, sollte Deutschland ihnen Besichtigungsreisen nach Syrien ermöglichen, ohne dass dadurch der Aufenthaltsstatus verloren geht.

Auch ein Jahr nach dem politischen Umbruch sind Millionen Menschen auf lebensrettende humanitäre Hilfe angewiesen. Zwei Drittel der Bevölkerung können ihre Grundbedürfnisse nicht eigenständig decken. Hunderttausende Menschen leben in provisorischen Unterkünften. Weil internationale Mittel für humanitäre Hilfe fehlen, sind viele Familien gezwungen, erneut zu fliehen – dorthin, wo überhaupt noch Unterstützung geleistet wird. Die jüngsten Entwicklungen in Aleppo verdeutlichen die Fragilität der Lage. Dazu erklärt CARE Syrien Länderdirektor David MacDonald:

„Der jüngste Konflikt in und um Aleppo hat in den letzten Tagen zur Vertreibung Tausender Familien geführt. Mit dem Waffenstillstand kehren zwar Familien zurück, doch andere leben weiterhin in Sammelunterkünften oder sind in andere Teile des Landes gezogen. Jede Wiederaufnahme des Konflikts birgt die Gefahr, dass es zu neuen Vertreibungen kommt. Der ohnehin schon fragile Zugang zu grundlegenden Dienstleistungen in einer Stadt, in der sich viele Familien noch immer vom jahrelangen Konflikt und von wirtschaftlichen Schwierigkeiten erholen, wird weiter beeinträchtigt. In vielen Teilen des Landes sind die Bedingungen für eine sichere, freiwillige und würdige Rückkehr noch nicht gegeben, insbesondere aufgrund der beschädigten Infrastruktur, des eingeschränkten Zugangs zu Versorgungsleistungen und anhaltender Sicherheitsbedenken.“

Die Bundesregierung ist jetzt gefordert, ihrer internationalen Verantwortung gerecht zu werden und die humanitäre Hilfe für Syrien verlässlich und nachhaltig zu finanzieren. Deutschland sollte frühzeitige Wiederaufbaumaßnahmen gezielt unterstützen, um Bedingungen zu schaffen, die eine freiwillige, sichere und menschenwürdige Rückkehr ermöglichen. Dabei müssen der Schutz und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Mädchen im Zentrum stehen – denn nur wenn ihre Rechte gestärkt und ihre Bedürfnisse von Beginn an berücksichtigt werden, kann der Wiederaufbau nachhaltig und inklusiv gelingen.

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